teleschau: Ihr Film "Ein Dorf sieht Mord" ist eine Adaption des Buches "In unnütz toller Wut" des niederländischen Bestseller-Autors Maarten 't Hart. Hat man dessen Handlung schlicht von Holland nach

Deutschland übertragen?
August Zirner: Nein. Im Buch dieses meiner Meinung nach herausragenden Schriftstellers geht es um ein holländisches Dorf und einen dort lebenden Schriftsteller. Durch das Eintreffen einer jungen, schönen Fotografin wird klar, dass das Dorf ein Geheimnis trägt, welchem der Schriftsteller auf die Spur kommt. Unser Film überträgt die holländische Provinz ins niedersächsische Wendland. Weil dort Gorleben liegt und das Geheimnis um dieses Thema herum rankt. Im Roman geht es nicht um Kernkraft und ihre Gegner - das ist eine Idee des Films.
teleschau: War jene Idee, die Handlung im Kreise ehemaliger AKW-Gegner spielen zu lassen, ein Grund für Sie, die Rolle des Schriftstellers zu übernehmen?
Zirner: Es gab viele Gründe. Ich finde den Roman ganz toll, eb

enso die Idee der deutschen Adaption. Außerdem halte ich das Thema für sehr wichtig - dass Atomlobby und Politik der Bevölkerung vorgaukeln wollen, ein Endlager für atomaren Abfall wäre überhaupt möglich. Meine Tochter studiert Geowissenschaft und sagt, dass Geologen weltweit sicher wissen: Salz ist eines der am wenigsten geeigneten Milieus für radioaktiven Abfall. Während unserer Dreharbeiten kam der Skandal des Lagers in Asse in die Medien - ein Salzlager. Salz ist immer von Wasseradern durchzogen und zieht ständig weiter Wasser. Dort wollte man Müll für tausend Jahre lagern. Bereits nach zwölf Jahren hat sich nun eine äußerst bedrohliche Situation ergeben.
teleschau: Die neue Bundesregierung flirtet mit der Idee, die Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke zu verlängern. Insofern hat

Ihr Film ein perfektes Timing ...
Zirner: Finde ich gar nicht. "Ein Dorf sieht Mord" läuft am 30. November. Die Bundestagswahl ist längst gelaufen, und die Bevölkerung hat sich für Schwarzgelb entscheiden. Eine schlimmere Kombination in Sachen Atompolitik gibt es nicht. Aber ich muss hier auch sagen: Unser Film ist kein Atomthriller. Er spielt lediglich in der Atmosphäre Wendland und einer Szene ehemaliger AKW-Kämpfer.
teleschau: Diese Szene im Film besteht aus einer Gruppe angegrauter Herren. Ist die Friedens- und Umweltbewegung von einst heute reif fürs Museum?
Zirner: Natürlich gibt es im Wendland viele ältere Atomgegner, schließlich kämpfen die dort seit 30 Jahren. Die Bürgerinitiativen dort sind jedoch altersmäßig sehr durchmischt, dazu sehr solide und seriös aufgestellt
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