Mobbing am Arbeitsplatz: Gründe, Folgen und was man dagegen tun kann

Lästerst du noch oder mobbst du schon? Die Grenzen zwischen Streitereien, Koalitionsbildung zwischen Kollegen, Kompetenzgerangel und Mobbing sind fließend — so fließend, dass nicht wenige Betroffene dazu neigen, die konfliktbelastete Situation am Arbeitsplatz als die üblichen Kollateralschäden im Büro abzutun. Doch was genau ist unter Mobbing eigentlich zu verstehen? Wo hören ganz normale Konflikte zwischen Kollegen auf und wo fängt Mobbing an? Wer ist betroffen und wie kann man sich wehren?Mobbing kann verschiedene Gesichter haben (Bild: thinkstock)Mobbing kann verschiedene Gesichter haben (Bild: thinkstock)

Was ist Mobbing?
Wirtschaft, Justiz und Wissenschaft tun sich bisher schwer mit einer einheitlichen Definition, was die Art, Dauer und Intensität von Handlungen betrifft, die Mobbing charakterisieren. Konsens besteht jedoch darüber, dass es sich um längerfristige und systematische Schikanen oder Diskriminierungen handelt.

Die Mobbing-Handlungen können mannigfaltig sein: Von ständiger destruktiver Kritik über die Verbreitung schädigender Gerüchte und Kontaktverweigerung bis hin zu Androhung und/oder Ausübung von Gewalt und sexuellen Belästigungen oder Übergriffen.

Doch Derartiges findet bei weitem nicht nur unter Kollegen statt. Sehr oft geht Mobbing auch vom Vorgesetzten aus und wird in diesem Fall als "Bossing" bezeichnet. Werden hingegen Führungskräfte von ihren Mitarbeitern systematischer Schikane ausgesetzt, spricht man von "Staffing".

Wer ist betroffen?
Zahlreiche Untersuchungen haben ergeben, dass es kein "typisches" Profil eines Mobbing-Opfers gibt. Es sind also weder Frauen noch besonders junge oder ältere Mitarbeiter signifikant stärker betroffen. Zwar mag es bestimmte Merkmale, wie Persönlichkeitseigenschaften oder die Herkunft geben, die Öl ins "Mobbing-Feuer" gießen können, aber generell kann es tatsächlich jeden treffen.

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Jens Eisermann und Elisabetta De Costanzo vom Arbeitsbereich Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Freien Universität Berlin fanden in einer groß angelegten Untersuchung mit mehr als 4.300 Beschäftigten zweier Landesbehörden verschiedener Bundesländer heraus, dass Mobbing gehäuft abteilungsspezifisch auftritt. Für die Wissenschaftler sind diese Abteilungseffekte ein Beleg dafür, dass Mobbing ein Gruppenphänomen ist.

Warum wird gemobbt?
Mangelhafte Organisationsstrukturen können das Konfliktpotential, das stets schwelt, wenn unterschiedliche Menschen aufeinander treffen, also anheizen. Ungünstiges Betriebsklima, anhaltende Über- oder Unterforderung, intransparente Kommunikation, unklare Zuständigkeiten, Vorgesetzte mit mangelnden Führungsqualitäten oder die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes — all diese Faktoren sind extreme Stressoren, die Mobbing begünstigen können.

Hier liegt es in der Verantwortung des Vorgesetzten, einzugreifen. So konnten Eisermann und de Constanzo zeigen, dass Mobbing-Handlungen weniger auftreten, wenn der so genannte partizipative Führungsstil gepflegt werde, d.h. der Chef seine Mitarbeiter in wichtige Entscheidungen einbezieht und sich generell als gesprächsbereit erweist.

Noch problematischer wird es jedoch, wenn die Schikanen vom Vorgesetzten selbst ausgehen, weil dieser einen nicht länger gewollten Mitarbeiter beispielsweise zur Eigenkündigung bringen möchte, um damit Personal abzubauen, rechtliche Rahmenbedingungen wie Kündigungsschutz oder Abfindungen aber umgehen will.

Die Folgen von Mobbing
Mobbing kann krank machen — psychisch und physisch. Die Schikanen am Arbeitsplatz bedeuten für gewöhnlich immensen Stress für die Betroffenen. Diese emotionale Belastung kann sich in diversen seelischen und körperlichen Symptomen, wie Schlafstörungen, Angstzuständen, Kopfschmerzen, Magen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen niederschlagen. Eisermann und de Constanzo fanden in ihrer Untersuchung zudem eine unerwartet hohe Rate von Depression unter den Mobbing-Betroffenen, von der anzunehmen ist, dass sie mit den Mobbing-Belastungen in Zusammenhang steht.

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Auch aus Arbeitgebersicht ist die Mobbingproblematik wegen der negativen Auswirkungen auf die Arbeitsmotivation und Leistungsfähigkeit der Betroffenen prekär. Des Weiteren lassen sich diese nicht selten für längere Zeit krankschreiben oder müssen schlimmstenfalls sogar für arbeitsunfähig erklärt werden. Eine Situation, die die Unternehmen viel Geld kostet — und schon allein deswegen eine weitere Motivation für sie sein müsste, Mobbing unter den Mitarbeitern abzubauen bzw. zu verhindern.

