Delius, Ecker, Brown und Adler-Olsen: Denis Schecks Bücher des Monats. Von einem sollten Sie die Finger lassen …
SCHECK EMPFIEHLT:
F.C. Delius: "Als die Bücher noch geholfen haben" (Rowohlt Berlin, 301 S., 18.90 €)
„Als die Bücher noch geholfen haben" ist eine intime deutsche Literaturgeschichte der letzten 50 Jahre. Eine Analyse des Phänomens „1968" als Sprachereignis von einem, der schreibt: „Von 1968 habe ich offen gestanden die Schnauze voll." Eine geheime Gebrauchsanweisung für den Literaturbetrieb Deutschlands - und nicht zuletzt die Autobiographie des „Literatursüchtigen" Friedrich Christian Delius, der als Pfarrerssohn im Alter von zehn Jahren einen Weltplan aufstellt und dort als sein Berufsziel angibt: „Dichter". F. C. Delius, im letzten Jahr mit dem wichtigsten deutschen Literaturpreis, dem Büchner-Preis ausgezeichnet, weiß, wovon er spricht. Kaum hat er das Abitur in der Tasche, wird er auf den „elektrischen Stuhl" geladen und darf der Gruppe 47 seine Gedichte vorlesen. Delius trockener Humor gefällt, der junge Mann macht literarische Karriere, verliebt sich in Susan Sontag und erlebt fassungslos, wie ein ausgebuffer Peter Handke die Konkurrenz austrickst. Klaus Wagenbach holt Delius als Lektor in seinen gerade gegründeten Verlag. In Berlin erlebt und erleidet Delius die Studentenbewegung,die Selbstzerfleischung der Linken und die RAF, schmuggelt Manuskripte aus der DDR in den Westen und verteidigt sein Denken und Schreiben gegen die Zumutungen und Zurichtungsversuche der Ideologen von links und rechts.


