Der Koloss aus Kiel: Smokeblow werden größer

(tsch) "Es muss sich immer steigenbergern" prangt als Slogan auf der MySpace-Seite von Smoke Blow. Immer höher hinauf, immer vorwärts, immer lauter. Bis sie irgendwann ganze Stockwerke von Luxusabsteigen mieten werden, um ahnungslose Gäste aus dem Schussfeld unschuldiger Hotelbetten fernzuhalten. Die nächste Welle voll Wüstenpunkrock aus Kiel rollt auf uns zu. "Colossus" ist ein weiterer Schritt, mit dem sich die Jungs um Jack Letten an die Ziellinie des internationalen Erfolges herantasten.

"Verzweiflung, gemischt mit Spaß und kritischem Hintergrund", so bringt der Mann die Attitüde auf den Punkt. Der Mann mit den zwei Namen: "Jack Letten ist eher der Typ von der Straßenecke und Jacques LeTone eher der, der den Prosecco schlürft." Wir entscheiden uns für Letten und wollen Smoke Blow dennoch nicht ausschließlich in der "asseligen" Ecke sehen. "Nö, ich find uns auch nicht so asselig. Das hängt natürlich mit unserem Bühnengebaren zusammen. Wir sind eine Band, die nach vorne geht und die Leute durchaus mal ein bisschen von der Seite anmacht. Das läuft einigen Leuten schräg rein. Aber das ist unsere Art, mit ihnen umzugehen." Nicht beirren lassen, mitgehen, "Colossus" kaufen und damit einen Teil zur Weltherrschaft beitragen, das hilft.

Schnell kann gemerkt werden, dass Smoke Blow fantastische Nummern abliefern. Ohne Firlefanz und "Wir sind anders und neu"-Getue. Wobei man sich gegenüber Alben wie "Dark Angel" oder "German Angst" schon verändert hat: "Ich würde sagen, dass wir uns rein musikalisch noch mehr beschränkt haben. Was eigentlich ungewöhnlich ist. Wir sind zurückgegangen an die Anfänge des englischen oder amerikanischen Hardcore-Punks und haben versucht, die Songs so einfach wie möglich zu stricken, so direkt wie möglich aufzubauen. Wir haben den Fokus noch mehr auf den Gesang, das Lied an sich gelegt."

Die richtige Entscheidung, wie das Echo der Allgemeinheit beweist: "Die Reaktionen sind sehr enthusiastisch. Ich denke, es ist für jeden was dabei. Jeder wird seinen persönlichen Hit herausfiltern. Es gibt nicht den einen Song, der aus allem herausstrahlt, sondern die Platte ist relativ geschlossen. Jeder Song fasst eine andere Stimmung auf. Für eine deutsche Band, gerade aus Kiel, ist das schon irgendwie eine ziemlich große Platte, mit der wohl keiner gerechnet hätte." Wobei die 1997 gegründeten Smoke Blow durchaus ihren Status errungen haben. Zuletzt erwies ihnen Bela B. die Ehre, er gastierte auf "Dark Angel", Smoke Blow traten im Vorprogramm der Ärzte auf. Mal ehrlich, das hat doch bestimmt geholfen. "Mit Sicherheit ein bisschen, aber das hat uns jetzt nicht den riesigen Schritt nach vorne in den Mainstream-Bereich gebracht. Jedes Konzert, ob im Keller vor 150 Leuten, oder in der Sparkassenarena in Kiel vor 10.000 Leuten, bringt was. Alles sind Bausteine in der Karriere eines Musikers." Ein weiser Satz, fast zu alltäglich für Jack Letten.

Also dann, voll rein. Abgehen, Alter. Zu Songs wie "Social Morlock", "Millionaire" oder "Nuclear War"

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