Fest steht, dass der deutsche Import von Halloween während der 90-er klar auf das Konto von Konsum- und Marketingstrategen geht. Vor allem die junge Zielgruppe weist man seitdem jeden Oktober mit ents

prechendem Warenangebot auf die Notwendigkeit "witzigen" Gruselns hin. In den USA wird Halloween stattdessen ernsthafter - um nicht zu sagen gruseliger begangen. Die halbgare Adaption des amerikanischen Brauchs spiegelt sich auch im deutschen TV-Programm. Zu Halloween tischt die Flimmerkiste in Sachen Horror vorwiegend miesen Sequel-Schrott auf. Ein paar echte Klassiker gibt es dennoch zu bezittern.
Geistvolles Gruseln, das gleichermaßen Körper, Seele und Verstand erreicht, ist möglich. Dazu muss man weder zum deutschen expressionistischen Film der Zwanziger noch zu Bela Lugosi zurückkehren. Dass auch 2009 Blut und Fantasie in harmonischer Koexistenz zu leben vermögen, beweisen Veranstaltungen wie das jährlich durch deutsche Großstädte tourende "Fantasy Filmfe

st" oder das im Badeort Sitges vor den Toren Barcelonas stattfindende "Fantastic Film Festival", zu dem auch schon mal Quentin Tarantino anreist.
In Sitges wurde 2008 der großartige schwedische Vampirfilm "So finster die Nacht" ausgezeichnet, der auch in deutschen Programmkinos zu sehen war. TV-Premieren dieses Kalibers sucht man zu Halloween leider vergebens. Lediglich der kleine Privatsender Tele 5 mischt unter seine um Halloween herum platzierte Horror-Strecke unter der Losung "Fürchtet euch nicht" auch eine Erstausstrahlung - David Lynchs "Inland Empire" (So., 15.11., 00.25 Uhr). Pünktlich zu Halloween (Sa., 31.10.) startet die Reihe mit dem etwas müden End-80er-Grusel "Tödliches Versteck" (20.15 Uhr), bevor der kanadische Genreklassiker "Das Grauen" (22.25 Uhr)

von 1980 mit George C. Scott auf dem Programm steht. Insgesamt versendet Tele 5 binnen dreier Wochen 16 Gruselfilme - den roten Faden oder ein stringentes Qualitätsmerkmal sucht man dabei aber vergebens.
Besser macht es die direkte Konkurrenz von Das Vierte. Ihr Horror-Oeuvre bleibt zwar auf die Halloween-Nacht plus die beiden Abende zuvor beschränkt, dafür wird hier fast durchgängig Qualität geboten. Das Vierte startet seinen Gruselreigen mit "Dracula" aus dem Jahr 1958 mit Christopher Lee (Do., 29.10., 20.15 Uhr). Gänsehaut-Klassiker unterschiedlicher Couleur folgen: "American Werewolf in Paris" (Fr., 30.10., 20.15 Uhr), "Blair Witch Project" (Fr., 30.10., 22.10 Uhr, und Sa., 31.10., 20.15 Uhr), "Scream" (Sa., 31.10., 22.00 Uhr)
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