"Schule" - Fürs Leben lernen

Nicht noch ein Teenie-Film! Mit Grauen denkt manch einer an die Pauker-Klamotten der 60er-Jahre zurück - und mindestens so genervt an die heutigen "High School Musicals" von Disney. Dort Opas Schulstreiche mit Lehrer-Sprüchen zum Schenkelklopfen, hier sterile Teenies mit Zahnpastalächeln. Von alldem ist "Schule", der Erstlingsfilm von Marco Petry (Koproduzent: Bernd Eichinger), meilenweit entfernt. Sein Werk von 2000 lebt von der Genauigkeit der Dialoge und dem unangestrengten Spiel seiner Darsteller. ProSieben zeigt nun erneut, dass die "Penne" so gar nicht zum Einpennen sein muss.

Vieles kommt einem hier bekannt vor: Die letzten Schultage nähern sich, das Grauen vor der Abschlussprüfung wird größer, man versucht ihm durch diverse Ablenkungen zu entgehen. Klar, dass da an oberster Stelle die Mädchen stehen: Erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht werden gemacht. Es wird rum- und abgehangen bis zum Gehtnichtmehr. Ein Niemandsland gilt es zu durchschreiten, das irgendwo zwischen Zukunftslust und schweren Depressionen liegt. Galgenhumor hilft!

Hierbei kommt es sehr auf die Gefühle, das Atmosphärische, die Nuancen an. So was geht schnell mal schief, doch Marco Petry trifft immer den richtigen Ton. Er hatte keine Haudrauf-Klamotte im Sinn, geht die Sache allerdings auch nicht Wedekind-tiefgründig mit "Frühlings Erwachen"-Tragik an. Er zeigt seine Schüler-Gang vom gutherzigen Dicken bis zum Musterknaben erkennbar naturgetreu. So ähnlich waren oder sind wir alle mal.

Die Typen (Daniel Brühl, Axel Stein, Jasmin Schwiers), mit denen man nur einen einzigen aufregenden Tag erlebt, sind durchweg gut, spielen pickelig ätzend und lässig, manche auch umwerfend konventionell. Und Stone (Niels Bruno Schmidt), der nervende Wegelagerer, den man längst von der Schule geschmissen hat, spielt tapfer den Bösen in diesem Werk voller anspruchsloser Schwerelosigkeit.

Drei Jahre nach dem "Schulabschluss" schaffte Daniel Brühl den ganz großen Durchbruch in "Good bye, Lenin!". Zuletzt war der 31-Jährige in Julie Delpys Kostümdrama "Die Gräfin" im Kino zu sehen. Am 20. August startet der lang erwartete Tarantino-Film "Inglourious Basterds", in dem Brühl den Nazi-Kriegshelden Frederick Zoller verkörpert.
Ausstrahlung am 19.07.2009 um 14:10 Uhr auf ProSieben

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Autor: Franziska Kramer/teleschau - der mediendienst
Bilder: ProSieben / Constantin Film

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