Macho, Macho: Italien, Deine Klischees

Er ist ein Macho, der am allerliebsten Pasta isst — vorausgesetzt, er macht mal eben Pause vom wilden Gestikulieren. Dem Italiener wird ja so einiges nachgesagt. Von der extremen Liebe zum Kaffee — und zur Mamma: Wir haben die Top 5 Italo-Mythen unter die Lupe genommen.

Macho, Macho: Italien Deine Klischees! (Bild: thinkstock)Macho, Macho: Italien Deine Klischees! (Bild: thinkstock)

Klischee 1: Italiener leben von Pasta

Die italienische Küche ist die wohl beliebteste der Welt — und sehr abwechslungsreich dazu: diverse Fischgerichte, Gegrilltes oder Fleisch aus dem Ofen, Gemüse(-kuchen) und vieles, vieles mehr. Trotzdem sagt man dem durchschnittlichen Italiener nach, er esse ständig Pasta — und so ist es auch! Ein Teller Nudeln ist fester Bestandteil einer jeden italienischen Mahlzeit. Denn Penne, Ravioli oder Linguine sind hier meist der erste Gang, also eine Art Vorspeise. In Deutschland kennen wir Spaghetti und Co. eigentlich nur als komplettes Abendessen. Und als solches kommen die Hartweizenköstlichkeiten hierzulande wahrscheinlich öfter auf den Tisch als in Bella Italia. Doch Übung macht nicht immer den Meister. Ein Italiener wird keinem Deutschen ein anständiges Nudelgericht zutrauen; dafür gibt es zu viele Regeln, die den „Masters of Pasta" in die Wiege gelegt wurden. Die Menge des Salzes im Kochwasser, der perfekte Garpunkt, die „italienische" Sauce, und und und… In Sachen Nudeln gibt es also in etwa so viele Stolpersteine wie Sorten. Wenn sich ein italienischer Gast zum Essen anmeldet, erfreuen Sie ihn lieber mit einem Schnitzel!


Klischee 2: Italiener reden mit den Händen

Halte einem Italiener die Hände fest und er kann sich nicht mehr artikulieren — dieses Vorurteil hat schon die eine oder andere slapstickartige Filmszene hervorgebracht. Und auch wenn Italiener versuchen, die Contenance zu wahren und das wilde Gestikulieren zu vermeiden, bleibt es eine Tatsache: Zur italienischen Kommunikation gehört eine ausschweifende Körpersprache einfach dazu. Spätestens wenn es einen Grund zur Aufregung (oder ein paar Gläser Vino) gibt, bricht es aus ihm heraus — und seine Arme begleiten ein jedes Wort. Als wollte er nach etwas greifen, ragen die Hände mal in die Höhe, mal wieder an die Brust. Fast 80% der Kommunikation wird über Gesten und Bewegungen geführt, eine nonverbale Sprache, für die es sehr wohl allgemeine Regeln gibt. Gebräuchliche Gesten haben bestimmte Bedeutungen — und zwar oftmals andere als hierzulande. Das führt schnell mal zu Missverständnissen. Auf den Tisch zu klopfen etwa bedeutet in Italien, dass jemand stur ist, in Deutschland sorgt man so für Beifall oder hofft auf Glück. Ein weiteres Beispiel: Zum Handshake kommt es in Italien in der Regel nur in sehr formellen Situationen, ihre Hände lassen die Italiener jedoch durch die Bank weg sehr gerne sprechen, vom Professor bis hin zum Klempner. Dabei sind sie eigentlich auch ohne dieses Hilfsmittel ziemlich gut zu hören …

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Klischee 3: Italiener sind laut!

„Che cazzo fai?" brüllt der eine. Und der andere schreit noch lauter zurück. Oft fühlt man sich zum Schlichten bewogen, wenn zwei Italiener in eine geräuschvolle Diskussion vertieft sind. Doch was für uns schnell nach Streit klingt, ist in der Regel ein völlig normales Gespräch. Italiener ‚unterhalten' sich in einer anderen Lautstärke, als wir es hier gewohnt sind. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie aus dem Süden kommen, wo es wärmer ist, und daran, dass sie viel Zeit draußen verbringen. Und natürlich muss man seine Stimmlage ein wenig anpassen, um das Geschnatter der anderen zu übertönen wie auch das Röhren der Motorini. In der Kommunikation ähneln die Italiener eben mehr den Mexikanern und Brasilianern als etwa den Norwegern. Es ist also kein Ärger, sondern Wärme, Feuer, Temperament — und das findet in jeder Konversation Platz! Erst wenn die ersten Teller gegen die Wand fliegen, sollten Sie anfangen, sich Sorgen zu machen.

Klischee 4: Italiener sind Kaffee-Snobs

In Italien bekommt man den besten Kaffee, so sagt man selbst über die Landesgrenzen hinaus. Und auch Deutsche schwärmen von Lavazza, Illy und Co. Dabei macht nicht mal die Bohne den großen Unterschied, leckere Sorten bieten auch andere Länder an. Der Italiener aber würde das, was wir hier „Cappuccino" nennen, höchstens aus Höflichkeit anrühren und dabei innerlich mindestens die übertriebene Größe der Tasse monieren. In Bella Italia ist das leckere Heißgetränk an jedem x-beliebigen Bahnhofscafé genau so, wie es sein sollte: mit einem ordentlich cremigen Milchschaum. Und der Italiener bestellt seinen Cappuccino höchstens bis zur Mittagszeit. Ab 12 Uhr wird (zumindest in der Öffentlichkeit) nur noch Espresso getrunken, der dafür aber gerne bis spät in die Nacht. Milchkaffee ist für die Morgenstunden reserviert, als Mini-Frühstück mit einem „Cornetto" (= Hörnchen, Croissant). Wenn Sie also einen dunkelhaarigen Mann im gut geschnittenen Anzug nachmittags mit einem Latte Macchiato in der Hand am Tresen stehen sehen, wissen Sie: Das ist definitiv kein Italiener!

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Klischee 5: Italiener und die Frauen

Auch wenn in „Ciao Bella!" ein Kompliment versteckt ist, sollte Frau sich nicht allzu geehrt fühlen. Der italienische Mann denkt sich gar nicht viel dabei, wenn ihm das Wort „Schöne" über die Lippen kommt. Sicherlich ist mitunter auch mal eine besonders attraktive Frau unter der Armada an „Belle donne", aber um die Wahrheit zu sagen: als Bella wurde wirklich schon jedes weibliche Wesen bezeichnet, das jemals einen Fuß auf italienischen Boden oder in ein italienisches Restaurant gesetzt hat. Ob es nun darum geht, mit gezielt eingesetzter Schmeichelei ein ordentliches Trinkgeld rauszuholen oder ob es dem Italiener schlichtweg von Geburt an anerzogen wurde, „Bella" als Platzhalter für den (vielleicht noch unbekannten) Frauennamen zu verwenden: Wir finden das obligatorische Kompliment einfach toll. In ihrer Bewunderung gegenüber dem schönen Geschlecht unterscheiden sich Italiener sehr von den deutschen Männern. Das zeigt sich alleine in der Hingebung gegenüber der Tollsten aller Tollen: der Mamma! Da kann er noch so ein Macho sein, ein Italiener bleibt auf Lebzeiten Muttis Liebling, wird verwöhnt, bekocht und heiß geliebt. Kein Wunder, dass der glückliche Sohnemann ein Stück von der Zuneigung an die Frauenwelt zurückgeben möchte. Mille grazie dafür!