Julia Stemberger: "Nur wahrhaftige Eltern sind starke Eltern"

(tsch) Sie spielte unter Regisseuren wie George Tabori und Peter Zadek am Wiener Burgtheater. Dem deutschen Fernsehpublikum ist die Österreicherin Julia Stemberger vertraut, seit Dieter Wedel sie für seine Mehrteiler "Der Schattenmann" (1996) und "Der König von St. Pauli" (1998) vor die Kamera holte. Nun hat die 43-jährige Wienerin zum ersten Mal die Hauptrolle in einer Serie übernommen. Und sich dabei auf ein Feld begeben, das so gar nicht ihrer überaus musisch aufgestellten Familie - Ehemann Christian Altenburger ist Geiger, Mutter Christa Schwertsik und Schwester Katharina Stemberger sind ebenfalls Schauspielerinnen - zu entsprechen scheint. In "Die Stein" verkörpert Julia Stemberger eine engagierte Potsdamer Lehrerin, die plötzlich mit der Auflösung ihres eben noch heilen Privatlebens fertig werden muss. Die feingliedrige Mimin spricht im Interview über ihr Idealbild von Schule und kluge Lebensweisheiten, die sie ihrer achtjährige Tochter ablauschte ("Die Stein", ab 29.07., dienstags, 20.15 Uhr).

teleschau: "Die Stein" ist Ihre erste Hauptrolle in einer Serie. Warum haben Sie sich damit so lange Zeit gelassen?

Julia Stemberger: In den letzten Jahren habe ich sehr viel Theater gespielt, dazu Neunzigminüter und Gastrollen in Serien angenommen. Irgendwie fühle ich mich jetzt erst bereit, eine Rolle wie "Die Stein" auch zu tragen. Die Hauptrolle in einer 13-teiligen Serie zu spielen, bedeutet ja auch, Verantwortung für das ganze Projekt zu übernehmen.

teleschau: Verantwortung zu tragen, heißt Druck auszuhalten, Quotendruck in diesem Fall. Haben Sie Angst vor dieser Art Verantwortung?

Julia Stemberger: Ich möchte da widersprechen. Verantwortung setze ich keineswegs mit Druck gleich. Natürlich gibt es immer ein gewisses Risiko, dass eine Serie nicht beim Publikum ankommt. Druck empfinde ich aber deshalb nicht. Ich bin eher eine aus der "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt"-Denkschule. Außerdem liest man vorher Drehbücher und guckt sich an, mit wem man arbeitet und welche Firma die Serie produziert. So kann man schon ein bisschen abschätzen, was dabei herauskommen könnte.

teleschau: Was hat Sie an der Rolle dieser Lehrerin gereizt?

Julia Stemberger: Katja Stein ist eine kräftige, humorvolle Frau - auch wenn man das mit dem Humor in der ersten, ziemlich dramatischen Folge noch nicht so stark sieht. Sie ist gepolt darauf, Widerstände zu überwinden. Das Wort "nein" akzeptiert sie in der Regel nicht. Mir gefällt, dass diese Frau immer auf der Suche nach Lösungen ist. Sie ist eine Figur, die Mut macht.

teleschau: Wie gut kennen Sie sich mit dem Umfeld Schule aus?

Julia Stemberger: Die Schüler meiner Serienklasse sind ungefähr 16 Jahre alt. Mit Jugendlichen in diesem Alter hatte ich bisher wenig Erfahrung. Meine Tochter ist acht, daher beschränken sich meine Erfahrungen auf dieses Alter und das, was davor liegt. Um mich vorzubereiten, bin ich allerdings vor Drehbeginn in einigen Klassen gewesen und habe Schülern und Lehrern bei der Arbeit zugeschaut - vor allem in Deutschstunden.

teleschau: Wären Sie eine gute Lehrerin im wirklichen Leben?

Julia Stemberger: Da ich es nicht ausprobiert habe, weiß ich es nicht. Ich versuchte dennoch, gut zu beobachten, und habe daraus Schlüsse gezogen. Meine wichtigste Erkenntnis war, dass die Schüler vor den Lehrern Respekt haben, die ihre Sache mit Liebe machen und von denen sie sich ernst genommen fühlen. Eine Schulstunde, die gut funktioniert, ist zudem wie eine gelungene Theateraufführung

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