Kinoheld mit rauem Charme: Jean-Paul Belmondo wird am 09. April 75 Jahre alt - und im Ersten mit einer Filmreihe geehrt
(tsch) Jean-Paul Belmondo, dem ruppigen Charakterdarsteller und markigen Actionhelden, wurde zu Beginn seiner großen Filmkarriere eine wahrhaft niederschmetternde Erkenntnis in den Mund gelegt: "Eigentlich bin ich ja ein Schwein. Aber was hilft's. Es muss sein, muss sein", philosophierte "Bébel", wie ihn die Franzosen zärtlich nennen, in der Rolle des Kleinganoven Michel in Jean-Luc Godards "Außer Atem" (1959) - und wurde damit über Nacht zum Weltstar. Äußeren Reizen verdankte er den Ruhm nicht: Mit gebrochener Nase, abstehenden Ohren und wulstigen Lippen ähnelt der Franzose eher einem abgehalfterten Boxer als einem glamourösen Filmstar. Aber Talent, rauer Charme und jede Menge Mut beförderten Belmondo, der am 09. April 75 Jahre alt wird, zum internationalen Star. Zum Geburtstag sendet unter anderem das Erste eine Reihe seiner Filme.
Das Boxer-Image kommt keineswegs von ungefähr: Ab dem 13. Lebensjahr stand Jean-Paul Belmondo regelmäßig im Ring und strebte nach dem Schulabschluss sogar eine Profikarriere an. Zwei Berufskämpfe spät

er nahm er von dem Vorhaben jedoch Abstand und widmete sich ausschließlich der Schauspielerei. Ein logischer Schritt, denn die Kreativität wurde "Bébel" quasi in die Wiege gelegt: Der Vater war ein bekannter Bildhauer, die Mutter eine leidenschaftliche Tänzerin.
Geboren am 9. April 1933 in Neuilly-sur-Seine, bekam Belmondo im Alter von 17 Jahren seine ersten Engagements auf kleineren Wanderbühnen. Im zweiten Anlauf folgte dann der große Wurf: Er wurde am renommierten Pariser "Conservatoire d'art dramatique" angenommen und erhielt eine klassische Bühnenausbildung, die ihm erste Nebenrollen in Filmen verschaffte.
Jean-Paul Belmondo wurde zu einem der herausragenden Protagonisten des neuen französischen Kinos, der "Nouvelle Vague". Mit Godards "Außer Atem" kam

1959 für ihn der große Durchbruch. Blieb der Anfangsmonolog schon haften, so brannten sich die Schlussworte des Gauners Michel in ihrer Schonungslosigkeit endgültig ins kollektive Filmgedächtnis ein: "Du bist wirklich zum Kotzen", gibt der Antiheld seiner Freundin Patricia (Jean Seberg), die ihn bei der Polizei denunzierte, als letzte Botschaft mit - niedergeschossen, sich windend im Dreck. Godards existenzialistisches Debütwerk, eine Hommage an den amerikanischen "Film Noir", öffnete Belmondo auch international alle Türen.
In den 60er-Jahren bewies Belmondo dann seine hohe Wandlungsfähigkeit. Eine Reihe von Nouvelle-Vague-Thrillern und surrealistischen Liebesfilmen, wie Godards Road-Movie "Elf Uhr Nachts" ("Pierrot Le Fou", 1965), gehörten ebenso zu seinem Reper

toire wie Philippe de Brocas Mantel-und-Degen-Klassiker "Cartouche, der Bandit" (1962), der sein Image als Abenteurer prägte. Nach "Borsalino" (1969) mit Alain Delon kehrte er in den 70-ern dann zum meist actiongeladenen Mainstream-Kino zurück und drehte nun vermehrt massentaugliche Krimis und Komödien. In "Der Greifer" (1975) oder "Der Profi" (1981) glänzte er durch spektakuläre Stunts, für die er bewusst auf Doubles verzichtete. Längst hatte er sich vom verletzlichen Antihelden zur Heldenfigur des französischen Kinos schlechthin gewandelt, die nie um einen Ausweg verlegen schien.
Langsam stellten sich ob der immer gleichen Rollenwahl auch Misserfolge an der Kinokasse ein. So zog es den Franzosen nach 30-jähriger Karriere Ende der 80er-Jahre zu seinen Wurzeln am Theater zurück
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