Bin ich eine gute Mutter?

Mütter wollen immer nur das Beste für ihr Kind. Sie möchten ihren Nachwuchs optimal fördern, immer für ihn da sein, alles für ihn tun — und zerreißen sich voll schlechtem Gewissen zwischen Familie, Job und Haushalt.

„Muttersein" ist längst ein Hochleistungssport geworden — und die Mütter selbst bleiben nur allzu oft mit ihren eigenen Bedürfnissen auf der Strecke! Doch Mütter dürfen auch mal egoistisch sein und an sich denken, ohne dass es den Kindern gleich schadet.

Dafür plädiert Corinna Knauff, Diplom-Heilpädagogin und Buchautorin („Ich bin eine gute Mutter!"; Campus-Verlag). Die Expertin macht Frauen Mut und entlarvt wohlbekannt „Gute-Mutter-Mantras", mit denen Mütter sich Tag für Tag unter Druck setzen.

Muss ich als gute Mutter rund um die Uhr für mein Baby da sein? (Foto:Thinkstock)Muss ich als gute Mutter rund um die Uhr für mein Baby da sein? (Foto:Thinkstock)

Perfekte Mütter tun ihren Kindern nicht gut
In unserer heutigen Zeit ist das eigene Kind längst zu einem Projekt geworden, das die Eltern erfolgreich auf den Weg bringen müssen. Viele Mütter setzen sich deshalb enorm unter Druck und denken, Sie sind nur dann „gute Mütter", wenn sie perfekt sind und immer alles — und damit auch ihre Kinder - im Griff haben.

Doch Corinna Knauff sieht das anders: „Hinter diesem Perfektionismus stecken Unsicherheit und viele Ängste. Eine Mutter, die glaubt, nur dann anerkannt und gut zu sein, wenn sie perfekt ist, gibt genau diese Unsicherheit an ihr Kind weiter. Das Kind lernt auf diese Weise: `Ich bin nur liebenswert und wertvoll, wenn ich ebenfalls immer perfekt bin.´ Das setzt Kinder unter einen höllischen Leistungsdruck und macht sie zu überangepassten Menschen mit fragilem Selbstwertgefühl."

Mütter, die ganz selbstbewusst nach eigenen Vorstellungen erziehen und Fehler nicht fürchten, würden ihrem Nachwuchs dagegen vermitteln: „Du, mein Kind, bist toll so wie Du bist und Fehler sind keine Katastrophe", betont die Heilpädagogin.

Neugierde, Ausdauer und pure Liebe: Das und noch viel mehr können Sie von Ihrem Kind lernen

Das macht eine gute Mutter aus
Um heute eine gute Mutter zu sein, braucht es nach Meinung der Expertin fünf Wesenszüge:

1. Eine Mutter sollte empathisch sein, sich in ihr Kind einfühlen und sein Wesen wahrnehmen können.

2. Eine gute Mutter muss mutig sein. Sie sollte sich von gesellschaftlichem Druck lösen und unpopuläre Entscheidungen treffen, auch wenn das manchmal Alleinsein oder Stress mit dem Kind bedeutet.

3. Eine gute Mutter ist lebenshungrig. Sie lebt nicht nur für das Wohl ihres Kindes, sondern auch ein Leben als Frau.

4. Eine Mutter muss heute politisch unkorrekt sein. Die gesellschaftlichen Erwartungen an Mütter sind heute dermaßen überhöht, dass jede entspannte Mutter regelrecht gezwungen ist, sich tagtäglich dagegen zu verhalten.

5. Eine gute Mutter bleibt „down to earth". Sie sollte nicht der Illusion nachlaufen, ein perfektes Bilderbuchleben mit ihren Kindern zu führen. Außerdem sollte sie sich im Großen und Ganzen als die Mutter akzeptieren, die sie ist, mit all ihren Schwächen und Fehlern.

Diplom-Heilpädagogin Corinna Knauff entlarvt 8 „Gute-Mutter-Mantras":

1. Ich muss mein Kind in den wichtigen ersten drei Jahren überwiegend selbst betreuen und darf es nicht in eine Kita geben.

Corinna Knauff: In diesem Glaubenssatz klingt das erzkonservative Mutterbild an, das immer noch durch unsere Köpfe geistert! Natürlich braucht Ihr Kind in den ersten Monaten und Jahren eine sichere Bindung und meist eignen sich Mütter für diese wichtige Phase besser als Väter. Trotzdem sollten Sie Ihr Leben nicht ganz nach den Bedürfnissen Ihres Kindes ausrichten.

