Mental gut drauf: Die Krimi-Serie "The Mentalist" (sonntags, 21.15 Uhr) sorgt für Rekord-Quoten bei Sat.1
Das Wort "mentalist" beschreibt, so erklärt das Serienintro, einen "Gedächtniskünstler, Hypnotiseur, Suggestionsartisten". Mancher mag solche Gestalten vielleicht mit Jahrmärkten und windigen TV-Shows in Verbindung bringen, doch es gibt auch Männer wie Simon Baker, der als Patrick Jane die Fernsehlandschaft durcheinanderwirbelt. "The Mentalist" ist der Hit der vergangenen US-Seriensaison 2008/2009. Die erste Staffel versorgte den Sender CBS mit Traumeinschaltquoten und lockte teilweise sogar mehr Zuseher an als "Dr. House", der in den Staaten beim Konkurrenten Fox zu sehen ist. Auch in Deutschland darf sich Sat.1 über Zuschauerrekorde freuen.
Durchaus überraschend. Denn natürlich ist der Sonntagabend für alle Sendungen in Deutschland ein schwieriges Pflaster. Traditionell hält die ARD-Krimireihe "Tatort" die Primetime fest in der Hand und

lässt allenfalls Raum für einen Romantikkonkurrenten der Machart "Rosamunde Pilcher". An diesem Abend ebenfalls auf Krimis zu setzen, war mutig von Sat.1.
Und dieser Mut zahlte sich aus: "Navy CIS" (20.15 Uhr) und der Neuling "The Mentalist" (21.15 Uhr) holen zwischen drei und vier Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen konnte die Reihe um den Gedächtniskünstler Patrick Jane die Anteile des Krimis im Ersten in mancher Woche sogar übertreffen. Für Sat.1 ist das eine kleine Sensation.
Entscheidender Faktor für den internationalen Erfolg von "The Mentalist" ist vor allem der Hauptdarsteller Simon Baker ("The Guardian", "Der Teufel trägt Prada"). Nachdem jahrelang "CSI"-artigen Ensemblestrukturen in Kri

mis der Vorzug gegeben wurde, konzentriert man sich anscheinend wieder auf die Rolle des Über-Ermittlers der Marke "Columbo". Der Mann ist zwar eingebettet in ein Team, das mit aller Modernität des 21. Jahrhunderts arbeitet, aber er ist eben auch noch ausgestattet mit übersinnlich erscheinenden Beobachtungs- und Kombinationsfähigkeiten.
Bakers Sunnyboy-Aussehen mit blonden Locken und breitem Zahnpastalächeln lässt zwar Frauenherzen höher schlagen, gibt aber nicht den Ausschlag. Vielmehr ist es eine Mischung aus Unverschämtheit, Charme und emotionaler Tiefe, die ihn so charismatisch macht. Starke Typen sind gefragt, "House" lässt grüßen. "Mentalist" Patrick Jane ist ein ehemaliges TV-Medium, das jeden mit seinen Tricks über den Tisch zog. Bis er die Aufmerksamkeit d

es Serienkillers "Red John" auf sich zog und dieser Janes Frau und Tochter ermordete. Seither arbeitet der ehemalige Trickser für die kalifornische Polizei und ist davon besessen, den Mörder zur Strecke zu bringen.
Patrick Janes Streiche und mentale Spielereien bilden lediglich die heitere Oberfläche und dienen als humorvoller Ausgleich zu den meist recht brutalen Fällen. Es sind die kurzen Momente, in denen er tiefer blicken lässt, Trauer, Wut und Einsamkeit zeigt, die diese Figur interessant machen. Und der Australier Baker, der am 30. Juli 40 Jahre alt wird, trägt seinen Teil dazu bei. Scheinbar mühelos wechselt er vom Spaßmacher zum Rächer der Toten, vom Charmeur zu trauernden Witwer, ohne dass je eine Facette der anderen widerspricht
1
·
2