Die Glatze als Mode-Statement!

Auch wenn Ex-Fußballer Mehmet Scholl kürzlich im TV für seine fehlenden Haare veräppelt wurde: Die in vielen Fällen unvermeidliche Glatze ist keine Katastrophe mehr. Weil sie unter Style-Gesichtspunkten längst akzeptiert ist.

Mehmet Scholl bleibt cool, obwohl ihm die Haare ausgehen. (Bild: ddp)Mehmet Scholl bleibt cool, obwohl ihm die Haare ausgehen. (Bild: ddp)
Mehmet Scholl bleibt cool, obwohl ihm die Haare ausgehen. (Bild: ddp)
Das war ein Schlag unter die Gürtellinie — obwohl er direkt auf die Haarwurzel zielte. ARD-Fußballmoderator Matthias Opdenhövel war der Täter, das Opfer: sein Sidekick und Experte Mehmet Scholl. Als im Nebenprogramm zum EM-Spiel Deutschland gegen Dänemark am Sonntag ein Filmausschnitt mit dem Engländer Wayne Rooney gezeigt wurde, der sich 2011 bekanntlich einen neuen Schopf auf den Kopf operieren ließ, fragte Opdenhövel den armen Scholl, live auf Sendung: „Hast du deine Haare auch gekauft?" Der antwortete schlagfertig: „Ich habe mehr Haare auf dem Rücken."

Millionen von Männern, die das sahen und hörten, müssen einen Stich im Herzen gespürt haben: Opdenhövel (der den Frisuransatz zwar auch hoch trägt, aber kaum Geheimratsecken zu haben scheint) hatte einen kollektiv besonders wunden Punkt erwischt. Gerade Mehmet Scholl, 41, ist doch einer der Prominenten, bei denen man in den letzten zehn Jahren mitverfolgen (und mitfühlen!) konnte, wie sie die Haare gegen den schrecklichen Gang der Natur würdevoll verteidigten. Als sich die Ecken immer spitzer in Richtung Kopfscheitelpunkt fraßen, ließ Scholl den Rest nach und nach kürzer schneiden. Die geschorene Version, die man jetzt im Fernsehen sieht, ist relativ neu. Und an sich keine schlechte Idee.

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Aber da jeder Fall anders liegt, muss sich auch fast jeder Gentleman ab Mitte 20 fragen: Mit welcher Taktik begegne ich dem Lauf der Haare? Durch vorauseilenden Gehorsam? Durch provokantes Ignorieren? Oder mit Geld und Chemie?

Zuerst zu Letzterem: Haarverpflanzungen wie die, die sich Wayne Rooney genehmigt hat, belaufen sich auf zwischen 2000 und 8000 Euro. Tabletten mit dem Wirkstoff Finasterid, der bei rechtzeitiger, regelmäßiger Einnahme vererbten Haarausfall stoppen kann, müssen vom Arzt verschrieben werden und kosten pro Monat um die 50 Euro.

Ob man der Natur entgegenwirken will, ist allerdings keine rein finanzielle, sondern eine beinahe philosophische Entscheidung. Schließlich lichten sich bei durchschnittlich jedem zweiten Mann die Haare vorzeitig (bei jeder fünften Frau übrigens auch). Alle wissen, dass nichts daran peinlich oder unnormal ist. Und dass schwindende Haare rein gar nichts mit nachlassender Männlichkeit zu tun haben (auch wissenschaftlich erwiesen), müssten Frauen aus eigener Erfahrung bestätigen können.

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Zweite Möglichkeit: das Ignorieren. Wer einen so tollen Kopf hat wie beispielsweise Klaus Kinski, einer der größten, offensivsten Geheimratsecken-Ignorierer der Geschichte, der kann sich das leisten. So lange es nicht regnet und die langen Wische am Kopf festkleben. Allerdings sah Kinski auch mit Vollglatze hervorragend aus, wie er als Vampir im Film „Nosferatu — Phantom der Nacht" bewies. Und im schlimmsten Fall kann sich eine solche Fragmental-Mähne am Ende zu einem der hingeschmalzten Haarbügel entwickeln, wie man sie früher bei „Tagesschau"-Sprechern sah.

Eine ebenso offensive wie naturbasierte Herangehensweise ans Haarproblem ist also am wärmsten zu empfehlen. Vorschnell sollte man dabei trotzdem nicht sein: Manche jungen Männer rasieren sich ja schon mit Mitte 20 radikal den Kopf, um gar nicht erst ins Hin und Her der Haarausfall-Diskussion hineingezogen zu werden — stilistisch sind sie dann allerdings schon sehr früh sehr eingeschränkt. Die Rückkehr von der freiwilligen Studentenglatze zu einer etwas flaumigeren Altersfrisur ist ein modisches Wagnis. Mehmet Scholl hat es andersrum gemacht, und das war bessser so.

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Nichts spricht dagegen, den Übergang zur Komplettrasur des Kopfes — sollte sie am Ende notwendig werden — in Stufen zu gestalten. Welcher Glatzentyp man dann sein wird, hängt natürlich auch vom restlichen Styling ab. Die Hooligan-Glatze (Beispiel: Ewan McGregor im Film „Trainspotting") ist dabei nicht dasselbe wie die sanfte Macho-Glatze (Jason Statham, Bruce Willis), die Techno-Glatze (Moby, Paul Kalkbrenner), die sportliche Windhund-Glatze (David Beckham) oder gar die esoterisch angehauchte Buddha-Glatze (Thomas D).

Zumindest das ist die gute Nachricht: Nie gab es für den Kahlkopf so viele absolut legitime Style-Varianten wie heute. Die College-Preppy-Glatze? Könnte man auch langsam mal erfinden. Die Leute mit lästig vollem Haupthaar — wie Matthias Opdenhövel — werden bald ganz schön neidisch sein.