teleschau: Im Film "Zeit zu leben" wollen Ihre kranken Eltern freiwillig aus dem Leben scheiden. Haben Sie eine Haltung dazu?
Maja Maranow: Sterbehilfe ist ein diffiziles ethisches Problem für

unsere Gesellschaft. Ich finde es sehr schwierig, dazu eine wirkliche Haltung zu finden. Es gibt gute Gründe, Sterbehilfe zu befürworten, aber auch einige ebenso verständliche dagegen. In meinem jetzigen Zustand denke ich natürlich, wie vermutlich viele andere, vor allem gesunde Menschen: 'Klar, wenn ich einmal vollständig von Pflege abhängig sein sollte, ohne Hoffnung auf Besserung, dann möchte ich freiwillig aus dem Leben scheiden.' Aber ob ich das in der Nähe des Todes noch genauso sehen würde, kann ich nicht sagen. In einem anderen Zustand würde man auf manche Fragen vielleicht andere Antworten finden.
teleschau: Dürfen Kinder ihren Eltern das Sterben verbieten?
Maja Maranow: Kann man das denn? Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn meine Mutter mit einer ähnlich

en Idee käme. Ich würde natürlich alles versuchen, um sie davon abzubringen. Was grausam ist, im Film wird der Tochter diese Entscheidung als unumstößlich von den Eltern einfach so mitgeteilt. Sie wird vor vollendete Tatsachen gestellt, und ihr bleibt nichts anderes, als die Entscheidung hinzunehmen. Bruder und Schwester empfinden eine große Verlassenheit, was man nachvollziehen kann, auch wenn sie längst erwachsen sind. Die Mutter, die ja nicht todbringend erkrankt ist, entscheidet sich für ihren krebskranken Mann und damit gegen die Kinder.
teleschau: "Zeit zu leben" beginnt mit Sterbehilfe, wandelt sich aber sehr schnell in ein Familiendrama. Ein Film, der vor allem Beziehungskonstellationen innerhalb der Familie analysiert ...
Maja Maranow: Ja, man erfährt im Laufe der

Geschichte Dinge, die in der Abwesenheit der Tochter vorgefallen sind, und immer mehr Details über die Eltern, die auch das ziemlich gestörte Verhältnis zwischen Eltern und Kindern erklären.
teleschau: Womit die Kinder unterschiedlich umgehen. Die Tochter - Ihre Rolle - ist früh von zu Hause fortgegangen und pflegt nur sporadischen Kontakt. Ihr Filmbruder hingegen hat sich das Ganze sein Leben lang aus der Nähe betrachtet. Was ist besser, wenn man die eigene Familie verstehen will: die Innen- oder die Außensicht?
Maja Maranow: Annabelle, die Tochter, ist vor allem deshalb früh fortgegangen, weil sie sich vom Vater nie anerkannt fühlte. Der Vater macht sich in Annabelles Augen verdächtig, und wird, obwohl er sich ausweichend verhält, dennoch nicht wirklich von ihr gestellt - was ich persönlich logisch und gerechtfertigt empfunden hätte
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