Weltuntergang

Weltrettungs-Aktivist Philipp Fleischmann: „Ein sau fieser Termin für einen Weltuntergang”

Die Rettung der Welt, nichts Geringeres haben sich die Regisseure Lilly Engel und Philipp Fleischmann vorgenommen. Mit ihrem Dokumentarfilm „99 Gründe warum die Welt nicht untergehen darf" stellen sie sich gegen zahllose Prophezeihungen, eine untergegangene Kultur, die Weltreligionen und die moderne Wissenschaft — praktisch gegen alles. Im Interview erklärt der ambitionierte Weltretter Philipp Fleischmann der überzeugten Weltuntergangs-Expertin Maya K. Lender warum sein Film nicht nur richtig großes Kino wird, sondern auch die Apokalypse abwendet.

Kinder (hier in den Favelas Brasiliens): Nur ein Grund, warum die Welt nicht untergehen darf (Bild: Still "99 Gründe")Kinder (hier in den Favelas Brasiliens): Nur ein Grund, warum die Welt nicht untergehen darf (Bild: Still "99  …

Fleischmann: Ist das okay, wenn nur ich das Interview mit dir führ, Lilly Engel muss heute drehen.

Maya K. Lender: Kein Problem, ich verstehe das. Ihr dürft auch ja keinen terminlichen
Verzögerungen leisten, denn am 21. Dezember 2012 geht die Welt unter — so viel ist sicher.
Apropos „2012", wie habt ihr eigentlich Roland Emmerich für eure Weltrettungsaktion
gewinnen können? Der schien mir eigentlich kein Weltuntergangs-Skeptiker zu sein...

Fleischmann: Wir haben ihn natürlich genau deswegen gefragt: Wenn uns jemand etwas über den Weltuntergang erzählen kann, dann Roland Emmerich! Und es war eine riesige Freude, als er zugesagt hat. Er steckt gerade in den Dreharbeiten zu seinem neuen Film „White House Down" und hat uns unglaublicherweise 20 Minuten seiner Zeit geschenkt.

Maya K. Lender: Und warum soll jetzt für Emmerich die Welt doch nicht untergehen?

Fleischmann: Ich darf nichts vorwegnehmen, nur so viel: Es wird ganz großes Kino!

Maya K. Lender: Auch Nicht-Hollywood-Regisseure können sich ja an euren Film beteiligen: Über eure Website www.99gruende.de kann jeder einen Clip hochladen und erklären, warum die Welt nicht untergehen darf. Habt ihr das Material schon gesichtet, war schon was Weltrettendes dabei?

Fleischmann: Mit jedem Clip kommt ein neuer Grund hinzu, an den wir selbst nie denken würden. Wir haben z.B. ein Video bekommen, in dem man ein einjähriges Kind unbeholfen durch die Gegend laufen sieht — so circa eine Minute lang —, plötzlich guckt es in der Kamera uns sagt: „Mama." Ob man jetzt selbst Kinder hat oder nicht, in diesem Moment kann jeder nachvollziehen, warum die Welt nicht untergehen darf.

Maya K. Lender: Was war das Kurioseste, das ihr bisher gesehen habt?

Fleischmann: Das Kurioseste überhaupt war für mich das Interview mit Mark Lanegan. Wegen seiner Musik gilt der als wahnsinnig düsterer Mensch und dann treffen wir auf einen sehr umgänglichen und lustigen Typen. Er hat uns auch einen Grund genannt, der überraschend positiv ist. Für mich ein Highlight, weil er einer meiner All-Time-Heroes ist.

Musiker Mark Lanegan: Trotz düsterem Auftreten kein Schwarzseher (Bild: Still "99 Gründe")Musiker Mark Lanegan: Trotz düsterem Auftreten kein Schwarzseher (Bild: Still "99 Gründe")

Weltuntergang in Bildern: Beste Aussicht auf die Apokalypse

Maya K. Lender: Euer Film soll ja „kaleidoskopartig" werden. Wie muss man sich das
vorstellen? Schickt ihr uns kurz vor Weltuntergang noch durch ein grausames Wechselbad der Gefühle?

