Franziska Petri: Keine alten Zöpfe

Mittlerweile kennt man ihr Gesicht, die Mandelaugen und die elfenbeinfarbene Haut. Franziska Petri spielt eigentlich immer exzellent, derzeit im gelungenen RAF-Drama "Schattenwelt" (Kinostart: 25.06.) an der Seite von Ulrich Noethen - und ihrem ehemaligen Lebensgefährten Uwe Kockisch. Berührungsängste hat die 35-Jährige keine, weder in der Konfrontation mit der Vergangenheit noch mit Tieren, die andere meiden. Für den Film schnitt sie sich die Haare ab. Über diese Erfahrung, über Solidarität und Wespen sprach die Schauspielerin in einem Berliner Straßencafé.

Solidarität ist etwas, das Franziska Petri schon sehr früh erfahren hat. Sie (1973 in Leipzig geboren) war mit 16 bei den Montagsdemos, damals vor dem Mauerfall. Dieses Gefühl hat sie geprägt. Solidarität ist etwas, das ihr heute noch begegnet, beim Dreh von "Vergiss Amerika" zum Beispiel, im Jahr 2000, als sie an der Brücke stehen, sich ausziehen und ins Wasser springen sollte.

"Es war ein sehr heißer Tag", erzählt sie und schwimmt in Gedanken zurück. "Die Szene fiel mir schwer. Doch als ich ans Set kam, waren viele Leute aus dem Team ebenfalls halbnackt, sodass ich nicht alleine war." Für sie ein Akt von Solidarität. Auch bei "Schattenwelt" gab es ein ähnliches Erlebnis. Sie musste und wollte sich für eine Szene die Haare abschneiden. "Das war für mich etwas Besonderes, denn ich kannte mich nur mit langen Haaren. Als mich mein Fahrer, der eine richtige Matte trug, an jenem Morgen abholte, saß er mit kurzen Haaren im Auto und meinte: 'Solidarität'." Als sie ans Set kam, hatten fünf oder sechs weitere Mitarbeiter eine Kurzhaarfrisur. Dies sind für Franziska Petri Geschenke des Lebens.

Sich selbst habe sie komplett neu erlebt: "Mein Körpergefühl war ein anderes, und wie ich gelaufen bin." Die blonde Schauspielerin mit dem märchenhaften Gesicht hat, versteckt unter einem Tuch, noch immer kurze Haare.

Es gab eine weitere herausfordernde Szene, so könnte man es zumindest sehen, wenn man dem Ex-Partner an einem der ersten Drehtage "Ich schlafe gern mit dir" sagen soll. Doch Franziska Petri lacht, die Szene mit Uwe Kockisch machte ihr keine Probleme: "Wir waren zu dem Zeitpunkt drei Jahre getrennt und sind seither gut befreundet. Unsere Vertrautheit hat die Szene leichter gemacht, wir haben gekichert, es war entspannt, eben weil wir uns so gut kennen. Ich hatte eher ein Gefühl von Geborgenheit neben Uwe. Schon lustig, sich nach drei Jahren nackt in einem gemeinsamen Film wiederzufinden."

Die Veränderung ist ein greifbares Gefühl in ihrem Leben. Diese Menschenmassen, die vor 20 Jahren in Leipzig zusammenkamen - "alle in einem Punkt einig und dadurch miteinander verbunden" - beeindruckten sie. Die weitere Entwicklung deprimierte sie eher, führte dazu, dass sie heute "zwar kein unpolitischer Mensch" sei, "aber ich schaue kein Fernsehen, auch Zeitungen lese ich ehrlich gesagt selten. Ich nehme mich aus diesem Informationsstress raus, will nicht ständig auf meine Hilflosigkeit und Ohnmacht hingewiesen werden".

Dabei gehe es ihr nicht darum, dass sie nur ein winziges Rädchen ist

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