Wenn man die Sendung sieht, wird man staunen, wie man junge Erwachsene durch Zuneigung, aber auch durch wohlwollende Härte für sich gewinnen kann. Die Jugendlichen werden in keiner Art und Weise vorgeführt. Auf der einen Seite wird Verständnis geschaffen, warum jemand so werden kann. Auf der anderen Seite wird aber auch daran gearbeitet, den alten Weg zu verlassen und einen neuen zu beschreiten, was wirklich harte Arbeit ist.
teleschau: Werden die Jugendlichen nach dem Projekt weiterhin betreut?
Lück: Ja, das ist mir auch ganz wichtig. Die Jugendlichen liegen mir am Herzen, deshalb habe ich mit jedem noch Kontakt, wir telefonieren regelmäßig. Das war für mich auch Voraussetzung, ein solches Format zu machen. Ich wollte sicher gehen, dass sie danach nicht in ein Loch fallen. Wir bringen in kurzer Zeit so viel in Bewegung, es wird so viel Vertrauen aufgebaut, das die Jugendlichen lange niemandem mehr gegeben haben und das auf keinen Fall missbraucht werden darf. Sie müssen merken, dass auch danach noch jemand für sie da ist.
teleschau: Fanden Sie schnell junge Menschen, die bereit waren, so öffentlich mit Ihnen zu arbeiten?
Lück: Es war schwierig, weil das Thema Gewalt so präsent ist. Sich zu offenbaren und auf so ein Format einzulassen, kostet viel Überwindung. Nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für das ganze Umfeld, das ja mit einbezogen werden muss. Die große Schwierigkeit ist, wirklich alle mit ins Boot zu bekommen, vor allem, wenn eben deutlich wird, dass auch die Eltern Fehler gemacht haben oder nicht das geben konnten, was notwendig gewesen wäre. Die Eltern müssen sich auch der Situation stellen. Das so öffentlich zu tun, fällt natürlich sehr schwer.
teleschau: Wie konnten Sie die Eltern schließlich doch dazu bewegen?
Lück: Ich gehe in meiner Arbeit sehr behutsam vor. Ich will niemandem die Schuld geben, Schuld ist sowieso ein ganz schlimmes Wort. Das ist Kritikkultur pur. Ich arbeite hingegen mit sehr viel Lobkultur. Das fehlt in unserer Gesellschaft. Kritisiert wird überall, man muss auch Lob verteilen können.
teleschau: Den Jugendlichen muss also vermittelt werden, dass sie etwas wert sind ...
Lück: Ganz genau. Sie tun zum Teil anderen weh, weil sie so einen geringen Selbstwert haben. Wenn ich jemandem in die Fresse schlage, habe ich einen kurzweiligen Kick und ein Machtgefühl. Ich entziehe meinem Opfer für einen kurzen Augenblick fast all sein Selbstwertgefühl und kann mich daran auftanken
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