Samuel Finzi: Immer ein bisschen überhöht
Überborden heißt: über das normale Maß hinausgehen, schäumen, ausarten. Das kann Samuel Finzi, auch wenn er zum Zeitpunkt des Interviews mit Streifenhemd, dicker Brille und Schal gar nicht so wirkt. Er ist, letztgenanntes Kleidungsstück verrät es fast, Theaterschauspieler, hauptsächlich in Berlin. Einer der Kritiken bekommt, aus denen man das Berührtsein der Autoren lesen kann. Als Finzi mal einen Kinoausflug machte mit der viel gelobten kleinen Produktion "Wir sagen Du, Schatz!" nahm er den Titel wörtlich und verliebte sich am Set. Nicht das erste Mal, dass es Überschneidungen zwischen der Kunst und seinem Leben gab, sagt er und ist wohl selbst gespannt, was ihm "Flemming" (ab 13.11., freitags, 21.15 Uhr, ZDF) bringen wird. Denn der 41-jährige gebürtige Bulgare spielt fürs ZDF den Kriminalpsychologen gleichen Namens. In der Serienhauptrolle an der Seite von Claudia Michelsen dreht er als Alleswisser auf, erklärt Finten und entlarvt unbedachte verräterische Bewegungen. Außerdem ist da noch die Sache mit dem Don-Juan-Syndrom.
teleschau: Sie sind ja eine Waffe, was Frauen angeht. Kann man das spielen?
Samuel Finzi: Nein. (lacht) Ich weiß nicht, ob man das spielen kann. Wobei ich ja eher der Täter mit der Waffe bin, u

m im Bild zu bleiben. Jetzt will ich nicht sagen, dass ich wahnsinnig charmant bin ...
teleschau: Aber?
Finzi: Vielleicht habe ich mich bemüht, die Tricks, die es ja gibt, um Frauen - oder auch Männer - zu beeindrucken, zu unterstreichen. Der Rest ist meine Persönlichkeit (lacht wieder).
teleschau: Flemming nutzt seine Fähigkeiten beruflich wie privat schamlos aus. Wie finden Sie denn das?
Finzi: Tun wir das nicht alle? Wir verfügen nur über uns selbst und wollen etwas erreichen. Deswegen bewegen wir uns, innerhalb gewisser Grenzen von Moral, mit dem Ethos, das jeder hat. Flemming betrachtet die Schuldigen als Patienten und will ihnen helfen. Er hält sich nicht für Gott, aber er hat ein gewisses Ego, weswegen er glaubt, alles heilen zu können. Außerdem findet er, dass

er oft recht hat.
teleschau: Kennen Sie das Gefühl?
Finzi: Ja, kenne ich. Ich bin Schauspieler und sag es mal so: Eine vernünftige Dosis Selbstbewusstsein stört nicht bei dem Beruf. Er besteht aus nichts, wir leben von der Behauptung, die sich in Wirklichkeit wandelt. Dazu trägt Selbstbewusstsein bei.
teleschau: Sie sind ein Mensch, der gerne mit Regisseuren zusammenarbeitet, die Ihnen Freiheit lassen.
Finzi: Das stimmt. Auf Theaterbühnen entstehen Dinge, von denen weder der Schauspieler noch der Regisseur wusste, dass sie passieren würden. Zwei Meinungen treffen aufeinander, eine Situation, in der der Schauspieler, so behaupte ich, mehr weiß als der Regisseur: Dieses Entdecken, das Erfinden, ist das Schönste überhaupt.
teleschau: Kann das auch mal Angst mac

hen?
Finzi: Ja. Manchmal überschreite ich beim Spielen Grenzen. Es ist mir schon passiert, dass ich nicht wusste, ob ich zurückkommen kann. Das klingt jetzt ein bisschen pathetisch, natürlich kommt man zurück. Aber manchmal packt mich so eine Geschwindigkeit, ein Wahn, in den ich mich selbst reinreite. Im Theater treffe ich die Entscheidung.
teleschau: Das ist vor der Kamera anders.
Finzi: Beim Film bin ich sehr abhängig von den Umständen, mein Material wird bearbeitet. Es fallen Entscheidungen über die Figur, ob in der Redaktion oder im Schnitt. Da hört meine Freiheit auf.
teleschau: Was dann sicher auch zu Enttäuschungen führt.
Finzi: Ja, wenn ich mir denke: Das habe ich so gut gespielt
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