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Hallo,
Im Dezember 1999 habe ich meine große Liebe geheiratet, eine koreanische Künstlerin. Sie hat dafür ihr Land und ihre Familie verlassen und ist aus Korea nach Deutschland übergesiedelt.
Die Ehe war von Anfang an schwierig und wurde immer schwieriger. Meine damalige Frau brachte sehr viel unaufgearbeiteten biographischen Ballast mit und wusste so gut wie nichts über sich. Und ich sollte ihre Defizite füllen, ihre Forderungen und Ansprüche wurden immer größer, ihre Wut auch, weil ich nicht annähernd imstande war, diese zu erfüllen. Es war ein Fass ohne Boden. Je mehr ich hineinzuwerfen versuchte, um so größer wurde das Loch im Boden - und damit auch ihre Ansprüche. Gespräche waren zu keiner Zeit zwischen uns möglich, das Gefälle zwischen uns in jeder Hinsicht enorm. Sie als die Fremde in diesem Land, in dieser Kultur und Sprache, die in so vielen grundlegenden Dingen des Lebens kaum reflektierte ahnungslose Frau (das sagt sie auch selbst), ich der deutlich ältere, der hier aufgewachsen ist, der reflektierte und seit Jahren psychologiekundige Mann, übrigens ebenfalls Künstler und Musiker.
Meine Frau trennte sich von mir, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo ich sie am meisten gebraucht hätte, und zwar vor knapp dreieinhalb Jahren, als ich einen heftigen Burnout erlitt. Sie besorgte sich ein Wohnatelier, das sie gar nicht selbst bezahlen konnte, zog aus, spannte ihre Eltern in Korea ein, um sich zu finanzieren (kranke Eltern, die selbst kaum etwas haben, was für mich sehr unangenehm war), begann kurz darauf ein weiteres Studium Freie Kunst in Bremen (sie hatte bereits in Korea ein Studium Freie Kunst erfolgreich absolviert und als Aufbaustudium noch obendrauf, ebenfalls erfolgreich, und nun also quasi ein drittes Studium im selben Fach, nach mehrjähriger Pause, das ich nach ihren Vorstellungen selbstverständlich finanzieren sollte). Sie lebt - wie ich auch - in Hamburg.
Es folgten sehr bittere Zeiten für mich, weil ich mich von meinem Burnout nur sehr langsam erholte, ein langer Klinikaufenthalt, ich verlor meine Arbeit, etc. Bis heute habe ich mit den Folgen des Burnouts zu tun, bin sowohl in psychotherapeutischer als auch in medizinischer Behandlung, und noch immer ohne Arbeit. Meine Frau machte immer dann Annäherungsversuche, wenn es mir besser ging, um sofort wieder zu verschwinden, wenn es mir nicht so gut ging, ich also weniger attraktiv war. Bei mir ist durch den Verlauf der Trennung und durch die Erfahrungen in den ersten 2 Jahren nach der Trennung alles an Vertrauen kaputt gegangen, was nur kaputt gehen konnte. Das hat zu einem enormen Verlust an Lebensfreude und Lebensqualität geführt.
Im Dezember 2005 reichte meine Frau die Scheidung ein, versuchte Unterhalt einzuklagen, den ich nicht zahlen konnte. Mir hat das über lange Zeit all jene Ausgaben gefährdet, die ich seit jenem Burnout zur Wiederherstellung meiner Gesundheit privat aufbringen muss. Mein Arbeitslosengeld ist gering. Im Januar 2006 brach ich den Kontakt zu meiner Frau schließlich ganz ab, wütend und entsetzt, dass sie mich wegen des Unterhaltes vor Gericht bringen wollte, was mir jegliche Lebensgrundlage entzogen und mich vermutlich in die Psychiatrie gebracht hätte. Es gab nur noch Briefverkehr über unsere Rechtsanwälte. Wie ich später erfahren habe, war es nicht meine Frau, sondern deren Rechtsanwältin, die auf eigene Faust soviel Druck und sehr unangenehme Unterstellungen und Behauptungen in meine Richtung initiiert hatte. Meine Frau war davon teilweise nicht einmal unterrichtet.
