Julia Roberts tut es. Halle Berry auch. Und Drew Barrymore. Hollywood ist fasziniert von der spirituellen Lehre des Yoga. Doch bis die Stars und Sternchen die Übungen für Körper und Geist für sich entdeckten, war es ein weiter Weg — räumlich und zeitlich. Längst pilgern auch in Deutschland Yoga-Fans scharenweise ins Fitnessstudio. Schon entwickeln sich skurrile Trends wie Nackt-Yoga oder Hormon-Yoga.
Fast alle machen Yoga, aber woher kommt es eigentlich genau? (Bild: Thinkstock)
Der Geist lenkt den Körper
Die Bezeichnung „Yoga" stammt aus dem Sanskrit und kann mit den Begriffen „anspannen", „verbinden" oder „anjochen" übersetzt werden. Im übertragenen Sinne bedeutet das: Beim Yoga wird der Geist vor den Körper „gespannt" und kann diesen lenken. Ein exakter Ursprung der vielschichtigen Philosophie ist nicht auszumachen. Historische Funde von Steinfiguren, die in Yogapositionen sitzen, lassen jedoch darauf schließen, dass man Yoga in Indien bereits vor über 4.000 Jahren praktizierte. Doch auch wenn Yoga auf Jahrtausende altem Wissen beruht: Bis heute hat es nichts von seiner Aktualität verloren.
Yoga: Was passt zu wem?
Yoga ist keine Religion
Die frühesten Wurzeln des Yoga, das sich in die Hauptwege Bhakti Yoga (Weg der Hingabe), Karma Yoga (Weg des bewussten Handelns), Jnana Yoga (Weg der Weisheit), Raja Yoga (Königsweg) und Hatha Yoga (Weg der Körperlichkeit) gliedert, finden sich in den alt-indischen Schriften der Hatha Yoga Pradipika und der Bhagavadgita. Die Textsammlung der Upanishaden beeinflusste die religiös geprägte Form — entgegen der populären Meinung sollte Yoga jedoch nicht als Religion aufgefasst werden.
Die „Väter des Yoga"
Einer der ersten, der den Versuch unternahm, Yoga zu systematisieren, war Patanjali. Vor über 2.000 Jahren verfasste der indische Gelehrte einen Leitfaden mit 195 Beschreibungen: das Yogasutra. Auch der sogenannte „Achtgliedrige Pfad" geht auf Patanjali zurück, von dem einige Quellen nicht nur als Einzelperson, sondern als Zusammenschluss mehrerer Personen sprechen. Dieser praktische Leitfaden zur inneren Freiheit setzt sich unter anderem mit dem Umgang mit der Umwelt (Yamas), dem Umgang mit sich selbst (Niyamas) und dem Umgang mit dem Körper (Asana) auseinander. Die zahlreichen Yoga-Variationen, die mittlerweile auch hierzulande praktiziert werden, fußen auch auf den Studien von Tirumalai Krishnamacharya. Der Inder prägte die stark körperbetonte Form des Yoga und gilt heutzutage als der „Urvater" des Hatha-Yoga.
Auf in den Westen
Im September 1893 hielt der Gelehrte Swami Vivekananda als erster Hindu eine Rede vor dem Weltparlament der Religionen in Chicago und berichtete seinen Zuhörern dabei auch von den Praktiken des Yoga. Auch zahlreiche Europäer forcierten die Ausbreitung der Lehre, nachdem sie auf ihren Reisen oder beim Studium historischer Schriften mit ihr in Berührung kamen. Einer von ihnen war der in Russland geborene Boris Sacharow. Nachdem sich der studierte Mathematiker und Dolmetscher Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin niedergelassen hatte, gründete er dort schon bald die „Erste Deusche Yogaschule".
Der Yoga-Boom setzt ein
1939 eröffneten der aus dem Süden Indiens stammende Selvarajan Yesudian und die Ungarin Elisabeth Haich eine gemeinsame Yogaschule in Budapest, die jedoch während des Zweiten Weltkriegs unter russischer Besatzung geschlossen wurde. Kurzerhand siedelten die beiden in die Schweiz über, eröffneten dort mehrere Studios und steigerten so die Beliebtheit der indischen Philosophie in Europa. In den Folgejahren wurden auch in Deutschland zunehmend Yogaschulen gegründet und spätestens mit der Gründung des „Berufsverbands Deutscher Yogalehrer e.V." und der „Deutschen Yoga-Gesellschaft e.V." Ende der 60-er die Institutionalisierung der Lehre forangetrieben. Der „Volkssport Yoga" war nun ganz im Westen angekommen.
Amerika verbiegt sich
Zahlreiche modernere Yoga-Formen, die Anfang des neuen Jahrtausends aufkamen, haben ihren Ursprung zumeist in den Vereinigten Staaten. Der US-Amerikaner Bryan Kest entwickelte etwa eine Variante des Ashtanga Yoga, die vor allem den Stars gefällt: Power Yoga. Bei dieser schweißtreibenden Form rückt der spirituelle Aspekt zunehmend in den Hintergrund. Vielmehr geht es darum, den Körper zu straffen, zu dehnen und zu mobilisieren. Dass manche dabei an ihre Grenzen geraten, ist absolut erwünscht — überschreiten sollte man sie allerdings nicht.