Fleischmann: Natürlich wird es ein Wechselbad der Gefühle, das aber von einem positiven Grundgefühl getragen ist. Das wird aber auch kein ironischer YouTube- Lacher-Ansammlungs-Film. Wir switchen zwischen den Locations, haben zum Beispiel in Rio de Janeiro mit Prostituierten gedreht. Es gibt durchaus Geschichten über Menschen, die in sehr ernsten Lebenssituationen stecken. Wir planen ein Interview mit einer Frau, die vom Hals abwärts gelähmt ist und wahrscheinlich nur noch wenige Monate zu leben hat. Das ist auch ein bewegender Grund, warum die Welt auf keinen Fall jetzt schon untergehen darf.

Maya K. Lender: Was ist dein persönlicher Grund, warum es nicht am 21. Dezember zu Ende sein darf?

Fleischmann: Der Film! Wenn die Welt untergeht würde das heißen, dass wir es nicht
geschafft haben, mir unserer Doku die Welt zu retten.

Maya K. Lender: Ihr setzt also voll auf Aftershow-Party?

Fleischmann: Total! Ich habe an mein Team schon T-Shirts mit der Aufschrift „Aftershow-Party 22.12." verteilt.

Maya K. Lender: Aber jetzt mal wieder ernsthaft. Wie glaubst du, geht die Welt unter?

Fleischmann: Ich kann mich leider auch nicht gegen die Bilder wehren, die Hollywood uns ins Gehirn implantiert hat. Ich stelle mir eine ganz klassische Überschwemmung vor, an Asteroiden oder Aliens glaube ich nicht so.Stripperinnen in Rio: Beeindruckendes Szenenbild aus "99 Gründe" (Bild: Still "99 Gründe")Stripperinnen in Rio: Beeindruckendes Szenenbild aus "99 Gründe" (Bild: Still "99 Gründe")

Maya K. Lender: Sollte man überhaupt noch Weihnachtsgeschenke kaufen, wenn die Welt ohnehin am 21. Dezember absäuft?

Fleischmann: Eigentlich nicht! Der Einzelhandel wird stöhnen! Der Einzelhandel beschwert sich jedes Jahr, aber dieses Jahr wird er sich besonders laut beschweren! Weihnachtsgeschäft geht dieses Jahr voll in die Hose.

Maya K. Lender: Super, und dann kommt Weihnachten doch, weil ihr die Welt mit eurem Film gerettet habt. Wie steht man denn dann da, ohne Geschenke?

Fleischmann: Gibt es eine bessere Ausrede, als den kurz vor knapp abgewendeten
Weltuntergang, um an Weihnachten ohne Geschenke bei der Familie aufzuschlagen? Das ist auch ein sau fieser Termin für einen Weltuntergang, der 21. Dezember. Wer möchte seine letzten Tage schon so verbringen? Man hetzt durch die Fußgängerzonen und überall dieser schreckliche Schmuck und diese furchtbare Musik.

Maya K. Lender: Bereitest du dich auf den Weltuntergang vor?

Fleischmann: Wir haben den Film Anfang dieses Jahres begonnen und ich muss sagen, erst haben wir noch über den Weltuntergang gelacht, das sehr ironisch gesehen. Das hält auch noch an, aber je mehr man sich mit der Thematik beschäftigt, umso nervöser wird man. Irgendwo im Gehirn gibt es einen Bereich der sagt: „Wer weiß? Was, wenn doch?"

Maya K. Lender: Wenn die Welt jetzt untergeht, was darf deiner Meinung nach gerne mit ihr verschwinden?

Fleischmann: Paris Hilton... (überlegt) und die Musik von Celine Dion!