Wir sollten uns erstmals beim Scheidungstermin wiedersehen, das war im August 2006. Wir sind seitdem geschieden, aber es geschah dort vor Gericht etwas sehr Überraschendes: meine Frau zögerte sehr, ihre Scheidungsabsichten zu bestätigen. Wir hatten nach dem Termin ein langes gutes Vieraugengespräch, zum ersten Male seit Jahren. Sie war sich sehr unsicher, ob diese Scheidung und Trennung richtig war.
Meine Frau hat - auf meine Empfehlung - vor gut 2 Jahren eine Gesprächstherapie begonnen, die sie seit etwa eineinhalb Jahren sehr ernsthaft betreibt, die ihr sehr wichtig geworden ist, und für die sie außerordentlich dankbar ist. Für eine Frau aus dem asiatischen Kulturkreis denke ich alles Andere als eine Selbstverständlichkeit.
Diese Therapie hat bei meiner Frau sehr viel in Bewegung gebracht. Auch andere Menschen, die sie nach längerer Zeit wiedergesehen haben, sprechen davon, dass sie sich sehr verändert hätte, ernsthafter, erwachsener, reflektierter geworden sei. So erlebe ich sie auch. Es ist heute keine Bitterkeit mehr zwischen uns. Sie bereut sehr vieles, auch die Scheidung. Vor allem sieht sie sich und ihre Anteile an unserem Ehedrama völlig anders als früher. Da ist keine Wut mehr, es gibt keine Vorwürfe mehr. Insofern hat sie auch deutlich mehr Verständnis und Mitgefühl für mich. Inzwischen hat sie mir gestanden, dass sie das Gefühl habe, sie würde sich neu in mich verlieben. Ich kann von meiner Seite aus dazu nur sagen, dass ich immer Liebe für sie hatte, und dass diese Liebe auch noch da ist, aber dass mein Vertrauen so lange so schwer gelitten hat und mehrfach wirklich komplett zerstört worden ist durch diese Geschichte, dass ich mir derzeit beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie das wieder herzustellen sein soll. Die Tür zu meinem Herzen ist für sie weder weit offen, noch ist sie ganz zu. Ich könnte auch nicht sagen, dass ich zurück möchte zu ihr, würde andererseits aber auch nicht völlig ausschließen, dass dies eines Tages vielleicht geschehen könnte. Das wäre aber keine Frage von Tagen, Wochen oder Monaten, sondern wohl von Jahren. Ich werde da nichts forcieren und bin ihr dankbar dafür, dass auch sie mich nicht bedrängt. Letzteres ist für mich eine neue Erfahrung, die ich da mit ihr mache.
Was daraus werden könnte, vermag ich derzeit überhaupt nicht einzuschätzen. Ich habe sicherlich genügend Menschenkenntnisse und psychologische Kenntnisse, um sicher sein zu können, dass Menschen sich grundlegend nur wenig, und wenn überhaupt, dann nur sehr langsam verändern. Das ist ein Grund für meine Vorsicht. Für mich selbst erstaunlich ist allerdings, dass mir meine frühere Frau in all den schwierigen Jahren und auch nach der Trennung nie fremd geworden ist. Ich weiß, dass wir eine sehr tiefe Verbindung immer gehabt haben, die während der Ehe jedoch von Äußerlichkeiten und dem ganz alltäglichen Müll überdeckt wurde. Und ich weiß sicherlich auch, dass meine Frau zunächst in eine tiefe Regression ging und alles durch die Brille ihrer Kindheit sah und empfand. Je mehr Zeit vergangen ist, und je länger ihre Therapie nun schon dauert, um so mehr scheint unsere eigentlich tiefe Verbindung wieder eine Chance zum Leben zu haben. Dennoch bleibe ich extrem skeptisch, weil ich nie wieder erleben möchte, was ich mit ihr erlebt habe.
