Telefonat mit den Taliban: Antonia Rados berichtet über "Frauen in Angst" in Afghanistan (So., 29.11., 22.50 Uhr, RTL)
"Ist wieder einmal gut gegangen", sagt sich Antonia Rados im Nachhinein. Es ist der Mittag des 28. Oktober 2009, nachdem in Kabul die radikalislamistischen Taliban einen tödlichen Anschlag auf ein UNO-Gästehaus verübt haben und ein Luxushotel mit Raketen beschossen wurde. Rados, Chefreporterin Ausland für RTL, war mal wieder mittendrin, saß gerade im Frühstücksraum, als es passierte, und musste sich im Keller verschanzen. Solche Ereignisse, Auseinandersetzungen mit westlichen Soldaten und die große Politik in Afghanistan lassen jenes Thema für die Öffentlichkeit in den Hintergrund treten, an dem die 56-Jährige derzeit arbeitet: "Frauen in Angst - Antonia Rados trifft die Opfer des Taliban-Terrors" (So., 29.11., 22.50 Uhr, RTL). Die Taliban führen nicht nur Krieg gegen das neue Afghanistan, sondern vor allem gegen die Frauen. Sie werden bedroht, misshandelt, exekutiert. Die unerschrockene Korrespondentin recherchierte.
teleschau: Frau Rados, Sie machen diesen Job zwar schon sehr lange, aber wie geht es Ihnen an einem Tag wie diesem?
Antonia Rados: Wenn man darüber berichtet, ist das eine Sache, aber wenn man

selbst drinsteckt ... Ich bin natürlich auch schon ein alter Fuchs, wie Sie sich vorstellen können. Es ist eher so, dass ich mir im Nachhinein immer sage: "Wieder einmal Glück gehabt."
teleschau: Wie fühlen Sie sich grundsätzlich als Frau in Afghanistan?
Antonia Rados: Westliche Frauen wie ich werden natürlich anders behandelt als afghanische. Ich nenne Ihnen ein lustiges Zitat: Sie erinnern sich an das umstrittene Ehegesetz, das im Frühjahr durchgepeitscht wurde. Wir interviewten dazu einen der konservativsten Islamgelehrten und fragten: "Warum beschützen Sie eigentlich nicht die Frauen gegen die Angriffe der Taliban?" Es artete in eine Rede von ihm über westliche Frauen aus. Er sagte mir ins Gesicht: "Schauen Sie sich doch an, Sie sind eine

alte Frau und müssen hier nach Afghanistan kommen, um Geld zu verdienen, weil Ihr Ehemann Sie überhaupt nicht beschützt."
teleschau: Wie haben Sie reagiert?
Antonia Rados: Ich sagte: "Wissen Sie was, die Frauen bei uns arbeiten alle freiwillig. Darum geht's überhaupt nicht, beantworten Sie endlich meine Frage!" Aber er wollte unbedingt darauf hinaus, dass die Frauen im Westen so arm dran sind. Westliche Frauen werden also ein bisschen anders behandelt. Aber wir fuhren für die Reportage auch in die Hochburgen der Taliban, und je nach Stadt musste ich mich entsprechend kleiden. In Kandahar ging ich wirklich ganz unscheinbar umher.
teleschau: Was nehmen Sie über die Situation der Frauen wahr?
Antonia Rados: Von der Abgeordneten bis

zur Hausfrau haben alle Angst. Und in Teilen von Afghanistan sind die Umstände wieder so wie zu den Zeiten der Taliban. In einigen Städten werden Frauen nur mehr heimlich daheim unterrichtet. Weil die Taliban ihren Krieg vor allem auf dem kulturellen Gebiet gegen die Frauen führen.
teleschau: Was können Sie in Ihrer Reportage darüber zeigen?
Antonia Rados: Ich fahre mit einer Abgeordneten, auf die es vier Anschläge gab, nach Kandahar, in ihren Wahlbezirk sozusagen. Ihr Ehemann wurde umgebracht. Die Taliban bringen gezielt die Ehemänner um, damit die Frauen schutzlos sind. Sie traut hier niemandem außer ihrer eigenen Familie. Ein Teil ihrer Verwandten ging aus Angst nach Kabul. Mit ihr besuchen wir diese Untergrundarbeitsstätten der Frauen. Sie zeigt uns, wo sich Selbstmordkommandos in die Luft gesprengt haben
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