"Über Nacht wird ein Land geteilt. Die kommunistische Regierung Ostdeutschlands riegelt sich gegen den Westen ab. Keiner soll mehr aus dem Osten entkommen", heißt es zu Beginn im typischen Doku-Pathos

. Nichts geht mehr. Und doch versuchen es viele. Von ihnen erzählt der Dokumentarfilm, der bei HISTORY eine Themenwoche zum 20. Jahrestag des Mauerfalls einläutet. Bis zum Freitag, 13. November, widmet sich der Sender in über 14 Stunden Programm der deutsch-deutschen Geschichte.
Die Machart des in HD produzierten Streifens ist nicht außergewöhnlich - große Geschichte wird anhand bewegender, manchmal erschütternder Einzelschicksale erzählt. Heißt: Zeitzeugeninterviews treffen auf Archivbilder und neue Aufnahmen von historischen Schauplätzen.
Außergewöhnlich ist indes die gelungene Auswahl der Protagonisten. Einer von ihnen, Dr. Burkhart Veigel aus Berlin, ist nun auch zum Pressetermin nach München gekommen, um aus erster Hand zu berichten. In jungen Jahren,

als Medizinstudent, war er zehn Jahre als Fluchthelfer aktiv, er half zusammen mit Freunden, etwa 650 Menschen aus der DDR in den Westen zu holen. "Ich habe halt festgestellt, ich kann das" - erstaunlich lapidar antwortet der ehemalige Zehnkämpfer heute auf die Frage, was ihn damals, in den 60er-Jahren, angetrieben hat. Launig plaudert er über teils spektakuläre Fluchtaktionen und über den Umgang mit der eigenen Angst: "Man geht auf der linken Straßenseite, damit man sehen kann, wer in den entgegenkommenden Autos sitzt und damit man nicht von hinten überfahren werden kann."
Der Film greift zum Teil unglaubliche Fluchtgeschichten auf. Wie die von Carmen Rohrbach. Sie versuchte, schwimmend der DDR zu entkommen, wurde jedoch in der Ostsee aufgegriffen und zu zwei Ja

hren Gefängnis verurteilt. Und doch würde sie es heute wieder tun - zu groß ist der Wunsch nach Freiheit, wie die heutige Biologin, Filmemacherin und Autorin vor der Kamera und in ihrem Buch "Solange ich atme" eindrucksvoll schildert.
Auch Christine und Bodo Müller schrieben ein Buch ("Über die Ostsee in die Freiheit") über ihre Ausreise - auch sie wurden im Wasser aufgegriffen. Spektakuläre Flucht-Mobile, Marke Eigenbau, bekannt wurde neben diversen Fluggeräten auch der "Aqua Scooter" der Müllers, kommen ebenso zur Sprache wie unzähligen Fluchtversuche "unter Tage". Dietmar Arnold vom Berliner Verein "Unterwelten" zeigt die unterirdischen Fluchtwege in U-Bahn-Schächten und der Kanalisation.
Helfer und Republikflüchtige - alle erzählen eine andere Geschichte, und doch geht es in dem packenden 30-Minüter immer nur um ein- und dasselbe: "Am Ende siegte der Drang nach Freiheit", so HISTORY-Regisseur und Autor Nicolas von Hänisch
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