Das Tragische daran ist, dass dieses Auftanken vielleicht zwei, drei Minuten anhält, aber dann ist es auch wieder weg. Aber für eine kurze Zeit stehe ich über diesem Menschen und bin ein bisschen wie Gott. Denn ich entscheide, ob ich nochmal zutrete oder nicht.
teleschau: Wie viel Zeit verbrachten Sie mit den Jugendlichen, mit denen Sie fürs Fernsehen gearbeitet haben?
Lück: Im Schnitt sind das vier bis fünf Tage, dann aber von morgens bis abends, teilweise sogar inklusive der Nächte. Das ist ein sehr straff geführtes Coaching.
teleschau: Denken Sie, dass diese Zeit ausreicht, um etwas zu bewirken?
Lück: Definitiv. Es ist schon fast unglaublich, wie viel sich bei den Jugendlichen, mit denen wir bis jetzt gedreht haben, getan hat. Wir haben im Vorfeld sehr viel Arbeit reingesteckt und viel recherchiert, sodass ich die einzelnen Übungen sehr punktgenau setzen kann. Dass es so gut funktionieren wird, hätte ich im Vorfeld aber nicht gedacht.
teleschau: Das setzt aber auch voraus, dass die Jugendlichen sich auf Sie einlassen und mitarbeiten ...
Lück: Ich habe höchste Achtung vor denen, die bisher mitgemacht haben. Sie sind wirklich über Grenzen gegangen und haben Hürden genommen, die vorher undenkbar gewesen wären. Klar kommt auch mal der ein oder andere kleine Rückfall vor, das gehört dazu. Man kann sich nicht plötzlich um 180 Grad drehen und nie wieder in die Gefahr kommen, aggressiv zu reagieren. Aber ich denke, es ist ganz wichtig, dass man den Jugendlichen den Weg ebnet und sie dahin bringt, weiterzumachen und sich weiter betreuen zu lassen. Wir sorgen auch dafür, dass sie in gute Hände kommen und eine anschließende therapeutische oder pädagogische Begleitung haben.
teleschau: Welche Methoden wenden Sie bei ihrem Coaching an?
Lück: Wir schauen, wo die Gewalt herkommt. Dazu arbeite ich viel mit Psychodrama-Techniken. Dabei übernehme ich Rollen und provoziere auch, diese Methode ist sehr konfrontativ. Angenommen, es gibt einen Konflikt mit dem Vater, eine große Verletzung, die ganz tief drinsteckt. Dann übernehme ich aus einem Moment heraus plötzlich diese Vaterrolle. In dieser Rolle bin ich sehr hart und unter Umständen sehr böse, aber es wirkt ungemein.
teleschau: Haben Sie Angst, dass eine Situation mal eskaliert?
Lück: Nein, mir ist bisher noch nie etwas passiert. Ich denke, ich bin zu sehr Vertrauter und Respektsperson für die Jugendlichen.
teleschau: Bekommen Sie schnell ihren Respekt?
Lück: Ja, aber auch nur deshalb, weil ich auch sie respektiere
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