teleschau: Frau May, wie groß ist denn die Wehmut über Ihr Aus beim "Polizeiruf 110"?
Michaela May: Die Entscheidung, dass Edgar Selge und ich aufhören werden, liegt jetzt schon zwei Jahre zurü

ck. Mittlerweile bin ich dem Edgar auch dankbar. Ich wäre sicher nicht auf die Idee gekommen, das von mir aus zu beenden. Ich gebe ihm aber Recht, man muss aufhören, wenn es am schönsten ist. Es ist ein warmes Gefühl, vom Publikum vermisst zu werden. Das ist doch besser, als wenn die Fans sagen: Was, Ihr macht das immer noch?
teleschau: Was hat für Sie den besonderen Reiz der Reihe ausgemacht?
Michaela May: Es waren immer besonders tief gehende Fälle und sehr gute Drehbücher. Die Entwicklung der Drehbücher bis zum ersten Drehtag hin war eine große gemeinsame Arbeit. Die Redaktion hat dabei immer sehr interessante Fälle aufgegriffen. Wir Schauspieler durften häufig früh mit eingreifen.
teleschau: Es war zu hören, dass die Drehbücher häufig noch kurz vor Beginn umgearbeitet wu

rden, um aktuell zu sein.
Michaela May: Dadurch, dass wir beide oft einbezogen worden, konnten wir immer wieder noch etwas anmerken, was dann manchmal auch berücksichtigt wurde. In den letzten Fällen war allerdings die Tauber-Figur die emotionalere, meine eher die stabile Figur, die dagegenhält. Da waren dann für mich nicht mehr so viele Veränderungen möglich.
teleschau: Hatten Sie Lieblingsepisoden unter den 17 gemeinsam gelösten Fällen?
Michaela May: Ich habe eine besonders gemocht: "Die Prüfung". Und auch die, die mein jetziger Mann, Bernd Schadewald, gemacht hat: "Vater unser". Das war ein hochinteressanter Fall, der sich mit der Nazi-Vergangenheit beschäftigte. Leider wurde er bislang noch nie wiederholt.
teleschau: Bei den Dreharbeiten haben Sie sich ja auch ken

nengelernt. Wie funktioniert so etwas auf einem so hektischen Set?
Michaela May: Über allzu Privates möchte ich nicht sprechen. Nur so viel: Alle hatten mir gesagt, er wäre ein guter Regisseur, aber eben sehr schwierig. In Wirklichkeit war es überhaupt nicht schwierig mit ihm.
teleschau: Was hat für Sie einen guten "Polizeiruf 110" ausgemacht?
Michaela May: Ich habe immer die Fälle bevorzugt, in denen ich auch emotional hineingezogen wurde - etwa als Mutter. Das war in den letzten drei bis vier Fällen nicht mehr so stark. Da musste ich mehr den Widerpart von Tauber spielen.
teleschau: War das eine mühsame Aufgabe für Sie, immer als die Bodenständige gegen so einen eher sperrigen Charakter antreten zu müssen?
Michaela May: So einschichtig kann man das nicht sehen
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