Unbegründete Selbstzweifel: Das Impostor-Phänomen

"Ach, das war doch nur Glück!" Sätze wie diese hört man von nicht wenigen Menschen, denen man zu ihrer guten Leistung oder einem erbrachten Erfolg gratuliert. Doch statt falscher oder aufgesetzter Bescheidenheit stecken oft immense Selbstzweifel und der Glaube, den eigenen Erfolg nicht verdient zu haben, hinter solchen Aussagen. Die Unfähigkeit, die eigenen Fähigkeiten anzuerkennen, wird auch Impostor- oder Hochstapler-Syndrom genannt. Doch wie kann dieses Denkmuster entstehen und wie lässt es sich durchbrechen?

Unbegründete Selbstzweifel: Besonders leistungsstarke Menschen schreiben ihre Erfolge oft Glück oder Zufall zu (Bild: thinkstock)Unbegründete Selbstzweifel: Besonders leistungsstarke Menschen schreiben ihre Erfolge oft Glück oder Zufall zu …

Das Impostor-Phänomen: Was ist es?
Erstmals beschrieben und untersuchten die Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes 1978 das Impostor-Phänomen. Hierbei ist vor allem der Prozess der Ursachenzuschreibung dysfunktional: Statt Leistungen und Erfolge ihren Fähigkeiten, Wissen oder Talent zuzuschreiben, glauben Betroffene, Zufall, Glück, Beziehungen oder gar ein Irrtum wären dafür verantwortlich. Sie halten sich für einen Hochstapler und fürchten, bald als solcher enttarnt zu werden, wenn auffliegt, dass man eben doch nicht so gut sei wie alle denken.

Um das Impostor-Phänomen näher zu untersuchen, führten Clance und Imes 1987 eine Studie mit 150 äußerst leistungsstarken Frauen durch, die allesamt große akademische Erfolge aufzuweisen hatten, als ausgewiesene Expertinnen auf ihrem Gebiet galten – und sich dennoch selbst als Hochstaplerinnen empfanden, die fälschlicherweise von anderen überschätzt würden.

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Wie entsteht es?
Die Wurzel dieser gestörten Selbstwahrnehmung und des mangelnden Selbstwertgefühls sehen die Forscherinnen in Kindheit und Erziehung. In ihrer Untersuchung ließ sich feststellen, dass es zwei mögliche familiäre Entstehungsursachen der Symptomatik geben kann: Zum einen kann die Familienkonstellation dergestalt strukturiert sein, dass die Rolle des "Intelligenten" in der Familie bereits durch eine andere Person "besetzt" ist, während dem Betroffenen eher unfreiwillig die Rolle des "sozial Begabten" zufällt.

Trotz sehr guter intellektueller Leistungen, mit denen man diese "Rollenzuweisung" eigentlich widerlegen will, wird dazu geneigt, das eigene Selbstbild entsprechend der familiären Sozialisation wahrzunehmen und weniger Intelligenz oder kognitive Fähigkeiten als vielmehr soziale Komponenten, wie Charme oder manipulatives Geschick dafür verantwortlich zu machen.

Aber auch bei entgegengesetzter Dynamik kann sich das Impostor-Phänomen manifestieren, wie die Psychologinnen bei den Befragten beobachten konnten: Wenn Eltern ihrem Kind nämlich stets das Gefühl vermitteln, es sei in jeder Hinsicht überragend und könne alles mit Leichtigkeit erreichen. Früher oder später wird das Kind jedoch die Erfahrung machen (müssen), dass dem nicht so ist und es auch Schwierigkeiten oder Misserfolgen gegenüberstehen wird.

Daraus kann schnell das Gefühl resultieren, die hohen Erwartungen der Familie nicht erfüllen zu können. Zudem werden die überschwänglichen Lobeshymnen der Eltern – und damit auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – in Frage gestellt. Da die Wahrnehmung der Eltern und die eigene ganz offenbar auseinander klaffen, kann daher das Gefühl entstehen, nicht wirklich intelligent, sondern lediglich ein "intellektueller Hochstapler" zu sein.

Wie lässt sich dieses Denkmuster durchbrechen?
Mögen gesunde, gelegentliche (!) Selbstzweifel unter Umständen als Leistungsansporn dienen, ist das ständige Gefühl von Minderwertigkeit und Unzulänglichkeit für die Betroffenen dauerhaft unangenehm und kann schlimmstenfalls sogar krank machen. Um dieser Denkfalle zu entkommen, ist es elementar, daran zu arbeiten, welche Ursachen man Ereignissen zuschreibt. Dieser sogenannte Attributionsstil ist bei Menschen, die sich selbst für "Hochstapler" halten, in der Form ausgeprägt, dass sie die Gründe für ihre Erfolge nicht bei sich selbst sehen sondern vielmehr in externen Umständen oder situationalen Bedingungen.