Ständige Schikane am Arbeitsplatz kann negative Auswirkungen auf Körper und Psyche haben (Bild: thinkstock)Ständige Schikane am Arbeitsplatz kann negative Auswirkungen auf Körper und Psyche haben (Bild: thinkstock)

Was tun bei Mobbing?
Der wohl wichtigste Ratschlag, der Betroffenen gegeben werden kann, ist: Werden Sie aktiv — je früher, desto besser. Die Situation — in der Hoffnung, sie würde sich von selbst lösen — "aussitzen" zu wollen, führt meist nicht zum Erfolg. Doch bevor über Maßnahmen nachgedacht wird, sollte der Betroffene eine möglichst rationale Betrachtung der Situation vornehmen: Gab es möglicherweise auslösende Faktoren für die Attacken der oder des Kollegen, kann das Mobbing unter Umständen eine Reaktion auf das — eventuell fehlinterpretierte — eigene Verhalten sein oder handelt der Mobber selbst aus eigener Hilflosigkeit und Unsicherheit heraus? Die Analyse der Situation kann helfen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Lässt das Stadium der Mobbing-Aktivitäten es noch zu, bietet sich als erster Schritt ein persönliches Gespräch mit der entsprechenden Person an, um ganz sachlich die Gründe ihres Verhaltens in Erfahrung zu bringen. Im besten Fall bewirkt diese Offensive bereits das Einstellen der Mobbing-Handlungen.

Zeigt dies keine Wirkung sollte der nächste Schritt der Gang zum Vorgesetzten und zum Betriebs- oder Personalrat sein, um vom Beschwerderecht Gebrauch zu machen. Wird diese Beschwerde für zulässig erklärt, ist der Arbeitgeber aufgrund der Fürsorgepflicht gegenüber seinen Beschäftigten gesetzlich dazu verpflichtet, gegen das Mobbing vorzugehen — und das sollte er auch, andernfalls können Schadenersatzforderungen auf ihn zukommen.

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Das Einleiten juristischer Schritte sollte dennoch wohl überlegt sein: Kommt es zu einem Gerichtsverfahren, braucht es handfeste Beweise, wie beispielsweise minutiöse Aufzeichnungen über sämtliche Mobbing-Handlungen. Daher sollten sich die Betroffenen im Vorfeld überlegen, ob sie ihren emotionalen Stress noch zusätzlich erhöhen wollen — zumal der Ausgang ungewiss ist.

Auch wenn es sich für manches Mobbing-Opfer eventuell wie aufgeben anfühlen mag, sollte bei extremem Leidensdruck auch die Möglichkeit einer Kündigung in Betracht gezogen werden, um die eigene psychische und körperliche Gesundheit nicht noch mehr zu gefährden — denn das sollte kein Job der Welt wert sein.

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    • Beste AntwortMan kann sich auf zwei Arten abgrenzen. Das ist diese ausgefallene Schiene, wo die Namen von den Kindern bis weit in die Grundschule nicht einmal buchstabiert werden können, angelehnt an möglichst exotische Vorbilder, Figuren der Popkultur. Und dann gibt es die Masche, die die akadamische Mittelschicht fährt und mit voller Absicht in die Kiste nahezu altmodischer Namen greift und den Prenzlauer Berg mit Wilhelms und Friederichs bepflastert. Ein bisschen Phantasie ist völlig okay, wenn der Name aber zu sehr nach Stripperin, Nageldesignerin oder 90er Jahre Boygroupmitglied klingt, dann ist man wahrscheinlich zu weit gegangen. Man darf immer im Hinterkopf behalten, dass das Kind im ersten Moment zwar putzig und süß ist und man seine subjektiv empfundene Einzigartigkeit in die Welt hinausschreien möchte, dass das Kind mit diesem Namen aber leben muss. Vielleicht wäre ein Ansatzpunkt sich zu fragen, wie der Name auf einer Visitenkarte eines Anwaltes/ Arztes/ Richters aussähe und welchen Eindruck dieser Name auf einer Visitenkarte hinterlassen würde. Nicht, dass alle Kinder Arzt, Anwalt oder Richter werden sollen, aber es sind mehr oder weniger respektable Berufe, die man ernst nehmen will.
    • Pierre ist schön und in deutschland nicht weitverbreitet der name ist entscheidend für die zukunft des kindes kevinses gehen nicht auf unis lukasses schon ich kenne nur einen kevin der auf die uni geht und er ist in prüfungen durchgefallen!! EINEN KEVIN!! bei manchen menschen sagt man auch "er sieht wie ein horst aus" und oft stimmt es niemals würde ich mein kind kevin oder chantal nennen. aber ausländische namen auch oft nicht gut wenn arbeitgeber etwas türkisches sehen scheuen sie sich auch oft. ein schwarzer freund wurde von einem facharzt abgelehnt weil es angeblich keinen termin mehr gab. seine weiße freundin hat dort dann angerufen und konnte einen termin für ihn ausmachen. egal das ist was anderes. ich würde mein kind aber auch nicht luke skywalker nennen. etwas ganz normales würde ich mir aussachen. aber keinen trendnamen. denn ein trend geht vorbei und ein kind wird hoffentlich sehr alt.
    • Traditionen finde ich gut: Die Erna bei uns ausm Hinterhaus, hat ihre Tochter Erna genannt, weil alle weiblichen Erstgeborenen Erna heißen. Der Sohn heißt Locke. Weil alle männlichen Erstgeborenen halt Locke heißen. Ich hab gefragt, ja was ist denn, wenn Ihr noch ein Kind bekommt? Sie meinte, dann werden da halt Nummern drangehängt. Das finde ich schön. ...die haben übrigens immer so gute Ideen...so bodenständig.
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