"Wächter der Nacht" - Russische Revolution

(tsch) Das Maßgebliche, das von "Wächter der Nacht" (2004) in Erinnerung bleibt, sind zuckende Blitze und imposante Computeranimationen. Sicherlich, man mag in dieser verworrenen Fantasy-Geschichte irgendwann den Faden verlieren. Aber bis man ihn wieder findet, faszinieren Bilder, die eine visuelle Sensation sind. Und für die lässt sich der russische Regisseur Timur Bekmambetov gerne feiern. Was im Kino beeindruckend war, überzeugt nun auch auf dem Fernsehschirm. RTL zeigt den Auftakt zu einer Trilogie, deren Finale sich noch in der Planung befindet.

Inhaltlich weichen die hippen, vorwiegend von jungen Leuten gelesenen Bestseller von Sergej Lukyanenko gar nicht so sehr von "Star Wars"-ähnlichen Grundsätzen ab: Da gibt es einen uralten Konflikt zwischen den Kriegern des Lichts und der Finsternis. Die Hellen wachen über die Nacht, die Dunklen sind die Wächter des Tages. Und sie leben unter uns, die Guten beschützen die Menschen wie Engel vor den Bösen.

Die zentrale Figur ist Anton (Konstantin Khabensky), ein sogenannter Anderer, der über Umwege den Weg zu den Guten fand und als Seher für Ordnung sorgt. Er muss einen kleinen Jungen finden, auf den es auch Vampire abgesehen haben. Er könnte einer alten Prophezeiung zufolge der Auserwählte sein, der das Gleichgewicht der Kräfte zerstören wird. Die Visionen von einem "Wirbel der Verdammnis" passen jedenfalls ...

Alleine die tägliche Arbeit der Wächter der Nacht, ihre formwandlerischen Fähigkeiten, würde schon für ein bildgewaltiges Spektakel reichen. Die Schauplätze der realen Stadt Moskau bekommen unter den Fittichen von Bekmambetovs eingespieltem Team ein unheimliches Flair. Sogar etwas so wenig Subtiles wie Blut spielt immer wieder eine faszinierende Rolle, führt beinahe ein Eigenleben in dieser atemlosen Produktion, die schon im Vorfeld von großen Regisseuren mit der Einzigartigkeit von "Herr der Ringe" und "Matrix" verglichen wurde.

Tatsächlich entwirft der Fantasy-Krimi nicht nur revolutionäre Bilder und Actionsequenzen, sondern auch eine spannende Story, der man allerdings nur schwer folgen lässt. Mit lächerlichen vier Millionen Dollar musste die Crew auskommen und war offensichtlich willens, das fehlende Budget durch große Kreativität auszugleichen. Allein der Einstieg, der die Schlacht der Kontrahenten vor 1.000 Jahren sagenhaft - und auch brutal - bebildert, ist beeindruckend.

Im September letzten Jahres kam mit "Wächter des Tages" ein zweiter Teil in die Kinos, der jedoch nicht die kommerziellen Erwartungen erfüllen konnte. Gerade einmal 72.000 Besucher lockte der Film hierzulande in die Kinos. Kein Vergleich zu den über 560.000, die sich "Wächter der Nacht" ansehen wollten. Ob und wann die Trilogie vollendet wird, steht deshalb in den Sternen.
Ausstrahlung am 26.07.2008 um 22:20 Uhr auf RTL Autor: Bernd Fetsch/teleschau - der mediendienst
Bilder: RTL

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