Wie sich das Leben eben anhört: Sido veröffentlicht sein viertes Studioalbum "Aggro Berlin"

Das, was man in den letzten Tagen über Sido so lesen konnte, war vielleicht schon recht bezeichnend: Der Mann, der früher gerne im Ordner Gangsterrapper abgeheftet wurde, stand vor Gericht - wegen eines ganz normalen Nachbarschaftsstreits. Es ging darum, dass Sido dort parkte, wo er parken durfte und irgendjemanden das nicht passte (sagt Sido). Und dann kam's zum Showdown in einem Café, in dessen Verlauf unter anderem Kieselsteine flogen (sagt Sido). Er musste ein bisschen was zahlen und ist als Konsequenz erst mal umgezogen. In eine ruhige Wohngegend, gehobene Familienlage, vermutlich mit Garage. Sido wird erwachsen - zumindest ein bisschen.

teleschau: Sido, am Anfang Deines neuen Albums "Aggro Berlin" sperrst Du die Maske weg - für immer?

Sido: Die Maske gehört mir gar nicht, die gehört Aggro Berlin. Und bei denen bin ich ja nun nicht mehr, sodass ich die gar nicht mehr aufsetzen könnte - und ich habe da auch keine Lust auf Stress. Außerdem verbinde ich sie einfach mit meiner Zeit bei Aggro Berlin. Da passte sie ganz gut dazu. Aber das bin ich nicht mehr. Ich weiß nicht, ob Du auf meinem neuen Album einen Song findest, der auch auf eine meiner letzten Platten gepasst hätte.

teleschau: Du hast in letzter Zeit eine gewisse Ernsthaftigkeit für Dich entdeckt - unter anderem warst Du in Stefan Raabs Bundestags-Wahlsendung zu Gast ...

Sido: Politik war früher vor allem aus einem Grund nie mein Ding: Ich konnte mir diese ganzen Wahlsendungen einfach nicht anschauen. Selbst bei RTL, was ja wirklich kein so kluger Sender ist, hat sich mein Gehirn oft von selbst ausgeschaltet. Das fährt nach fünf so unverständlichen Wörtern einfach von selbst runter. Als ich mit den Leuten persönlich redete, konnte ich die unterbrechen, wenn die mit irgendwelchen Fremdwörtern daherkamen und sagen: Halt, stop, erklärt mir das.

teleschau: Trotzdem hast Du Dich in der Vergangenheit in solchen Sendungen eher rargemacht ...

Sido: Ich war mal bei Sandra Maischberger. Angefragt wurde ich viel öfter, aber ich geh' nicht zu jeder Scheiße hin. Wenn es um Frauenrechte geht, weiß ich, da sitzt jemand wie Alice Schwarzer und wird mich so was von zerreißen - da ist ja schon vorher klar, wie das ausgeht. Die Rapper werden oft eingeladen, damit man einen Buhmann da hat. Jemanden, der schuld ist an der Verrohung der Jugend oder so.

teleschau: Ist das einer der Gründe dafür, dass Deine Texte nicht mehr so drastisch sind wie früher?

Sido: Ich mache mir da keine Gedanken drüber. Ich überlege nicht, wie etwas, das ich tue, wirken könnte. Wenn ich Bock auf 'ne Politik-Sendung habe, mache ich 'ne Politik-Sendung. Wenn ich Bock auf die "Stock Car Crash Challenge" habe, mache ich eben das. Wenn ich Bock hab', in 'ner beschissenen Bratpfanne eine Bobbahn herunterzufahren, mache ich das. Wenn ich Bock habe, in Los Angeles 'ne Platte aufzunehmen, nehme ich in Los Angeles 'ne Platte auf.

teleschau: Warum eigentlich Los Angeles?

Sido: Na, weil ich jetzt bei Universal bin! Vorher war ich ja bei einer kleinen Plattenfirma, da war es schon 'ne Riesensache, wenn ich nach Ibiza geflogen bin

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