In erster Linie geht es darum, was für die ganze Familie der beste Weg ist. Das ist dann auch das Beste für Ihr Kind. Wenn Ihnen zum Beispiel Ihr Job fehlt und Sie sich nicht wohl damit fühlen, den ganzen Tag nur zu Hause bei Ihrem Baby zu sein, geht es Ihnen und Ihrer Familie insgesamt vielleicht besser damit, wenn Sie Teilzeit arbeiten und Ihr Kind während dieser Zeit in einer Kita betreut wird.

2. Als gute Mutter muss ich mein Kind schon als Baby optimal fördern mit musikalischer Früherziehung, Pekip und Baby-Schwimmen, als Kleinkind folgen Englisch, Ballett und Kinder-Yoga.

Corinna Knauff: Dieses Mantra ist Ausdruck des ungeheuren Leistungsdrucks unter dem die Mütter stehen! Als Mutter denkt man schnell, man verpasst etwas Wichtiges für sein Kind und will mit den anderen mithalten. Machen Sie sich los von diesem Druck!

Freies Spielen, entspannte soziale Kontakte ohne Konkurrenzdruck und das gute alte Vorlesen sind für die kognitive und emotionale Entwicklung Ihres Kindes wesentlich effektiver als fragwürdige Förderaktivitäten. Auch Sie als Mutter können sich damit viel Stress nehmen! Am wichtigsten ist es, sich mit seinem Kind rundum wohl zu fühlen. Das kann auch zu Hause auf der Krabbeldecke sein. Interessanterweise sind übrigens die strengsten „Mütter-Kritiker" andere Mütter!

Ein Kuss als schönster Beweis: Ja, ich bin eine gute Mutter! (Foto: Thinkstock)Ein Kuss als schönster Beweis: Ja, ich bin eine gute Mutter! (Foto: Thinkstock)

3. Das schlechte Benehmen meines Kindes fällt auf meine mangelnde Erziehungskompetenz zurück.

Corinna Knauff: Dieses „Gute-Mutter-Mantra" macht deutlich, dass viele Mütter mit einem chronisch schlechtem Gewissen zu kämpfen haben. Wenn Sie so denken, stellen Sie an sich selbst ebenfalls permanent überhöhte Ansprüche. Ihre Kinder - sind sie auch noch so gut erzogen - müssen auch einmal ihre Grenzen testen oder sich „daneben" benehmen, um daraus zu lernen.

Kinder können sich nicht immer völlig angepasst verhalten. Wenn Sie das von ihnen erwarten, werden Sie immer wieder an Ihrem Ideal scheitern. Die Folge sind große Schuldgefühle. Werfen Sie Ihr strenges Mütterideal  über Bord! Gehen Sie mit sich selbst genauso nachsichtig und liebevoll um wie mit Ihren Kindern. Auch das macht gute Erziehung aus.

4. Nur wenn ich immer alles für mein Kind mache wird es mich lieben und als Erwachsener auf eine schöne Kindheit zurück blicken.

Corinna Knauff: Wenn Sie sich dieses Mantra aufbürden, sind Sie eine konfliktscheue Mutter. Als Mutter dürfen Sie Auseinandersetzungen mit Ihrem Kind nicht aus dem Weg gehen. Sie dürfen Ihr Kind auch einmal enttäuschen und ihm viele Neins zumuten. Nur so lernt es mit Rückschlägen und Erschütterungen im Leben klar zu kommen und selbst einmal „nein" zu sagen, wenn es etwas nicht möchte.

5. Als gute Mutter stelle ich meine Bedürfnisse zurück. Erst kommt die Familie, dann ich.

Corinna Knauff: Das ist leider der allerbeste Weg, dass Sie als Mutter und Mensch unglücklich werden und am Ende mit einem nicht gelebten Leben da stehen. Noch dazu werden es Ihnen auch Ihre Kinder nicht danken, denn Kinder wollen Mütter mit einem eigenen Kopf, auch wenn das für sie manchmal unbequemer ist.

6. Als gute Mutter engagiere ich mich in Kindergarten und Schule auch wenn mich der Tag im Büro und mit der Familie völlig geschafft hat und ich mich lieber auf die Couch legen würde.

Corinna Knauff: Der Kreativität von Müttern ist zu verdanken, dass es bei Kindergartenfesten die leckersten selbstgebackenen Kuchen und wunderbar inszeniertes Kindertheater gibt. Wenn sich immer mehr erschöpfte Mütter dazu entschließen, lieber auf der Couch zu entspannen, wird es in Zukunft mehr Kuchen aus der Tiefkühltruhe geben, dafür aber auch mehr Menschen, die von ihren guten Müttern gelernt haben, wie man sich vor einem Burnout schützt.

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7. Als gute Mutter muss ich immer wissen, wo mein Kind ist, was es macht und mit wem es sich trifft.

