Christian legte uns ein Buch vor, das fast schon drehbuchreif war. Meinem Partner Tom Spieß und mir hat es sofort gefallen, und es war klar, dass wir "Hardcover" als echten Zübert produzieren würden. Nach unseren Erfahrungen mit "Lammbock" stellte sich die Frage der Regie also gar nicht erst. Ich selbst hätte "Hardcover" auch nicht so authentisch mit Ecken und Kanten inszenieren können.
teleschau: Wie schwierig ist es für Sie, Ecken und Kanten in Ihre großen Produktionen zu hauen?
Wortmann: Das ist ziemlich schwierig und ist, ehrlich gesagt, auch gar nicht mein Ziel. Mein nächster Film wird eine millionenschwere Romanverfilmung über das Mittelalter: "Die Päpstin" ist kein Film, der unbedingt Ecken und Kanten haben soll.
teleschau: Wann fällt die erste Klappe zur "Päpstin"?
Wortmann: Gerade war ich auf Location-Suche in Ostdeutschland, um schon mal einige schöne Motive zu finden. Wir wollen ja planmäßig im August mit den Dreharbeiten hier vor Ort in Deutschland beginnen und dann im November in den Schneideraum. Mehr weiß ich selber noch nicht.
teleschau: Gibt es in Deutschland mittlerweile eine starke Produktionsindustrie oder hangelt man sich als Produzent noch immer von einem Projekt zum nächsten?
Wortmann: Unsere Firma Little Shark Entertainment ist eher klein strukturiert und soll es auch bleiben. Das ist eine Frage der Philosophie: Wir wollen nur wenige Filme machen, die aber dafür richtig von Anfang bis Ende betreuen. Wenn wir mehr produzieren wollten, bräuchten wir mehr Leute, was wiederum die Firma vergrößern, unübersichtlicher und industrieller machen würde. Wir hatten durch diese Taktik das Glück, dass wir mit einer Ausnahme mit allen unseren Filmen sehr erfolgreich waren und durchschnittlich etwa zwei Millionen Kinozuschauer pro Film verzeichnen konnten.
teleschau: Wieso aber machte ein filmisches Kleinod wie "Der Schatz der weißen Falken" eine Bauchlandung?
Wortmann: Wir wussten natürlich nicht vorher, dass es schiefgehen würde. Ich halte den "Schatz der weißen Falken" noch immer für einen der schönsten Kinderfilme der letzten Jahre. Ausdruck davon ist ja auch die Nominierung für den Bundesfilmpreis. Doch leider gilt offenbar die Regel, dass Kinderfilme nur dann an der Kinokasse funktionieren, wenn sie auf einem anderen Medium beruhen. "Die wilden Kerle" gab es vorher schon als Hörbuch, "Bibi Blocksberg" als Hörspiel, und natürlich beruhen die Erich-Kästner-Verfilmungen alle auf großartigen Buchvorlagen: In diesen außerordentlich erfolgreichen Fällen kennen die Kinogänger, meistens natürlich Familien mit kleinen Kindern, die Geschichte schon und gehen nur deshalb ins Kino, um zu sehen, wie das Bekannte neu umgesetzt wurde
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