Mein Wunsch nach einer neuen Partnerschaft ist aber bereits seit Längerem wieder da.
Zur Zeit lerne ich eine - ebenfalls deutlich jüngere - Musiktherapeutin kennen, die einen Kinderwunsch hat, was sie vor eineinhalb Jahren veranlasste, aus einer neunjährigen schwierigen Partnerschaft heraus- zugehen, weil ihr damaliger Partner da jahrelang nur "herumeierte", wie sie es ausdrückte. Ich habe ebenfalls seit Langem einen Kinderwunsch, möchte aber nur dann eine Partnerschaft eingehen, wenn diese nicht in erster Linie in den Dienst des Kinderkriegens gestellt würde. Das weiß diese Frau auch, wir sind uns da inzwischen einig, dass dieses Thema auch nicht im Vordergrund stehen soll. Diese Frau mochte ich von Anfang an sehr. Sie spürt mein Interesse, meine Aufmerksamkeit und Wahrnehmung von ihr, äußert das auch, findet vieles sehr schön und intensiv, was wir miteinander teilen, wirkt eigentlich sehr offen, sehr ehrlich, sehr lebendig und liebenswert, sie zieht mich ungewöhnlich stark an, - und dennoch werde ich nicht recht schlau aus ihr. Ich habe sie über eine Kontaktanzeige kennengelernt, die sie aufgegeben hatte. Eigentlich bin ich von meinem Naturell her der Zurückhaltende, der Schüchterne, Vorsichtige, sollte man meinen. Aber ich gehe ziemlich direkt auf sie zu, viel mehr, als ich es sonst von mir kenne. Bedenkenloser, vorbehaltloser, herzlich, zugewandt, wirklich erstaunlich vertrauensvoll. Und sie, die eigentlich für Lebendigkeit, Natürlichkeit, totale Kommunikation steht, die sie bedenkenlos eingeht, wo immer ich sie erlebe, auch mit ihr völlig fremden Menschen, scheint hier die Zurückhaltende zu sein. Es ist, als seien die Rollen vertauscht. Ich frage mich, ob sie Vorbehalte hat, oder ob das einfach zu ihrem Naturell gehört. Jedenfalls vermag ich das bisher nicht recht einzuordnen. Die Initiative geht sehr viel stärker von mir aus. Aber im Kontakt und Miteinander erlebe ich sie nah, herzlich und natürlich.
Es gibt jedoch einen Aspekt, den sie schon in ihrer Anzeige genannt und mir kürzlich in einem Telefonat auch noch einmal gesagt hat: sie brauche einen lebendigen Mann. Und ich weiß von mir und habe ihr das auch gesagt, dass ich Lebendiges sicherlich in mir habe und gerne wieder mehr leben möchte, dass jedoch durch die Erfahrungen in meiner Ehe (wo ich der lebendigere und vor allem sprechende Part war) soviel Vertrauen kaputtgegangen sei, dass ich dies erstmal wieder lernen müsse. Zu meinem eigenen Erstaunen merke ich im Umgang mit ihr, wie schnell ich aufmache. Aber sie bleibt bei aller Herzlichkeit und Intensität unserer Begegnungen dennoch irgendwie gebremst. Ich fühle mich ein klein wenig beobachtet, geprüft. Ein Gefühl, das ich nicht so richtig mag. Die Bemerkung, sie brauche einen lebendigen Mann, setzt mir gelegentlich zu, ich mache mir da dann selber Druck, - um mir im nächsten Moment zu sagen: verbieg Dich nicht, das kannst Du sowieso nicht, und es nützt ja auch nichts, und dann bin ich ganz schnell fast schon so weit, mich ganz zu verabschieden. Daneben gibt es fast euphorische Momente, wo ich ganz deutlich fühle, dass ich mehr von dieser Frau möchte. Dieses Wechselbad meiner eigenen Gefühle macht mich stutzig.
