"Die sind ja nicht so weich": Drei deutsche Mädchen erleben "Mein indisches Abenteuer" (Sonntag, 15.11., 17.30 Uhr, ARD)

Mal ganz auf sich gestellt sein, ohne Eltern in ein fremdes Land fahren? Ein Traum vieler Jugendlicher. Für die meisten ist eine solche Reise ein Ego-Trip: Hauptsache, was erleben und ohne Aufsicht Partys feiern. Klar, dass das Spaß macht. Dass es aber auch die Möglichkeit gibt, in der Fremde Freunde zu finden und dabei noch anderen zu helfen, zeigt die ARD-Reihe "Gott und die Welt". Filmemacher Wilhelm Domke-Schulz begleitete drei deutsche Freiwillige nach Dharapuram, Chittoor und Karur. Dort erleben Luisa, Johanna und Carolin "Mein indisches Abenteuer" (Sonntag, 15.11., 17.30 Uhr).

Die jungen Frauen, alle zwischen 17 und 18 Jahre alt, sind noch bis Dezember in Südindien, um Kindereinrichtungen und Krankenhäuser der Hilfsorganisation SAC-CCC zu unterstützen. Hinter der langen Abkürzung verbirgt sich ein noch längerer Name: "South Asian Council for Community and Children in Crisis". Leider steckt das SAC-CCC derzeit selbst in der Krise, da wichtige Sponsorengelder weggefallen sind. "Die Leiterin des Mädchenheims, das wir im Film besuchen, hat inzwischen schon ihren privaten Goldschmuck, ihre letzten Reserven, verkauft, um alles am Laufen zu halten", erzählt Domke-Schulz. Jetzt hofft er, dass die Mädchen nicht nur während ihres Aufenthalts helfen, sondern hinterher auch neue Sponsorengelder sammeln können.

Dabei sieht ihre Hilfe anders aus, als man sich im ersten Moment vorstellt: "Die meisten denken, die jungen Frauen reisen dorthin und helfen den armen Inderkindern im Krankenhaus", so der Filmemacher. "Aber wer kann besser helfen als ein Arzt oder eine Schwester?" Stattdessen wird gespielt. Die Mädchen, denen von der Organisation geholfen wird, stammen alle aus den unteren Kasten der indischen Gesellschaft, zählen teilweise sogar zu den Unberührbaren. "Wenn sie nun Besuch aus Europa bekommen und die drei Deutschen mit ihnen lachen, spielen, sie vielleicht sogar mal in den Arm nehmen oder ihnen über den Kopf streichen, dann ist ein großer Teil schon getan. Dann merken sie, dass sie auch was wert sind."

Die indische Gesellschaft, die diese Mädchen ins Abseits drängt, war für Luisa, Johanna und Carolin anfangs sehr fremd: "Da gibt es große Mentalitätsunterschiede", sagt Domke-Schulz. "Aber die Mädchen haben sich gleich am Anfang indische Kleidung gekauft und versucht, sich anzupassen, so gut es geht." Sehr gut ging es aber nicht immer - zum Beispiel verbieten die indischen Anstandsregeln Körperkontakt zwischen Frauen und Männern. "Wenn wir uns verabschiedeten, haben die Mädchen mich auch gedrückt", erinnert sich der Regisseur. "Darüber sahen die Inder aber hinweg. Das war ja ein Europäer, der einen Europäer umarmt, das ist fast schon etwas Außerirdisches."

Kritiker der Aktion, die etwa finden, man könne jungen Frauen die Begegnung mit dem Elend nicht zumuten, kann Domke-Schulz nicht verstehen: "Wenn ein 18-jähriges Mädchen aus behütetem Elternhaus so eine Erfahrung macht, dann kann das doch nur gut sein. Außerdem sind die Drei ja nicht so weich, sie haben alle durchgehalten."

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Autor: Sabine Metzger/teleschau - der mediendienst
Bilder: MDR

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