"Boat Trip" - Auf zum anderen Ufer
(tsch) Ein Klischee hat genau eine gute Seite: Man kann damit aufräumen. Das wird jedoch umso schwieriger, je mehr Vorurteile aufeinandertreffen oder in einem 90-minütigen Film auftauchen. "Boat Trip" (2002), den RTL II nun wiederholt, ist eine solche Ansammlung voller Klischees, zu denen sich ein Sammelsurium voller Peinlichkeiten und zotigem Humor gesellt. Cuba Gooding Jr. und Horatio Sanz laufen mit ihrer Kreuzfahrt-Klamotte mit einem Schiff voller homosexueller Männer auf Grund.
Es geht also um einen Dampfer voller Schwuler: Das ist das Letzte, was Jerry (Cuba Gooding Jr.) und Nick (Horatio Sanz, war zuletzt 2007 mit "Der Date Profi" im Kino) gebrauchen können. Die beiden wol

lten eigentlich eine Kreuzfahrt mit wilden, lüsternen Frauen machen, um ihren Hormonstau abzubauen. Der rosarote Schock sitzt dementsprechend tief. Frauen sind völlig Fehlanzeige auf dem Kutter, und die nächste Gelegenheit, panisch die Flucht zu ergreifen, wird sich frühestens in vier Tagen bieten. Schwul sein ist für die beiden das Allerletzte. Zumindest bis die Wandlung der zwei Trottel einsetzt.
Die ist in dieser Hollywood-Einheitskomödie so sicher wie das Amen in der Kirche und wird von der schönen Tanzlehrerin Gabriella (Roselyn Sanchez) und dem schwedischen Silikonwunder Inga (Victoria Silvstedt) eingeleitet. Es gibt nämlich, oh Wunder, doch Damen auf dem Schiff. Klar, dass sich die beiden Hetero-Nervensägen verlieben. Doch um die Herzen der Angebeteten zu gewinnen, müssen sie zunächst so tun, als wär

en sie selbst schwul.
Wenigstens versucht Regisseur und Drehbuchautor Mort Nathan nicht, die Botschaft seines Films zu verstecken. Sie wird vielmehr plakativ auf die knallbunte Oberfläche gestrichen. Prosecco, Gloria Gaynor und der abgespreizte kleine Finger tun ihr Übriges, damit auch der letzte Zuschauer merkt, dass zotige Witze, peinliche Auftritte und ein Kreuzfahrtschiff voller, nun ja, Klischees nur eines im Sinn haben: für Toleranz zu werben. Dass dieses Ansinnen gründlich in die Hose ging und der Film an den Kinokassen absoff, liegt am kaugummiweichen Drehbuch.
Cuba Gooding Jr., der 1997 für "Jerry Maguire" einen Oscar als bester Nebendarsteller erhielt, war dieses Jahr besonders fleißig und hat bereits sechs Filme abgedreht. Das Drama "Linewatch" soll im August, die Action-Komödie "Lies & Illusions" im Oktober in den USA ins Kino kommen.
Ausstrahlung am 27.07.2008 um 20:15 Uhr auf RTL II
Autor: Franziska Kramer/teleschau - der mediendienst
Bilder:
RTL II
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