Corinna Knauff: Erziehung ist eine Abfolge vieler kleiner Trennungsschritte. Wenn Sie denken, Sie müssten Ihr Kind permanent kontrollieren ist das ein Zeichen dafür, dass das innere Trennungsgeschehen ins Stocken geraten ist. Auch wenn es Ihnen als Mutter schwer fällt: Sie müssen Ihr Kind groß werden lassen und ihm — je nach Alter — immer ein bisschen mehr zutrauen. Nur so können Sie Ihren Nachwuchs zu einer selbstbewussten, selbständigen und eigenverantwortlichen Persönlichkeit erziehen.

8. Als gute Mutter sollte ich mein Kind immer ernst nehmen und es schon frühzeitig in wichtige Entscheidungen einbinden.

Corinna Knauff: Erziehung ist keine gleichberechtigte Partnerschaft. Kinder sind sehr lange emotional und real von ihren Eltern abhängig, deshalb sollten Sie Ihre Kinder auch wie Kinder behandeln und wichtige Entscheidungen nicht mit Ihrem Kind, aber im Sinne Ihres Kindes treffen.

Wenn Sie Ihr Kind wie einen gleichberechtigten Partner behandeln, nehmen Sie sich als Erziehungsberechtigte aus der Verantwortung und überfordern Ihr Kind gleichzeitig damit. Natürlich sollen und dürfen Sie Ihr Kind in kleine Entscheidungen mit einbeziehen, z.B. welches T-Shirt es anziehen oder was es frühstücken  möchte. Die Wahl des Urlaubsziels allerdings allein Ihrem Kind zu überlassen geht zu weit.

Mehr Informationen zu  unserer Expertin unter www.corinna-knauff.de.

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    • Beste AntwortMan kann sich auf zwei Arten abgrenzen. Das ist diese ausgefallene Schiene, wo die Namen von den Kindern bis weit in die Grundschule nicht einmal buchstabiert werden können, angelehnt an möglichst exotische Vorbilder, Figuren der Popkultur. Und dann gibt es die Masche, die die akadamische Mittelschicht fährt und mit voller Absicht in die Kiste nahezu altmodischer Namen greift und den Prenzlauer Berg mit Wilhelms und Friederichs bepflastert. Ein bisschen Phantasie ist völlig okay, wenn der Name aber zu sehr nach Stripperin, Nageldesignerin oder 90er Jahre Boygroupmitglied klingt, dann ist man wahrscheinlich zu weit gegangen. Man darf immer im Hinterkopf behalten, dass das Kind im ersten Moment zwar putzig und süß ist und man seine subjektiv empfundene Einzigartigkeit in die Welt hinausschreien möchte, dass das Kind mit diesem Namen aber leben muss. Vielleicht wäre ein Ansatzpunkt sich zu fragen, wie der Name auf einer Visitenkarte eines Anwaltes/ Arztes/ Richters aussähe und welchen Eindruck dieser Name auf einer Visitenkarte hinterlassen würde. Nicht, dass alle Kinder Arzt, Anwalt oder Richter werden sollen, aber es sind mehr oder weniger respektable Berufe, die man ernst nehmen will.
    • Pierre ist schön und in deutschland nicht weitverbreitet der name ist entscheidend für die zukunft des kindes kevinses gehen nicht auf unis lukasses schon ich kenne nur einen kevin der auf die uni geht und er ist in prüfungen durchgefallen!! EINEN KEVIN!! bei manchen menschen sagt man auch "er sieht wie ein horst aus" und oft stimmt es niemals würde ich mein kind kevin oder chantal nennen. aber ausländische namen auch oft nicht gut wenn arbeitgeber etwas türkisches sehen scheuen sie sich auch oft. ein schwarzer freund wurde von einem facharzt abgelehnt weil es angeblich keinen termin mehr gab. seine weiße freundin hat dort dann angerufen und konnte einen termin für ihn ausmachen. egal das ist was anderes. ich würde mein kind aber auch nicht luke skywalker nennen. etwas ganz normales würde ich mir aussachen. aber keinen trendnamen. denn ein trend geht vorbei und ein kind wird hoffentlich sehr alt.
    • Traditionen finde ich gut: Die Erna bei uns ausm Hinterhaus, hat ihre Tochter Erna genannt, weil alle weiblichen Erstgeborenen Erna heißen. Der Sohn heißt Locke. Weil alle männlichen Erstgeborenen halt Locke heißen. Ich hab gefragt, ja was ist denn, wenn Ihr noch ein Kind bekommt? Sie meinte, dann werden da halt Nummern drangehängt. Das finde ich schön. ...die haben übrigens immer so gute Ideen...so bodenständig.
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