Einfach mal die Straße runter

(tsch) Ihr Alter ist zwar immer noch Grund von Spekulationen, doch ob Beyoncé Knowles nun erst 21, bereits 27 oder nun doch wirklich 25 Jahre alt geworden ist, spielt keine Rolle mehr, wenn das Multimillionendollar schwere Talent ihr Lächeln aufsetzt, das sie zu einem der begehrtesten Titelmodels für Frauenzeitschriften weltweit machte. Die Reife ihrer Sangeskunst mag in der Vergangenheit manchmal Anlass für Kritik geboten haben, und ihre bisherigen schauspielerischen Auftritte glichen eher verlängerten Laufstegpräsentationen. Doch mit "Dreamgirls" (Start: 01.02.) macht sie einen weiten Sprung nach vorn auf dem rutschigen Parkett Hollywoods und wurde sogar für ihre Darstellung einer an der Soul-Legende Diana Ross orientierten Sängerin in den USA der 60er-Jahre für den Golden Globe nominiert. Bekommen hat sie ihn zwar nicht, doch ihre facettenreiche Leistung verspricht eine Karriere, die auch abseits der nahe liegenden Besetzung als Sängerin interessant zu werden scheint. Im Interview spricht sie über Rassismus im Musikgeschäft, ihr Leben als Big Player in der Entertainment-Industrie und gibt Tipps, wie man in zwei Wochen zehn Kilo Körpergewicht verliert - und danach wieder zunimmt.

teleschau: Ihr neuer Film ist ein Musical mit ernstem Hintergrund: Rassismus. Welche Erfahrungen haben Sie selbst damit gemacht?

Beyoncé Knowles: Es ist jetzt schon eine Weile her. Aber als wir mit Destiny's Child anfingen, gab es hier und da schon einige Erfahrungen in dieser Richtung. Das wurde uns aber natürlich nicht ins Gesicht gesagt, vor allem Zeitschriften ließen uns das manchmal indirekt spüren.

teleschau: Inwiefern?

Beyoncé Knowles: Wir merkten es daran, dass wir zwar genauso erfolgreich waren wie andere Music-Acts, aber nicht dieselbe Aufmerksamkeit und die gleichen Möglichkeiten bekamen. Doch gottlob ist heute eine neue Generation am Ruder, und die Zeiten haben sich geändert. Ich muss aber sagen, dass selbst meine Erfahrungen weitaus weniger Aufsehen erregend sind als das, was ich während der Dreharbeiten über das erfahren habe, was Aretha Franklin und die Supremes erdulden mussten. Ich kann mich also nicht beschweren.

teleschau: Denken Sie, Ihre Musik hatte daran Anteil, dass sich die Verhältnisse normalisieren?

Beyoncé Knowles: Unsere Musik hat die Barrikaden gebrochen, natürlich. Überall, ob nun in Deutschland, den USA oder Japan, hören die Menschen jetzt Popmusik, unabhängig davon, von wem sie stammt. In den 60-ern versuchten die Supremes, sich stärker in die Richtung Popmusik und Crossover zu orientieren, und heute drängen Popmusiker in den HipHop. Das hat sich total verändert.

teleschau: Nun ist es ungewöhnlich, dass Sie für die Rolle vorsprechen mussten. Hat es Sie irritiert, als Star den ganz normalen Weg eines Schauspielers zu gehen, der sich erst einmal bewerben muss?

Beyoncé Knowles: Ich wollte es so, um dem Regisseur und Produzenten zu zeigen, dass ich auch anders sein kann, als man mich vielleicht auf der Bühne wahrnimmt. Ich glaube, das hat sie etwas verängstigt, weil ich als Sängerin das vollkommene Gegenteil von meiner Rolle bin. Die Befürchtung war, dass das Publikum mir das schüchterne, naive Mädchen nicht abnehmen würde. Ich arbeitete hart mit meinen Schauspieltrainern, studierte die Choreografien ein und sprach vor wie alle anderen. Nun war ich zwar die Erste und überzeugte auch gleich, doch war es für mich wichtig, mir die Rolle zu verdienen.

teleschau: Das Vorbild für Ihren Filmcharakter ist Diana Ross. Haben Sie sie jemals persönlich getroffen?

Beyoncé Knowles: Ja, einige Male sogar und auch während der Dreharbeiten zum Film. Sie war überhaupt nicht so schwierig, wie es Leute von ihr immer erwarten

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