Fragen, die ich mir dazu stelle: 1. Wollen wir dasselbe? Trotz so vieler Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten in der Wahrnehmung und teils auch in der Geschichte, teilweise Gleichklang der Seelen, Vorliebe für das Feinstoffliche, das uns auch beiden eigen ist, habe ich das Gefühl, dass trotz viel Berührung nicht alles frei und offen liegt. Also ist da nur etwas verhindert? Oder wollen wir tatsächlich etwas Unterschiedliches? 2. Meinen wir überhaupt die gleiche Art von Lebendigkeit? 3. Ich bin nicht restlos überzeugt davon, dass sie mit ihrer vorherigen schwierigen und langjährigen Beziehung, wo es noch zwei Jahre lang immer wieder hin und her ging, dass sie mit dieser Beziehung wirklich abgeschlossen hat. Die Art und Weise, wie sie gesagt hat, dass das beendet und entschieden sei, hatte einen Hauch von "gewollt". Dem gegenüber sage und glaube ich von mir, dass ich mit meiner Ehe abgeschlossen habe. Was daraus vielleicht noch und wieder werden kann, steht auf einem anderen Blatt. Die Situation zwischen meiner früheren Frau und mir ist soweit ganz klar: wir sind kein Paar mehr, auch schon sehr lange, auch heute nicht einmal für Momente, - trotz liebevoller Gefühle füreinander. Sexualität z. B. spielt dort keine Rolle. 4. Ich werde das Gefühl nicht los, dass irgendetwas nicht stimmt oder bisher verborgen geblieben ist in dieser noch ganz frischen Bekanntschaft. Wahrscheinlich nichts Großes, aber irgendwas irritiert mich, vor allem die unerwartete scheinbare Verkehrung der Rollen. Offen sagen tun wir beide, dass wir uns die Entwicklung angucken und einfach schauen, was daraus wird. Ein Unterschied scheint mir zu sein, dass sie ja eine Art Bedingung in meine Richtung formuliert hat, die mich drückt. Das gibt es von meiner Seite gegenüber ihr so bisher nicht. 5. Sollte ich vielleicht zurückhaltender werden, mich rarer machen? Um ihr damit da Argument zu liefern, ich sei ihr nicht lebendig genug? Es ist eine Zwickmühle.
Abschließend:
Ich bin mit meiner früheren Frau nicht zusammen, wenngleich wir uns verbunden (nicht gebunden) fühlen. - Ich bin auch mit jener Frau, die ich gerade kennenlerne, nicht zusammen. Aber dort fühle ich Sehnsucht und den Wunsch nach einer verbindlichen Bindung. Es hätte den Vorteil relativen Unbelastet seins, im Gegensatz zur Verbindung mit meiner früheren Ehefrau. - Ich zögere also bei der Frau, die deutlich signalisiert hat, dass sie bereut und gerne zurück möchte (dafür bräuchte allerdings nicht nur ich, sondern auch sie viel Zeit), und ich gehe auf die Frau zu, deren Herz mir offenbar nicht so vorbehaltlos zufliegt, sondern die etwas gebremster daherkommt.
Wenn ich mich frei entscheiden könnte, würde ich das Neue versuchen wollen. Aber es hängt ja nicht an mir allein. Vielleicht kann ich gar nichts entscheiden, sondern muss es der Entwicklung und der Zeit überlassen? Vielleicht wird keins von beiden in eine Beziehung münden. Ich bin etwas ratlos und manchmal kurz davor, mich in einer Art Befreiungsschlag wieder ganz zurückzuziehen, und zwar von der Neuen, nicht von meiner Ex-Frau.
Viel Text. Ich weiß - und hoffe dennoch, Sie können und mögen mir etwas dazu sagen.
Danke.
Mondrian
Lesen Sie hier die Antwort auf Mondrians Frage ...
