Zeit für die Lobkultur: "Jugendcoach Oliver Lück" arbeitet mit gewaltbereiten Problem-Kids (ab 15.6., montags, 21.15 Uhr, Sat.1)

Sat.1 geht in die pädagogische Offensive. Der Privatsender schickt "Die Superlehrer" (ab 15.6., montags, 20.15 Uhr) und "Jugendcoach Oliver Lück" (21.15 Uhr) auf die Mission, Problem-Kids auf den richtigen Weg zurückzuführen. Das scheint besser zu funktionieren, als erwartet. Zumindest Oliver Lück ist begeistert von der Mitmachbereitschaft der jungen Erwachsenen und dem positiven Ergebnis seiner Arbeit. Was er von pädagogischen Fernsehformaten hält und wie er mit gewaltbereiten Jugendlichen arbeitet, erzählt der Diplom-Sozialpädagoge im Interview.

teleschau: Herr Lück, braucht Deutschland pädagogisches Fernsehen?

Oliver Lück: Ich denke, Deutschland braucht auf jeden Fall vor allem gut gemachtes pädagogisches Fernsehen. Das heißt, eines, das echt, das real ist und gute Informationen darüber beinhaltet, wie man mit bestimmten Dingen umgehen kann. Genau das liefern wir.

teleschau: Warum sind solche Formate derzeit so gefragt?

Lück: Die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen und jungen Erwachsenen steigt seit Jahren, genau wie die Zahl der Körperverletzungsdelikte. Ich denke, dass es für viele Menschen interessant ist, zu sehen, wie man mit Gewalt umgehen kann. Viele fragen sich: Wie entsteht diese hohe Aggression und Gewaltbereitschaft? Wo kommt sie her?

teleschau: Welche Gründe sehen Sie für die steigende Gewaltbereitschaft?

Lück: Ganz ehrlich? Ich denke, das ist ein Gesellschaftsproblem. Viele Kinder und Jugendliche bekommen zu wenig Aufmerksamkeit im Elternhaus. Es mangelt an Durchsetzungsvermögen, an Regeln, an Normen und Werten, die von den Eltern vermittelt werden. Das Problem setzt sich dann fort im Kindergarten und der Schule, wo Pädagogen teilweise überfordert sind, die Fehler oder Versäumnisse der Eltern auszubügeln. Viele stecken da den Kopf in den Sand.

teleschau: Wird zu oft einfach weggesehen?

Lück: Wenn ein Jugendlicher auf der Straße oder in der U-Bahn durch seine Körpersprache oder Kleidung eine gewaltbereite Haltung ausstrahlt, dann schaut doch jeder weg. Da greift heutzutage kein Mensch mehr ein, weil jeder Schiss hat. Wenn ich als junger Mensch lerne, dass ich mit so einer Haltung gut durchkomme, dann wähle ich das als Strategie. Die Jugendlichen denken, dass sie mit Gewalt viel erreichen können, zumindest für eine gewisse Zeit. Gewalt ist ganz direkt und unkompliziert. Über ein solches Handeln kann man ganz schnell soziale Kontrolle bekommen.

teleschau: Denken Sie, härtere Jugendstrafen würden zur Abschreckung dienen?

Lück: Definitiv nicht. Die derzeitige Gesetzgebung reicht absolut aus. Wir brauchen keine härteren Gesetze, viel wichtiger wäre eine schnellere Verurteilung. Wenn ein Jugendlicher eine Straftat begangen hat und erst nach 14 Monaten die Verhandlung stattfindet, weiß er doch gar nicht mehr, was er damals angestellt hat. Es müsste viel mehr pädagogisch mit den Jugendlichen gearbeitet werden. Doch dafür fehlt oft das Geld.

teleschau: Werden die Jugendlichen durch ihre Präsentation im Fernsehen nicht vor allem stigmatisiert?

Lück: Nein, ganz im Gegenteil

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