"Mit diesem Programm ist der ARD gelungen, die Weihnachtsbefindlichkeit der Deutschen exakt abzubilden", analysiert Andreas Reinhard, zuständiger Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Die zuvor den Dri

tten Programmen überlassene weihnachtliche Pflege nostalgischer Gefühle, pflichtet ihm eine Kollegin bei, habe es wieder ins Erste geschafft - das Publikum hat abgestimmt. Der Mensch zum Krippenfest ist eben ein konservativer. In der Tat ist es out, sich über Weihnachten lustig zu machen. Derlei Schandmaulerei gehört ins ironische Jahrzehnt der Neunziger. Willkommen zurück im Schoß der Tradition - so in etwa dürfte das Fazit der nachmittäglichen ARD-Weihnachtsprogrammierung 2008 ausfallen.
Klar, dass 2009 eine neue Staffel folgt. Die Weihnachtsfeiertage stehen sogar im Zeichen märchenhafter Blockprogrammierung. Der erste Feiertag wartet mit "Schneewittchen" (14.45 Uhr), "Rapunzel" (15.45 Uhr) und "Der gestiefelte Kater" (16.45 Uhr) auf, während am

26.12. "Dornröschen" (14.45 Uhr), "Die Gänsemagd" (15.45 Uhr) und "Rumpelstilzchen" (16.45 Uhr) an den Zuschauer herantreten. Einen Nachklapp gibt es am 2. Januar mit "Die Bremer Stadtmusikanten" (15.30 Uhr) und "Die kluge Bauerntochter" (16.30 Uhr). Doch soll das kindliche Publikum die Märchen tatsächlich "en bloc" weghauen?
Andreas Reinhard vom BR hätte nichts dagegen: "Kinder von heute sind die Märchen von Harry Potter gewohnt. Und der macht es selten unter zweieinhalb Stunden." Dies klingt ARD-Programmdirektor Volker Herres pädagogisch dann doch etwas zu gewagt. Deshalb fügt er rasch hinzu: "Die längeren Märchenstrecken rund um die Feiertage sollen die Atmosphäre der Zeit spiegeln. Wir machen ein Familienprogramm. Damit ist keineswegs gefordert

oder erwartet, dass alle mindestens drei Stunden vor dem Bildschirm ausharren. Jede Familie hat an Weihnachten schließlich ihr eigenes Timing und vielleicht auch ihr persönliches Lieblingsmärchen."
Ohnehin werden die zusammen mit den Produktionen des letzten Jahres 14 neuen ARD-Märchen bald zu den am häufigsten wiederholten Filmen im deutschen Fernsehen zählen. Märchen kann und soll man immer wieder erzählen. Kinder im Märchenalter fordern die Wiederholung als solche geradezu, zudem wird die Zielgruppe innerhalb weniger Jahre komplett ausgetauscht, und mit dem KiKa gibt es sogar einen eigenen Sender fürs Powerplay.
Bekannte Stars rissen sich wie auch im vergangenen Jahr um die archaischen Rollen: Sonja Kirchberger oder Jörg Schüttauf als böse Stiefmutter respektive Narr in "Schneewittchen" (BR)
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