*Name von der Redaktion geändert
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Hallo,
Im Dezember 1999 habe ich meine große Liebe geheiratet, eine koreanische Künstlerin. Sie hat dafür ihr Land und ihre Familie verlassen und ist aus Korea nach Deutschland übergesiedelt.
Die Ehe war von Anfang an schwierig und wurde immer schwieriger. Meine damalige Frau brachte sehr viel unaufgearbeiteten biographischen Ballast mit und wusste so gut wie nichts über sich. Und ich sollte ihre Defizite füllen, ihre Forderungen und Ansprüche wurden immer größer, ihre Wut auch, weil ich nicht annähernd imstande war, diese zu erfüllen. Es war ein Fass ohne Boden. Je mehr ich hineinzuwerfen versuchte, um so größer wurde das Loch im Boden - und damit auch ihre Ansprüche. Gespräche waren zu keiner Zeit zwischen uns möglich, das Gefälle zwischen uns in jeder Hinsicht enorm. Sie als die Fremde in diesem Land, in dieser Kultur und Sprache, die in so vielen grundlegenden Dingen des Lebens kaum reflektierte ahnungslose Frau (das sagt sie auch selbst), ich der deutlich ältere, der hier aufgewachsen ist, der reflektierte und seit Jahren psychologiekundige Mann, übrigens ebenfalls Künstler und Musiker.
Meine Frau trennte sich von mir, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo ich sie am meisten gebraucht hätte, und zwar vor knapp dreieinhalb Jahren, als ich einen heftigen Burnout erlitt. Sie besorgte sich ein Wohnatelier, das sie gar nicht selbst bezahlen konnte, zog aus, spannte ihre Eltern in Korea ein, um sich zu finanzieren (kranke Eltern, die selbst kaum etwas haben, was für mich sehr unangenehm war), begann kurz darauf ein weiteres Studium Freie Kunst in Bremen (sie hatte bereits in Korea ein Studium Freie Kunst erfolgreich absolviert und als Aufbaustudium noch obendrauf, ebenfalls erfolgreich, und nun also quasi ein drittes Studium im selben Fach, nach mehrjähriger Pause, das ich nach ihren Vorstellungen selbstverständlich finanzieren sollte). Sie lebt - wie ich auch - in Hamburg.
Es folgten sehr bittere Zeiten für mich, weil ich mich von meinem Burnout nur sehr langsam erholte, ein langer Klinikaufenthalt, ich verlor meine Arbeit, etc. Bis heute habe ich mit den Folgen des Burnouts zu tun, bin sowohl in psychotherapeutischer als auch in medizinischer Behandlung, und noch immer ohne Arbeit. Meine Frau machte immer dann Annäherungsversuche, wenn es mir besser ging, um sofort wieder zu verschwinden, wenn es mir nicht so gut ging, ich also weniger attraktiv war. Bei mir ist durch den Verlauf der Trennung und durch die Erfahrungen in den ersten 2 Jahren nach der Trennung alles an Vertrauen kaputt gegangen, was nur kaputt gehen konnte. Das hat zu einem enormen Verlust an Lebensfreude und Lebensqualität geführt.
Im Dezember 2005 reichte meine Frau die Scheidung ein, versuchte Unterhalt einzuklagen, den ich nicht zahlen konnte. Mir hat das über lange Zeit all jene Ausgaben gefährdet, die ich seit jenem Burnout zur Wiederherstellung meiner Gesundheit privat aufbringen muss. Mein Arbeitslosengeld ist gering. Im Januar 2006 brach ich den Kontakt zu meiner Frau schließlich ganz ab, wütend und entsetzt, dass sie mich wegen des Unterhaltes vor Gericht bringen wollte, was mir jegliche Lebensgrundlage entzogen und mich vermutlich in die Psychiatrie gebracht hätte. Es gab nur noch Briefverkehr über unsere Rechtsanwälte. Wie ich später erfahren habe, war es nicht meine Frau, sondern deren Rechtsanwältin, die auf eigene Faust soviel Druck und sehr unangenehme Unterstellungen und Behauptungen in meine Richtung initiiert hatte. Meine Frau war davon teilweise nicht einmal unterrichtet.
