Erfolgsgeiler Bullterrier: Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein versucht sich bei kabel eins als "Der Immobilienfürst" (ab 24.11., dienstags

Wer das zweifelhafte Vergnügen hat, unter der Woche nachmittags fernsehen zu können, weiß es: Reality-TV ist weiter vehement auf dem Vormarsch und treibt von soapartigen Sendungen wie "We are Family" (ProSieben) und "Verdachtsfälle" (RTL) bis zu den Gerichtsshows bei SAT.1 ungeahnte Blüten. Schade ist: Die immer unsäglicher werdenden Bodenlosigkeiten, die sich die Sender mit Hartz-IV-Empfängern und miesen Laiendarstellern erlauben, trüben den Blick auf ein Fernsehgenre, das mit Leuchtturmformaten der Marke "Super Nanny" (RTL) eigentlich schon viel Gutes und Sinnvolles auf den Bildschirm gebracht hat. Auch kabel eins bemüht sich im Geschäft mit echten Menschen und wahrem Leben immer wieder um Anspruch und Innovation. Am Dienstag, 24. November, starten die Münchner einen weiteren Versuch, dem vermeintlich verbrauchten Dokutainment-Genre neue Facetten abzugewinnen. Highlight des neuen Dokuabends ist ein echtes Schwergewicht - demnächst gewiss allseits bekannt als "Der Immobilienfürst".

Nein, hier geht es einmal nicht um Wohnungssuchende und umzugswillige Hauskäufer, die Sendung funktioniert genau andersrum: Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein (55) bringt (immer dienstags, 21.15 Uhr) "Problemimmobilien" schnellstmöglich an den Mann. Ein unkonventioneller Typ der Marke "großer Zampano", der mit forscher Ansprache und manchmal etwas skurril anmutenden Methoden manchen schwierigen Fall anpackt. Sein Motto: "Wer nicht trommelt, wird nicht gehört." Wer's lieber kleinlaut mag, ist also falsch bei diesem durchaus großspurigen Charakterkopf, der über sich selbst Folgendes zu Protokoll gibt: "Ich bin ein Bullterrier, ich beiße mich fest und lasse nicht mehr locker. Zudem bin ich ein fast schon psychopathischer Perfektionist, dabei extrem ergebnisorientiert und erfolgsgeil."

Klar, auch hier wird zunächst der Voyeurismus bedient. Schließlich bricht der Makler wie das Jüngste Gericht in die Welt seiner arglosen Klienten ein, wettert unverblümt über "desolate Zustände" und bezichtigt manchen überforderten Hausbesitzer in harschen Worten gar der Faulheit. Doch so, wie der auf Mallorca lebende Fürst dann nach Auswegen sucht und Lösungen aufzeigt, hat das Ganze auch etwas von einem gut gemachten Coachingformat, dessen Intention über den Schauwert hinaus geht. Das konstruktive Element überwiegt am Ende.

Allerdings stöhnt der Motivator, Auktionator, Immobilienfachmann und schmerzfreie Zeremonienmeister auch über seinen neuen Job: "Dass die Dächer so lichterloh brennen, war mir nicht klar." Sayn-Wittgenstein aber weiß: "Viele dieser Menschen sind unverschuldet in eine Notlage geraten, etwa indem sie vom verstorbenen Vater Schulden oder eine belastete Immobilie geerbt haben." Für sie holt er raus, was rauszuholen ist: Für 45.000 Euro geht ein Fachwerkhaus im Sauerland bei einer vom Immobilienfürsten selbst pfiffig organisierten Auktion weg ... Die Besitzer hatten sich zwar deutlich mehr erhofft, aber der Boden der Tatsachen wird in der neuen Reality-Sendung nicht verlassen. Das Haus war weitgehend sanierungsbedürftig und konnte überhaupt erst nach einer Entrümpelungsaktion mithilfe der Freiwilligen Feuerwehr halbwegs vernünftig angepriesen werden. Luftschlösser haben in Sayn-Wittgensteins Immo-Welt keine Chance, und das ist gut so.

Als kabel eins auf ihn zukam, habe er sich "gebauchpinselt" gefühlt, bekennt Fürst Sayn-Wittgenstein, der sonst millionenschwere Immobilien auf Mallorca vercheckt. Nichts anderes hätte man vom selbstbewussten Autor ("Der Millionenhammer") auch erwartet

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