Maya K. Lender: Steht eure Sendezeit schon?

Fleischmann: Natürlich werden wir am 21. Dezember ausgestrahlt. Wir wünschen uns den Sendeplatz um 23 Uhr, die Sache soll gerade Ende des Weltuntergangsdatums nochmal spannend werden.

Maya K. Lender: Damit handelt ihr euch aber harte Konkurrenz ein: Das ZDF plant eine Live-Show zum Weltuntergang!

Fleischmann: Weiß ich. Das Schöne ist: Die werden nichts zu berichten haben, weil wir ja den Weltuntergang verhindern! Um es in einem Fernsehgleichnis zu sagen: Wir sind das Champions-League-Spiel und die … äh, dritte Liga. (lacht) Wer auch immer den Weltuntergang entscheidet — ob er, sie, oder es —, ich gehe davon aus, es handelt sich um ein vernünftiges Wesen und es wird sich auch nach den Einschaltquoten richten.

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    • Beste AntwortMan kann sich auf zwei Arten abgrenzen. Das ist diese ausgefallene Schiene, wo die Namen von den Kindern bis weit in die Grundschule nicht einmal buchstabiert werden können, angelehnt an möglichst exotische Vorbilder, Figuren der Popkultur. Und dann gibt es die Masche, die die akadamische Mittelschicht fährt und mit voller Absicht in die Kiste nahezu altmodischer Namen greift und den Prenzlauer Berg mit Wilhelms und Friederichs bepflastert. Ein bisschen Phantasie ist völlig okay, wenn der Name aber zu sehr nach Stripperin, Nageldesignerin oder 90er Jahre Boygroupmitglied klingt, dann ist man wahrscheinlich zu weit gegangen. Man darf immer im Hinterkopf behalten, dass das Kind im ersten Moment zwar putzig und süß ist und man seine subjektiv empfundene Einzigartigkeit in die Welt hinausschreien möchte, dass das Kind mit diesem Namen aber leben muss. Vielleicht wäre ein Ansatzpunkt sich zu fragen, wie der Name auf einer Visitenkarte eines Anwaltes/ Arztes/ Richters aussähe und welchen Eindruck dieser Name auf einer Visitenkarte hinterlassen würde. Nicht, dass alle Kinder Arzt, Anwalt oder Richter werden sollen, aber es sind mehr oder weniger respektable Berufe, die man ernst nehmen will.
    • Pierre ist schön und in deutschland nicht weitverbreitet der name ist entscheidend für die zukunft des kindes kevinses gehen nicht auf unis lukasses schon ich kenne nur einen kevin der auf die uni geht und er ist in prüfungen durchgefallen!! EINEN KEVIN!! bei manchen menschen sagt man auch "er sieht wie ein horst aus" und oft stimmt es niemals würde ich mein kind kevin oder chantal nennen. aber ausländische namen auch oft nicht gut wenn arbeitgeber etwas türkisches sehen scheuen sie sich auch oft. ein schwarzer freund wurde von einem facharzt abgelehnt weil es angeblich keinen termin mehr gab. seine weiße freundin hat dort dann angerufen und konnte einen termin für ihn ausmachen. egal das ist was anderes. ich würde mein kind aber auch nicht luke skywalker nennen. etwas ganz normales würde ich mir aussachen. aber keinen trendnamen. denn ein trend geht vorbei und ein kind wird hoffentlich sehr alt.
    • Traditionen finde ich gut: Die Erna bei uns ausm Hinterhaus, hat ihre Tochter Erna genannt, weil alle weiblichen Erstgeborenen Erna heißen. Der Sohn heißt Locke. Weil alle männlichen Erstgeborenen halt Locke heißen. Ich hab gefragt, ja was ist denn, wenn Ihr noch ein Kind bekommt? Sie meinte, dann werden da halt Nummern drangehängt. Das finde ich schön. ...die haben übrigens immer so gute Ideen...so bodenständig.
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