Intensive Lebenszeit: "Das kleine Fernsehspiel" zeigt siebenmal "100%Leben" (ab Mo., 16.11., ZDF)

Die Welt dreht sich immer schneller. Dinge müssen immer fixer gehen. Der moderne Mensch dreht schon durch vor Ungeduld, wenn eine Internetseite mehr als drei Sekunden braucht, um sich aufzubauen. Gleichzeitig fällt es vielen schwer, mit diesem Tempo Schritt zu halten. Und manchmal hat man das Gefühl, das Leben rauscht nur so an einem vorbei, ohne dass man viel Zeit für das hat, was man sich so unter dem "wahren Leben" vorstellt. Es hat schon was von Luxus, wenn ein Filmemacher sich für seine Arbeit Zeit nehmen kann. Im Gegenzug bekam die fördernde Redaktion "Das kleine Fernsehspiel" im ZDF siebenmal "100%Leben" (ab 16.11., immer montags).

Seit über 40 Jahren nimmt sich die Redaktion des Dokumentarfilm-Nachwuchses an. Seit 2008 soll einmal jährlich die Reihe "100%Leben" gezeigt werden: Das Label wurde als "inhaltlicher und formaler Anspruch" eingeführt, unter dem herausragende Arbeiten ausgestrahlt werden. Diesesmal räumt das Zweite den unterschiedlichen Filmbeiträgen auch noch mehr Sendezeit ein: für sieben Erstausstrahlungen. Sie lassen sich auf den gemeinsamen Nenner "Langzeitbeobachtung" bringen.

Obwohl das im ersten Moment wie "Langeweile" klingen könnte, gehört es im Doku-Sektor nicht nur für den Filmautor, sondern auch für das Publikum mit zum Spannendsten. Zum Beispiel: Kann der junge Afrikaner Bernard Donfack seinen Traum von der Boxkarriere verwirklichen, bei deren Triumphen und Tiefschlägen ihn der Zuschauer erlebt? Schafft er es so, zum "Rich Brother" (23.11., 00.10 Uhr, von Insa Onken) zu werden, wie es seine Familie in Kamerun von ihm erwartet? Oder: Was wurde aus den hochtrabenden Plänen des hessischen Bürgermeisters, seinen verschlafenen Ort in eine Touristenattraktion zu verwandeln? Wurde "Henners Traum" vom "größten Tourismusprojekt Europas" wahr (16.11., 00.20 Uhr)? Der Regisseur Klaus Stern, der für seine Filme bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, erklärt das Zustandekommen der Nähe zu seinem Protagonisten Henner mitunter so: "Wenn man zweieinhalb Jahre miteinander verbringt und nicht nur mit der Kamera auftaucht, entsteht ganz unwillkürlich ein ganz spezifisches Vertrauensverhältnis."

Die längste Beobachtung hat aber in gewisser Weise wohl Susan Gluth gemacht: Denn seit sie klein ist, kennt sie die drei Frauen, die in einer Hamburger Wäscherei schuften, ohne dabei jemals wirklich zu Geld zu kommen. Nun hat die Autorin einen Film über den Alltag zwischen "Wasser und Seife" (21.12., 00.35 Uhr) gedreht und zeigt, wie Tatjana, Gerti und Monika die Hoffnung nicht aufgeben.

Bereits in die dritte Phase ging Aysun Bademsoy: Mit "Mädchen am Ball" und "Nach dem Spiel" hatte sie schon zwei Filme über Berliner Türkinnen gedreht, die die Leidenschaft für den Fußball verband. Nun ist die Filmemacherin auch mit der Kamera dabei, als mit Ende 20 jede für sich ihren Weg geht. Für "Ich gehe jetzt rein ..." (07.12., 00.10 Uhr) kann sie auf Material aus 13 Jahren zurückgreifen.

Nicht zu vergessen auch, dass oft bereits viel Zeit investiert werden muss, ehe die Protagonisten zum ersten Mal vor die Kamera treten: Sechs Monate lang näherte sich Alexander Riedel Valentina aus dem Kosovo und Suli aus Nordchina an, ehe er die beiden Mitglieder einer Münchner Mädchengang begleitete, die ihren Platz im Leben suchen ("DRAUSSEN BLEIBEN", 30.11., 00.10 Uhr).

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