Sorgenfrei in die Schlagzeilen: The Gossip begegnen dem Medienrummel um ihre Sängerin Beth Ditto mit Gelassenheit und Humor

Muss man sich jetzt Sorgen machen um The Gossip? Weil sie seit dem Release ihres Albums "Standing In The Way Of Control" von der nur in Szenekreisen bekannten Do-It-Yourself-Band zu Chartgrößen aufgestiegen sind? Weil Sängerin und Energiekugel Beth Ditto vom britischem Musikmagazin NME 2006 zur coolsten Person im Popmusikgeschäft gewählt wurde? Weil sich vom Klatschmagazin bis zur Feuilletonredaktion alle auf das unkonventionelle US-Rock-Trio einigen können? Weil also der Höhenflug geradezu vorprogrammiert ist, jetzt da ihr neues Album "Music For Men" erscheint? Ganz ehrlich? Nein. The Gossip sind wohl so ziemlich die letzte Band, die vom Größenwahn befallen werden könnte. Medienlieblinge hin oder her - im direkten Gespräch gewinnt man sehr schnell den Eindruck, dass Beth Ditto, Drummerin Hannah Billie und Multiintrumentalist Nathan Howdeshell (aka Brace Pain) eher gelangweilt sind von dem Zirkus, der um sie veranstaltet wird. Ernst nehmen sie ihn jedenfalls nicht.

teleschau: Habt Ihr Euch durch den Erfolg von "Standing On The Way Of Control" bei den Aufnahmen zum Nachfolgealbum unter Druck gesetzt gefühlt?

Beth Ditto: Wenn man vier Jahre wartet, dann hat man nicht wirklich den Eindruck, dass "Music For Men" überhaupt so etwas wie ein Nachfolgealbum ist. (Gelächter) Wenn du nur lange genug wartest, vergisst jeder, was du zuvor gemacht hast.

teleschau: Wir gehen mal davon aus, dass weder Ihr noch Eure Platten vergessen wurdet.

Nathan Howdeshell: Wir tun eben so, als sei nichts passiert. Als sei "Standing In The Way Of Control" weder populärer noch irgendwie besser gewesen.

Ditto: Ach, wir müssen nicht mal so tun!

Howdeshell: Stimmt. Ich denk einfach nicht darüber nach.

Ditto: Eben. Du sowieso nicht. Allerdings ist wirklich etwas ziemlich Schräges passiert, während wir "Standing In The Way Of Control" aufgenommen haben. Als wir fertig waren, dachten wir: "Wow! Was für ein erwachsenes Lied!" Wir hatten schon so viele Platten aufgenommen, aber das war ein echtes Lied. So dass wir uns dachten: 'Wow! Wir haben ein Lied geschrieben!' Wir hatten nie eine Strophe oder einen Refrain ...

Hannah Billie: ... oder irgendwelche Untergliederungen ...

Ditto: ... oder irgendwelche Untergliederungen und eine weitere Strophe oder ein Ende. Es war ein Lied. Ein echtes Lied. Insofern wollte ich auf der nächsten Platte vor allem das Gefühl haben, einen weiteren echten Song zu haben. Es musste nicht zwangsweise ein Smash-Hit sein, aber ein guter Song. Und sich erwachsen anfühlen.

teleschau: Auf dem neuen Album klingt Ihr reduzierter und weniger tempogeladen - Habt Ihr eine Art Erholungspause von der eigenen Vergangenheit gebraucht?

Ditto: Ich denke, wir haben einfach eine vollkommen andere Platte aufgenommen. Wir haben nicht einen Gedanken an "Standing In The Way Of Control" verschwendet. Wir wollten erst mal eine neue Platte aufnehmen. Und jeder Song hätte es drauf geschafft, solange wir ihn nur gemocht hätten. Uns gefiel, wie die neue Platte klingt. Sie ist langsamer, das stimmt schon. Aber man kann auch nicht zweimal die gleich Platte aufnehmen. Das ist nicht unsere Art.

teleschau: Welchen Einfluss hatte Euer Produzent Rick Rubin auf den Sound?

Billie: Er war uns vor allem eine große Hilfe. Er half uns beim Arrangieren der Stücke und gab uns das Vertrauen, aus allem das Maximum herauszuholen...

Ditto: ... den Müll zu verbessern ...

Billie: Ja

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