Sind Supermamis wirklich die besseren Mütter?

Sie managen Kinder, Job, Partnerschaft, Haushalt und Freunde mit Leichtigkeit und sehen dabei immer aus wie aus dem Ei gepellt. Die Nägel sind lackiert, die Frisur sitzt, das Outfit ist topmodisch und es unterstreicht auf dezente Weise die Traumfigur.

Wer braucht schon eine Supermami (Bild: Thinkstock)Wer braucht schon eine Supermami (Bild: Thinkstock)

Die täglichen Mahlzeiten für die Familie sind frisch gekocht, bedacht und ausgewogen. Natürlich ist eine Supermami jederzeit bestens gelaunt, wie beim entspannten Latte Macchiato mit Freundinnen zwischendurch oder beim ehrenamtlichen Engagement für ein Kinder-Projekt. Grundsätzlich ist sie über alles informiert und interessiert, was sich sonst auf der Welt zuträgt. Unverzichtbar im Job, ist sie am Abend die liebende Mutter, die ihre umsorgten Kinder ins Bett bringt und dann ist es Zeit sich mit ihrem glücklichen Partner auszutauschen.

Soviel angeblicher Perfektionismus kann einem ganz schön auf die Nerven gehen.  In der Werbung sieht Familienglück immer nach heiler Welt aus. Kein Wunder, dass manche Mutter dieses „Idealbild" im Kopf hat. Mit der Realität hat das nichts zu tun. Doch gleichgültig, ob das Mutterideal jemandem aufgedrängt wird oder eine Mutter es als One-Woman-Show betrachtet, die Kinder bleiben dabei auf der Strecke, während ihre Mütter mit der Regiearbeit an der idealen Gesellschafs-Inszenierungen beschäftigt sind. Schnell wird aus gut gemeint, das Gegenteil.

Working Mom — so funktioniert der Spagat zwischen Kind und Job

Eine Supermami bringt ihre Kinder in die Schule, verstopft dabei die Straßen und ignoriert, dass es besser wäre zusammen mit den Kindern den Schulweg zu erarbeiten und sie dann alleine losziehen zu lassen. Im Auto lernen Kinder weder mit den Gefahren des Alltags noch des Verkehrs nicht umzugehen.

Ein Klassiker ist die Spielplatz-Szene: Zwei Kinder kriegen sich in die Haare. Jetzt wird aus der Supermami eine Löwenmutter, die sich schützend vor ihr Kind wirft und keine Auseinandersetzung mit anderen Kindern und deren Eltern scheut. Für die Kinder bedeutet es, dass sie keine Chance bekommen, eine Streitkultur zu lernen, dabei ist der Ärger am Spielplatz — lässt man die Kinder das unter sich regeln — oft so schnell verraucht, wie er gekommen ist.

Überhaupt ist die Idealmutter nicht dafür, Kinder in Tagesschulen und in Krippenplätzen zu geben, schließlich hat sie die Kinder nicht auf die Welt gebracht, um sie dann wegzugeben. Die Kinder stehen unter ständiger Aufsicht. Das bedeutet Stress für die Mutter und die Kinder versäumen die Erfahrung, dass Abstand auch Freiraum bedeutet und die Mutter ihren zunehmenden Fähigkeiten vertraut. Vielmehr kommt bei ihnen die Botschaft an, sie könnten nichts alleine und bräuchten bei allem Hilfe.

Überbehütete Töchter und Söhne entwickeln sich zu unselbständigen Personen, die ihren Müttern nicht danken werden, was vielleicht gut gemeint aber im Ergebnis trotzdem schlecht ist. Frauen, die nichts als Mütter sind, können keine interessanten Freundinnen, Kolleginnen oder Partnerinnen sein. Sie sind so langweilig wie Männer, die mit ihrem Büro verheiratet sind und denen nur wichtig ist, was andere Leute über sie denken könnten.

Mehr Kinderbetreuung, besseren Wiedereinstiegsmöglichkeiten in den Job und gesellschaftliche Anerkennung der Mutterrolle - wenn nur  zwei von fünf Frauen, die angeben, sie möchten die Elternzeit gern gelassen angehen, wirklich entspannt sind, ist das zwar ein Anfang, aber noch kein echter Abschied von dem Ideal der Supermami.

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