Vince Vaughn: Nicht diskutieren, lachen!

Mit fast 40 Jahren ist Vince Vaughn, der 1,96 Meter große Hüne unter Hollywoods Spaßvögeln, dem Zenit seines Erfolgs nahe: Komödien wie "Old School", "Be Cool", "Voll auf die Nüsse" oder "Die Hochzeits-Crasher" brachten ihm den Spitznamen "Mr. Sunshine" ein. Der unter anderem mit seinen Kollegen Ben Stiller und Owen Wilson gut befreundete Schauspieler und Stand-Up-Komiker hat sich zu einem der wichtigsten Akteure und Entscheider einer neuen Comedy-Generation Hollywoods hochgearbeitet. In seinem neuen Film "All Inclusive" (Kinostart: 05.11.) überträgt er die identitätsstärkenden Strategien der US-amerikanischen Unternehmenskultur auf intime Beziehungsfragen und nimmt damit das zugrunde liegende Harmoniebedürfnis auf die Schippe: Vier Paare fliegen in ein Südsee-Paradies, um sich von ihrem problembehafteten Beziehungsalltag abzulenken. Am Ende müssen sie erkennen, dass Liebe doch schön, aber schwierig ist. Im Interview versucht sich Vince Vaughn als Beziehungsexperte und gibt Tipps für ein erfülltes Leben.

teleschau: In Ihrem neuen Film persiflieren Sie indirekt das beliebte Konzept von US-amerikanischen Unternehmen, ihre Mitarbeiter in gemeinsame Urlaube schicken, um die Corporate Identity zu stärken. Haben Sie damit schlechte Erfahrungen gemacht?

Vince Vaughn: Ich habe noch nie für eine Firma gearbeitet, die es ihren Mitarbeitern vorschreibt, auf einen gemeinsamen dynamischen Selbsterfahrungstrip zu gehen. Diese Klausurtagungen in irgendwelchen Luxus-Resorts, bei denen die Angestellten die Augen schließen, sich fallen lassen und gegenseitig auffangen sollen, sollen ja wahre Wunder vollbringen und die Verkaufszahlen durch die Decke schießen lassen. Darüber habe ich mich immer köstlich amüsiert. Und ich dachte mir: Wieso nicht dasselbe einmal mit kriselnden Pärchenbeziehungen versuchen?

teleschau: Sie scheinen einen etwas zynischen Blickwinkel auf therapeutisch angehauchte Karibikreisen zu haben.

Vaughn: Als Enkel eines leidenschaftlichen Farmers hatte ich nicht unbedingt eine entspannte Jugendzeit. Mein Vater hat mir immer ein schlechtes Gewissen gemacht, wenn ich nur daran dachte, Spaß zu haben. Die Arbeit ging vor. Das prägt mich bis heute. Vielleicht bin ich deshalb der Überzeugung, dass man seinen Urlaub nur vollends genießen kann, wenn man vorher rechtschaffen geschuftet hat.

teleschau: Können Sie als vielbeschäftiger Schauspieler und Autor überhaupt entspannt Urlaub machen?

Vaughn: Grundsätzlich kann ich meinen Urlaub nur genießen, wenn mich meine Arbeit nicht verfolgt. Ansonsten hängt sie ständig wie dunkle Wolken über meinem Kopf - und wer möchte das schon, zumal am Strand unter wolkenlosem Karibikhimmel? Wenn ich verreise, möchte ich meinen Kopf abschalten, doch das kann ich nicht, wenn ich unter Termindruck stehe.

teleschau: Wie im Fall der Dreharbeiten zu "All Inclusive"?

Vaughn: Das war für mich eine höchst sonderliche Erfahrung. Bora Bora ist eine ganz und gar faszinierende Insel. Ich bin in einer Gegend aufgewachsen, wo es überall trostlos und kalt war. Jetzt diesen Ort inmitten des Pazifischen Ozeans zu besuchen, war für mich ein echtes Privileg. Ich habe so etwas noch nie zuvor gesehen. Dabei verlebte ich zuletzt vor drei Jahren mit einem Kumpel einen wirklich angenehmen Urlaub in einem Resort in Costa Rica, all inclusive versteht sich.

teleschau: Haben Sie Ihre Südsee-Eindrücke als Mitautor des Drehbuchs in die Filmhandlung mit einfließen lassen?

Vaughn: Ich habe immer Filme für den Durchschnittszuschauer gemacht, und Sie verstehen sicherlich, was ich damit meine: Seit wir "Swingers" drehten, das war 1996, kassierten meine Filme zuerst meistens unbarmherzige Kritiken

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