Wir sollten uns erstmals beim Scheidungstermin wiedersehen, das war im August 2006. Wir sind seitdem geschieden, aber es geschah dort vor Gericht etwas sehr Überraschendes: meine Frau zögerte sehr, ihre Scheidungsabsichten zu bestätigen. Wir hatten nach dem Termin ein langes gutes Vieraugengespräch, zum ersten Male seit Jahren. Sie war sich sehr unsicher, ob diese Scheidung und Trennung richtig war.
Meine Frau hat - auf meine Empfehlung - vor gut 2 Jahren eine Gesprächstherapie begonnen, die sie seit etwa eineinhalb Jahren sehr ernsthaft betreibt, die ihr sehr wichtig geworden ist, und für die sie außerordentlich dankbar ist. Für eine Frau aus dem asiatischen Kulturkreis denke ich alles Andere als eine Selbstverständlichkeit.
Diese Therapie hat bei meiner Frau sehr viel in Bewegung gebracht. Auch andere Menschen, die sie nach längerer Zeit wiedergesehen haben, sprechen davon, dass sie sich sehr verändert hätte, ernsthafter, erwachsener, reflektierter geworden sei. So erlebe ich sie auch. Es ist heute keine Bitterkeit mehr zwischen uns. Sie bereut sehr vieles, auch die Scheidung. Vor allem sieht sie sich und ihre Anteile an unserem Ehedrama völlig anders als früher. Da ist keine Wut mehr, es gibt keine Vorwürfe mehr. Insofern hat sie auch deutlich mehr Verständnis und Mitgefühl für mich. Inzwischen hat sie mir gestanden, dass sie das Gefühl habe, sie würde sich neu in mich verlieben. Ich kann von meiner Seite aus dazu nur sagen, dass ich immer Liebe für sie hatte, und dass diese Liebe auch noch da ist, aber dass mein Vertrauen so lange so schwer gelitten hat und mehrfach wirklich komplett zerstört worden ist durch diese Geschichte, dass ich mir derzeit beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie das wieder herzustellen sein soll. Die Tür zu meinem Herzen ist für sie weder weit offen, noch ist sie ganz zu. Ich könnte auch nicht sagen, dass ich zurück möchte zu ihr, würde andererseits aber auch nicht völlig ausschließen, dass dies eines Tages vielleicht geschehen könnte. Das wäre aber keine Frage von Tagen, Wochen oder Monaten, sondern wohl von Jahren. Ich werde da nichts forcieren und bin ihr dankbar dafür, dass auch sie mich nicht bedrängt. Letzteres ist für mich eine neue Erfahrung, die ich da mit ihr mache.
Was daraus werden könnte, vermag ich derzeit überhaupt nicht einzuschätzen. Ich habe sicherlich genügend Menschenkenntnisse und psychologische Kenntnisse, um sicher sein zu können, dass Menschen sich grundlegend nur wenig, und wenn überhaupt, dann nur sehr langsam verändern. Das ist ein Grund für meine Vorsicht. Für mich selbst erstaunlich ist allerdings, dass mir meine frühere Frau in all den schwierigen Jahren und auch nach der Trennung nie fremd geworden ist. Ich weiß, dass wir eine sehr tiefe Verbindung immer gehabt haben, die während der Ehe jedoch von Äußerlichkeiten und dem ganz alltäglichen Müll überdeckt wurde. Und ich weiß sicherlich auch, dass meine Frau zunächst in eine tiefe Regression ging und alles durch die Brille ihrer Kindheit sah und empfand. Je mehr Zeit vergangen ist, und je länger ihre Therapie nun schon dauert, um so mehr scheint unsere eigentlich tiefe Verbindung wieder eine Chance zum Leben zu haben. Dennoch bleibe ich extrem skeptisch, weil ich nie wieder erleben möchte, was ich mit ihr erlebt habe.
