Oliver Stokowski: "Man muss sich an kleinen Dingen freuen"
(tsch) Es ist so eine "Sache mit dem Glück". Das erfahren nicht nur die Protagonisten im ZDF-Fernsehfilm der Woche (Mo., 14.04., 20.15 Uhr), die planen, nach Costa Rica auszuwandern. Auch Hauptdarsteller Oliver Stokowski, der unter anderem durch Oliver Hirschbiegels "Das Experiment" und als "Der Ermittler" im Zweiten bekannt wurde, macht sich darüber so seine Gedanken. Das mit dem Auswandern hat er schon ein bisschen probiert: Vor knapp drei Jahren zog er mit der Schauspielerin Nele Rosetz und dem kleinen Sohn Emil nach Zürich, um dort zwei Spielzeiten lang auf der Bühne zu stehen. Doch seit letztem Sommer ist Berlin wieder die Heimat des selbstkritischen 45-Jährigen, in die er nach Dreharbeiten in Norwegen oder im Schwarzwald ("Der Schwarzwaldhof", Fr., 18.04., 20.15 Uhr, ARD) immer wieder gerne zurückkehrt.
teleschau: Herr Stokowski, Sie sind vor gut zwei Jahren selbst in gewisser Weise ausgewandert - nach Zürich. Wie fühlte sich das an?
Oliver Stokowski: Das ist weiß Gott nicht weit, und doch ist

es eine andere Welt. In der Schweiz war ich ein Ausländer. Ich spürte, welche Veränderung es bedeutet, auszuwandern. Und ich merkte, dass ich doch an der Heimat hänge. Ich ging gerne wieder zurück. Anscheinend sind meine Wurzeln doch so stark ... Brasilien, Costa Rica oder Australien - ne, das könnte ich mir nicht vorstellen.
teleschau: Was war so anders an der Schweiz?
Stokowski: Es hatte viel mit der Atmosphäre zu tun. Ich bin dort innerlich nie richtig angekommen, habe mich nie hundertprozentig wohl gefühlt.
teleschau: Gerade drehten sie die norwegische Kinoproduktion "Max Manus" - Können Sie nachvollziehen, warum Skandinavien so ein beliebtes Auswandererziel der Deutschen ist?
Stokowski: Ich traf in meinem Hotel einen Deutschen, der dort eine Fliese im Ba

dezimmer reparierte. Er sagte, ihm ginge es in Norwegen viel besser: Keine Arbeitslosigkeit, er verdient mehr und hat nach wenigen Jahren schon seine Rente sicher. Was er erzählte, hörte sich einfach nur gut an. - Im Gegensatz zu hier: Egal, wann man den Fernseher einschaltet oder die Zeitung liest, man stößt immer nur auf die Problem-Diskussionsrunden zu Themen wie "Unser Schulsystem krankt", "Hartz IV" und "Die Rente" ... Da denkt man sich schon: Kuck mal an, da oben funktioniert's. Dabei ist aber auch diese Abwanderung - zum Beispiel im medizinischen Bereich - gerade ein Problem. In "Hinter dem Spiegel" - einem Film, der Ende des Jahres im ZDF laufen soll - spiele ich jemanden, der eine Gehirnblutung hat. Ich durfte dank einer Ausnahmegenehmigung Zeit auf einer Intensivstation verbri

ngen. Da sprach ich auch viel mit den Pflegern.
teleschau: Und nun können Sie die Emigranten aus dieser Branche noch besser verstehen?
Stokowski: Sie müssen alle wahnsinnig viel arbeiten für wenig Geld - gleichzeitig wurden viele Pflegekräfte in Deutschland entlassen. Wenn man sieht, wie aufwendig Leute betreut werden müssen, die so schwer erkrankt sind, ist es einfach ein Frevel, wo gespart wird. Da gehen natürlich die Leute weg.
teleschau: So wie auch das Paar Micha und Sabine in "Die Sache mit dem Glück" ...
Stokowski: Ja, der Film zeigt auch: Es gehen viele kleine Betriebe ein, und es bleibt letztendlich an dem kleinen Mann hängen. Es ist schon beinahe eineinhalb Jahre her, dass wir diesen Film drehten - aber an der Thematik hat sich überhaupt nichts geändert, im Gegenteil
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