Und die Folgen dieser gefährlichen Illusion lassen sich nirgendwo besser besichtigen als im einstigen Immobilien-El-Dorado Kalifornien. Dort, wo eben auch deutsche Kredite zwischen 2001 und 2005 einen wahren Eigenheimboom entfachten, zeigt der Film heute fast kleine Geisterstädte. "In den USA", so erklärt Laska die Hintergründe, "haften die Kreditnehmer nicht mit ihrem Vermögen, sondern einzig mit der Immobilie". Als die überdrehten Preise drastisch einbrachen, gaben die verschuldeten Hausbesitzer ihre vier Wände einfach an die Banken zurück. Die sitzen nun auf den Verlusten - oder wie im Fall der Landesbanken - die Steuerzahler.
So offen und jovial sich die US-Börsianer den Filmemachern präsentierten, so abweisend, verschlossen, fast konspirativ zeigte sich das deutsche Bankenwesen, wo die Dokumentarfilmer buchstäblich gegen verschlossene Glasfassaden rannten. "Dass es uns dennoch gelungen ist, ausgewiesene Insider vor die Kamera zu holen, macht uns stolz", sagt Laska. Natürlich äußern die sich anonym, denn: "Es gibt im Bankenwesen einen strengen Kodex: Wer öffentlich Stellung bezieht, kann seine Karriere abhaken."
Die wenigen auskunftfreudigen Zeugen schildern allerdings umso eindrücklicher, wie das Geschäft mit der Profitgier funktionierte. "Das darf man sich durchaus wie bei einem Zeitungswerber vorstellen, der mit allen Tricks arbeitet", sagt Laska, der allerdings auch Verfehlungen auf politischer Ebene sieht. "In den Aufsichtsräten der Landesbanken sitzen namhafte Politiker, die sich nie bemerkbar machten, obwohl sie das Geschäft doch angeblich aus dem FF beherrschen."
Professor Stefan Paul, Bankenexperte von der Universität Bochum, stellt der Politik im Film denn auch kein gutes Zeugnis aus. Man habe zwar das Finanzgeschäft modernisiert, es aber versäumt, valide Kontrollinstanzen zu installieren. Mehr noch: "Das, was ein Franz Müntefering später als 'Heuschreckenkapitalismus' diffamierte", so Laska, "hat die rot-grüne Bundesregierung mit ihrer Finanzmarktreform überhaupt erst angeschoben".
Experten äußern sich nun im Film zur Frage der Rekordverschuldung, zur Inflationsgefahr sowie zur Zukunft der sozialen Sicherungssysteme. Was jedoch mehr als alles andere nachdenklich macht, ist das weitgehend fehlende Schuldbewusstsein der Verantwortlichen. "Wir fanden kaum jemanden, der einräumt, sich mit starrem Blick auf den Profit über alle Bedenken hinweggesetzt zu haben." Ein Herr Ackermann mochte sich beispielsweise nicht zur Banken- und Finanzkrise äußern, "jedenfalls nicht in der 'Frontal 21-Dokumentation", klagt Laska
1
·
2
·
3