Kein schüchterner Spatz: Mireille Mathieu veröffentlicht ein neues Album mit von ihr komponierten Melodien

Es gibt unverrückbare Dinge in der Welt der Musik. Dazu gehörtn etwa die Nana-Mouskouri-Brille ... Noch weniger Veränderung erfuhr die Frisur von Mireille Mathieu. Anna Fischer, die 23 Jahre alte Sängerin der Berliner Band Panda, wurde als "Das Mädchen mit der Mireille-Mathieu-Frisur" bekannt, was bedeutet, dass die 63-jährige Grande Dame des vielsprachigen Schlagers auch die übernächste Generation beeinflusst. Zu diesem Status führten unvorstellbare 125 Millionen verkaufter Alben. Die Französin hat bis dato über 1.000 Lieder interpretiert und steht seit 44 Jahren auf der Bühne. Ihr neues Album "Nah bei dir" beinhaltet erstmals zwei Songs, deren Melodien die Künstlerin selbst verantwortet. Warum dies so ist, erklärte die zierliche Künstlerin im Interview, das sie immer wieder mit Gesangseinlagen bereicherte.

Wenn Mireille Mathieu von der Toilette ins Interviewzimmer läuft, merkt man schon, dass das nicht der introvertierte "Spatz von Avignon" ist, sondern eine Frau, die weiß, wer sie ist, wo sie geht und steht. Aufrecht der Gang, energisch ihre Schritte, fest und bestimmt der Tonfall der Assistentin gegenüber. Die dunkelhaarige Chansonnette trägt eine edle Kombination in Schwarz und Weiß, wie eine Ikone sitzt sie auf dem Sofa der kleinen Suite im Edelhotel. Sie residiert in der besten Adresse der Stadt, spricht mit großen Gesten, ihre Hände sind allzeit im Einsatz. Ihre Hände, die das Alter verraten.

Mit 63 will sie live mit Orchester ihre "größten Erfolge" präsentieren, so auch die Überschrift der im April startenden Tour. Nach 20 Jahren Abstinenz kehrte sie 2008 auf unsere Bühnen zurück. Nun liegen nicht einmal 24 Monate zwischen ihren beiden Tourneen. Sie wird jeden Abend mit Leben füllen, mit der ihr eigenen Passion für ihre Lieder. Man weiß, wie sie dabei die Faust ballt, den Kopf hin und her wirft. Doch am Tag des Interviews kurz vor der Veröffentlichung des neuen Albums sitzt jedes Haar der Frisur am rechten Platz, wie hingemalt.

Für "Nah bei dir" komponierte sie erstmals die Melodien zweier Lieder selbst. Damit will sie sich allerdings nichts beweisen: "Das tue ich nicht aus Ehrgeiz, aber es ist eine neue Erfahrung. Ich singe ja zu Hause ständig, erfinde unter der Dusche Melodien, die mir einfallen." Als die CD anstand, hat sie - "pourquoi pas, warum nicht?" - ihre eigenen Songs beigesteuert, aus fünf zwei ausgewählt: "C'est l'amour" und "Immer wieder", das eine slawisch-russische Melodie hat, weil sie damals gerade aus Russland zurückkam.

Warum sie damit nicht vorher an die Öffentlichkeit ging? "Nicht weil ich Ressentiments habe." Eine Komposition sei ja Ausdruck einer inneren Stimmung. Es tue ihr gut, auf diese Art Gefühle zu transportieren.

Bei der Tour werden wie schon vor zwei Jahren ihre Schwester und die Mutter dabei sein, neben einer riesigen Crew, die sie "sehr lange kennt". "Mit meinem Orchesterchef arbeite ich auch zu Hause. Ich denke, und er setzt es sofort um. Das ist fabelhaft und mir sehr wichtig."

Darf man sie sich da als besonnene Arbeiterin vorstellen oder eher als sehr emotionale Künstlerin, mit der das Temperament ab und zu durchgeht? In der Sondierungsphase sei sie sehr geduldig, überlegt sie. "Aber wenn man dann weiß, welche Lieder auf das Album kommen, dann bin ich ganz ungeduldig, will es endlich in der fertigen Form hören

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