Mein Wunsch nach einer neuen Partnerschaft ist aber bereits seit Längerem wieder da.
Zur Zeit lerne ich eine - ebenfalls deutlich jüngere - Musiktherapeutin kennen, die einen Kinderwunsch hat, was sie vor eineinhalb Jahren veranlasste, aus einer neunjährigen schwierigen Partnerschaft heraus- zugehen, weil ihr damaliger Partner da jahrelang nur "herumeierte", wie sie es ausdrückte. Ich habe ebenfalls seit Langem einen Kinderwunsch, möchte aber nur dann eine Partnerschaft eingehen, wenn diese nicht in erster Linie in den Dienst des Kinderkriegens gestellt würde. Das weiß diese Frau auch, wir sind uns da inzwischen einig, dass dieses Thema auch nicht im Vordergrund stehen soll. Diese Frau mochte ich von Anfang an sehr. Sie spürt mein Interesse, meine Aufmerksamkeit und Wahrnehmung von ihr, äußert das auch, findet vieles sehr schön und intensiv, was wir miteinander teilen, wirkt eigentlich sehr offen, sehr ehrlich, sehr lebendig und liebenswert, sie zieht mich ungewöhnlich stark an, - und dennoch werde ich nicht recht schlau aus ihr. Ich habe sie über eine Kontaktanzeige kennengelernt, die sie aufgegeben hatte. Eigentlich bin ich von meinem Naturell her der Zurückhaltende, der Schüchterne, Vorsichtige, sollte man meinen. Aber ich gehe ziemlich direkt auf sie zu, viel mehr, als ich es sonst von mir kenne. Bedenkenloser, vorbehaltloser, herzlich, zugewandt, wirklich erstaunlich vertrauensvoll. Und sie, die eigentlich für Lebendigkeit, Natürlichkeit, totale Kommunikation steht, die sie bedenkenlos eingeht, wo immer ich sie erlebe, auch mit ihr völlig fremden Menschen, scheint hier die Zurückhaltende zu sein. Es ist, als seien die Rollen vertauscht. Ich frage mich, ob sie Vorbehalte hat, oder ob das einfach zu ihrem Naturell gehört. Jedenfalls vermag ich das bisher nicht recht einzuordnen. Die Initiative geht sehr viel stärker von mir aus. Aber im Kontakt und Miteinander erlebe ich sie nah, herzlich und natürlich.
Es gibt jedoch einen Aspekt, den sie schon in ihrer Anzeige genannt und mir kürzlich in einem Telefonat auch noch einmal gesagt hat: sie brauche einen lebendigen Mann. Und ich weiß von mir und habe ihr das auch gesagt, dass ich Lebendiges sicherlich in mir habe und gerne wieder mehr leben möchte, dass jedoch durch die Erfahrungen in meiner Ehe (wo ich der lebendigere und vor allem sprechende Part war) soviel Vertrauen kaputtgegangen sei, dass ich dies erstmal wieder lernen müsse. Zu meinem eigenen Erstaunen merke ich im Umgang mit ihr, wie schnell ich aufmache. Aber sie bleibt bei aller Herzlichkeit und Intensität unserer Begegnungen dennoch irgendwie gebremst. Ich fühle mich ein klein wenig beobachtet, geprüft. Ein Gefühl, das ich nicht so richtig mag. Die Bemerkung, sie brauche einen lebendigen Mann, setzt mir gelegentlich zu, ich mache mir da dann selber Druck, - um mir im nächsten Moment zu sagen: verbieg Dich nicht, das kannst Du sowieso nicht, und es nützt ja auch nichts, und dann bin ich ganz schnell fast schon so weit, mich ganz zu verabschieden. Daneben gibt es fast euphorische Momente, wo ich ganz deutlich fühle, dass ich mehr von dieser Frau möchte. Dieses Wechselbad meiner eigenen Gefühle macht mich stutzig.