Wer sich einbildet, beim Erzielen von Erfolgen ein Hochstapler zu sein, lebt in ständiger Furcht, enttarnt zu werden (Bild: thinkstock)Wer sich einbildet, beim Erzielen von Erfolgen ein Hochstapler zu sein, lebt in ständiger Furcht, enttarnt zu werden …

Hilfreich sind nach Clances und Imes auch Techniken wie beispielsweise das Führen eines Tagebuchs, in dem man positives Feedback über die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten festhält und sich gleichzeitig vergegenwärtigt, wie man dazu neigt, diese Komplimente herunter zu spielen oder abzuwehren.

Um das unmittelbar damit verknüpfte Selbstwertgefühl zu steigern, ist es ebenso sinnvoll, sich seine Stärken, Kompetenzen und das, was man bereits erreicht hat, vor Augen zu halten und ganz bewusst zwischen den eigenen, mit Selbstzweifeln behafteten, Gefühlen und den objektiven Tatsachen zu unterscheiden.

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Unter Umständen kann es jedoch auch sehr schwer sein, dieses Denkmuster aus eigener Kraft zu durchbrechen, da das Impostor-Phänomen eben gerade durch die Annahme gekennzeichnet ist, nur der Betroffene selbst kenne die Wahrheit über die eigenen Fähigkeiten, während sich alle anderen lediglich täuschen (lassen). Ist der Leidensdruck sehr groß, empfiehlt es sich daher, durchaus auch über die Anspruchnahme professioneller therapeutischer Hilfe nachzudenken. Gruppentherapien eignen sich nach Meinung der Psychologinnen besonders gut, da andere Menschen ein wertvolles Außenkorrektiv darstellen. Außerdem kann es auch äußerst hilfreich sein, zu sehen, dass es anderen ähnlich geht.

So aufreibend und belastend das Gefühl ständigen (und unangebrachten) Selbstzweifelns für die Betroffenen auch sein kann, das gegenteilige Phänomen – der sogenannte Dunning-Kruger-Effekt – birgt durchaus schädlicheres Potential. Hier neigen inkompetente Menschen nämlich dazu, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, das Können kompetenter Personen jedoch zu unterschätzen – und dafür, dass eine verzerrte Wahrnehmung wie diese durchaus gefährlich sein kann, gibt es ja bekanntermaßen viele Beispiele.

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    • Beste AntwortMan kann sich auf zwei Arten abgrenzen. Das ist diese ausgefallene Schiene, wo die Namen von den Kindern bis weit in die Grundschule nicht einmal buchstabiert werden können, angelehnt an möglichst exotische Vorbilder, Figuren der Popkultur. Und dann gibt es die Masche, die die akadamische Mittelschicht fährt und mit voller Absicht in die Kiste nahezu altmodischer Namen greift und den Prenzlauer Berg mit Wilhelms und Friederichs bepflastert. Ein bisschen Phantasie ist völlig okay, wenn der Name aber zu sehr nach Stripperin, Nageldesignerin oder 90er Jahre Boygroupmitglied klingt, dann ist man wahrscheinlich zu weit gegangen. Man darf immer im Hinterkopf behalten, dass das Kind im ersten Moment zwar putzig und süß ist und man seine subjektiv empfundene Einzigartigkeit in die Welt hinausschreien möchte, dass das Kind mit diesem Namen aber leben muss. Vielleicht wäre ein Ansatzpunkt sich zu fragen, wie der Name auf einer Visitenkarte eines Anwaltes/ Arztes/ Richters aussähe und welchen Eindruck dieser Name auf einer Visitenkarte hinterlassen würde. Nicht, dass alle Kinder Arzt, Anwalt oder Richter werden sollen, aber es sind mehr oder weniger respektable Berufe, die man ernst nehmen will.
    • Pierre ist schön und in deutschland nicht weitverbreitet der name ist entscheidend für die zukunft des kindes kevinses gehen nicht auf unis lukasses schon ich kenne nur einen kevin der auf die uni geht und er ist in prüfungen durchgefallen!! EINEN KEVIN!! bei manchen menschen sagt man auch "er sieht wie ein horst aus" und oft stimmt es niemals würde ich mein kind kevin oder chantal nennen. aber ausländische namen auch oft nicht gut wenn arbeitgeber etwas türkisches sehen scheuen sie sich auch oft. ein schwarzer freund wurde von einem facharzt abgelehnt weil es angeblich keinen termin mehr gab. seine weiße freundin hat dort dann angerufen und konnte einen termin für ihn ausmachen. egal das ist was anderes. ich würde mein kind aber auch nicht luke skywalker nennen. etwas ganz normales würde ich mir aussachen. aber keinen trendnamen. denn ein trend geht vorbei und ein kind wird hoffentlich sehr alt.
    • Traditionen finde ich gut: Die Erna bei uns ausm Hinterhaus, hat ihre Tochter Erna genannt, weil alle weiblichen Erstgeborenen Erna heißen. Der Sohn heißt Locke. Weil alle männlichen Erstgeborenen halt Locke heißen. Ich hab gefragt, ja was ist denn, wenn Ihr noch ein Kind bekommt? Sie meinte, dann werden da halt Nummern drangehängt. Das finde ich schön. ...die haben übrigens immer so gute Ideen...so bodenständig.
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