Was macht der Graf im Trash-TV? Sat.1 versucht sich an einer zweiten Staffel der hochironischen Doku-Soap "Gräfin gesucht" (ab 26.7., sonntags, 19.00

Mit der Doku-Kuppelshow "Gräfin gesucht" wollte Sat.1 im vergangenen Jahr den RTL-Superhit "Bauer sucht Frau" am anderen Ende des gesellschaftlichen Spektrums angreifen. Durchschnittlich sahen aber nur knapp 2,5 Millionen Zuschauer die acht Folgen von Staffel eins. Auch die Quote der blaublütigen Brautshow blieb mit 12,5 Prozent Marktanteil eher verhalten. Trotzdem will es der Sender nun noch einmal wissen und schickt in der Neuauflage (ab 26.7., sonntags, 19.00 Uhr) vier adelige Singles in den Strudel der Selbstoffenbarung. Zwei der vier Grafen erzählen, warum sie mitgemacht haben.

Auch Adelige sind nur Menschen. Gut 90 Jahre nach Abschaffung blaublütiger Sonderrechte mit der Ausrufung der Weimarer Republik streut das adelige Paarungsverhalten genauso breit wie das der bürgerlichen Geschlechtsgenossen. Einige Grafen sind schüchtern, andere ganz schön dreist. Christoph Graf von Preysing, 26 Jahre jung, kommt vom Tegernsee und ist das, was man wohl als eine gute Partie bezeichnet.

Besonders adelig hört sich seine bisherige Biografie jedoch nicht an. Mit 15 brach er die Schule ab, mit einem Partner gründete der blonde Muskelmann eine Fischerei am Tegernsee. Heute hat Christoph, mittlerweile Fischereimeister, 15 Angestellte und verdient sein Geld mit Fischzucht, Import von edlen Schalentieren und dem Veranstalten exklusiver Partys für die Münchner Schickeria. Hat es der gut aussehende junge Graf nötig, sich eine Frau übers TV zu angeln?

"Mir macht das Spaß", begründet der Nachfahre aus dem nach den Wittelsbachern zweitältesten bayerischen Adelsgeschlechts seine Teilnahme. "Ich habe kein Problem damit, Frauen kennenzulernen. Ich wollte mal gucken, wer sich da so bewirbt. Ich habe in meinem Leben leider noch keine feste Beziehung gehabt. Das ist schon 'hardcore', wenn man plötzlich vier Tage am Stück mit jemandem zusammen ist. Ich wollte wissen, ob mir das gelingt."

Christoph ist einer von vier Grafen, die ab 26. Juli über die Sat.1-Show "Gräfin gesucht" nach einer Frau Ausschau halten. Neben dem Bayern sind es noch die norddeutschen Blaublüter Johann (48), ein PR-Manager, Landwirt Tilo (39) und Jung-Unternehmer Moritz (29). Letzterer stammt aus dem sächsischen Adelsgeschlecht Dohna, das später in Ostpreußen sein Stammhaus hatte. Seit 1945 ist die Familie von Dohna ohne Traditionsanwesen, auch wenn man in Schleswig-Holstein eine repräsentative Bleibe fand.

Spross Moritz, eher der zurückhaltende Typ, wohnt allerdings meist in Hamburg auf nur 30 Quadratmetern. Seine Geschäftsidee, eine Consulting-Firma für Mieter von Büroräumen, befindet sich gerade im Aufbau. Was ihn mit dem extravertierten Bayern Christoph verbindet: beide rechnen nicht ernsthaft damit, über die Show eine Frau zu finden. Das Wort vom "Spaß" taucht ziemlich oft auf, wenn man mit den Grafen spricht. 170.000 Euro Gage, die nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" ein Blaublüter in Staffel eins erhielt, könnten eine weitere Entscheidungshilfe gewesen sein.

Im Gegensatz zu "Bauer sucht Frau", wo die Hochzeitsglocken bisher etwa ein Dutzend-mal läuteten, ergab sich bei den Grafen in Staffel eins bislang nur eine einzige Kurzzeitbeziehung

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