Fragen, die ich mir dazu stelle: 1. Wollen wir dasselbe? Trotz so vieler Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten in der Wahrnehmung und teils auch in der Geschichte, teilweise Gleichklang der Seelen, Vorliebe für das Feinstoffliche, das uns auch beiden eigen ist, habe ich das Gefühl, dass trotz viel Berührung nicht alles frei und offen liegt. Also ist da nur etwas verhindert? Oder wollen wir tatsächlich etwas Unterschiedliches? 2. Meinen wir überhaupt die gleiche Art von Lebendigkeit? 3. Ich bin nicht restlos überzeugt davon, dass sie mit ihrer vorherigen schwierigen und langjährigen Beziehung, wo es noch zwei Jahre lang immer wieder hin und her ging, dass sie mit dieser Beziehung wirklich abgeschlossen hat. Die Art und Weise, wie sie gesagt hat, dass das beendet und entschieden sei, hatte einen Hauch von "gewollt". Dem gegenüber sage und glaube ich von mir, dass ich mit meiner Ehe abgeschlossen habe. Was daraus vielleicht noch und wieder werden kann, steht auf einem anderen Blatt. Die Situation zwischen meiner früheren Frau und mir ist soweit ganz klar: wir sind kein Paar mehr, auch schon sehr lange, auch heute nicht einmal für Momente, - trotz liebevoller Gefühle füreinander. Sexualität z. B. spielt dort keine Rolle. 4. Ich werde das Gefühl nicht los, dass irgendetwas nicht stimmt oder bisher verborgen geblieben ist in dieser noch ganz frischen Bekanntschaft. Wahrscheinlich nichts Großes, aber irgendwas irritiert mich, vor allem die unerwartete scheinbare Verkehrung der Rollen. Offen sagen tun wir beide, dass wir uns die Entwicklung angucken und einfach schauen, was daraus wird. Ein Unterschied scheint mir zu sein, dass sie ja eine Art Bedingung in meine Richtung formuliert hat, die mich drückt. Das gibt es von meiner Seite gegenüber ihr so bisher nicht. 5. Sollte ich vielleicht zurückhaltender werden, mich rarer machen? Um ihr damit da Argument zu liefern, ich sei ihr nicht lebendig genug? Es ist eine Zwickmühle.
Abschließend:
Ich bin mit meiner früheren Frau nicht zusammen, wenngleich wir uns verbunden (nicht gebunden) fühlen. - Ich bin auch mit jener Frau, die ich gerade kennenlerne, nicht zusammen. Aber dort fühle ich Sehnsucht und den Wunsch nach einer verbindlichen Bindung. Es hätte den Vorteil relativen Unbelastet seins, im Gegensatz zur Verbindung mit meiner früheren Ehefrau. - Ich zögere also bei der Frau, die deutlich signalisiert hat, dass sie bereut und gerne zurück möchte (dafür bräuchte allerdings nicht nur ich, sondern auch sie viel Zeit), und ich gehe auf die Frau zu, deren Herz mir offenbar nicht so vorbehaltlos zufliegt, sondern die etwas gebremster daherkommt.
Wenn ich mich frei entscheiden könnte, würde ich das Neue versuchen wollen. Aber es hängt ja nicht an mir allein. Vielleicht kann ich gar nichts entscheiden, sondern muss es der Entwicklung und der Zeit überlassen? Vielleicht wird keins von beiden in eine Beziehung münden. Ich bin etwas ratlos und manchmal kurz davor, mich in einer Art Befreiungsschlag wieder ganz zurückzuziehen, und zwar von der Neuen, nicht von meiner Ex-Frau.
Viel Text. Ich weiß - und hoffe dennoch, Sie können und mögen mir etwas dazu sagen.
Danke.
Mondrian
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