Kraume schuf eine Gesamtkomposition, die es so noch nicht gab: Er schickte Musiker zweier deutscher Bands, nämlich Tomte und Kettcar, auf eine kleine Tour. Als Sänger stellte er Jürgen Vogel ans Mikro

. Florian Lukas will als aufstrebender Filmemacher ein Portrait der - neu geschaffenen - Hansen Band drehen und bemerkt dabei, dass sein Bruder (Vogel) und seine Freundin (Heike Makatsch) in einem sehr speziellen, beunruhigenden Verhältnis zueinanderstehen.
Der Regisseur hatte im Vorfeld ein loses Drehbuch zu der Konstellation, in der eine Frau zwischen zwei Männern steht, geschrieben. Vier Wochen tourten dann alle Beteiligten durch Deutschland. Täglich besprachen der Filmemacher und seine Darsteller in Einzelgesprächen, wie sich die einzelnen Charaktere weiterentwickeln werden. Die Akteure hatten zwar ihre Meinung, mussten aber dennoch stetig improvisieren. Sie wussten ja nicht, wie sich ihr Gegenüber verhalten würde.
"Es wurde schon eine Art Psycho-Camp", erinnert sich He

ike Makatsch. "Da waren echte Schmerzen." Realität und Film seien mit der Zeit immer mal wieder verschmolzen, Auseinandersetzungen gingen weiter, obwohl die Kamera aus war. Nicht, dass sich jeder selbst gespielt hätte. Heike Makatsch ist nicht jene Ellen im Film, darauf legt sie Wert. "Aber ich spiele sie ... verstehend. Sie wird gespeist von mir. Sie hat sich quasi meiner bemannt." So sehr, dass die Darstellerin, inzwischen junge Mutter, ein halbes Jahr nach Drehende ein außergewöhnliches Angebot annahm. Wie der Film heißt auch eine Art Tagebuch, das sie später veröffentlichte und in dem sie sich noch einmal hineinversetzte in die Zeit des Drehs und ihre Rolle.
"Keine Lieder über Liebe" ist brutal, steckt voller Widersprüche und Missverständnisse. Die Beteiligten drängen sich in

die Enge, die Kamera fängt verbotene Posen ein, entschleiert Dinge, die zu verstecken versucht wurden. So entwickelt sich dieser im besten Sinne neue deutsche Film optisch zu einer Entdeckungsreise, atmosphärisch zu einem realistischen Abbild vom Bandleben auf Tour und gefühlsmäßig zu einem sehr schmerzhaften Strip.
Fortgesetzt wird die "Real Fiction"-Reihe mit dem ebenfalls experimentellen RAF-Drama "Happiness Is a Warm Gun" (Regie: Thomas Imbach) am Montag, 29. Juni, 0.00 Uhr.
Ausstrahlung am 22.06.2009 um 00:35 Uhr auf ZDF
Autor: Tom Ruder/teleschau - der mediendienst
Bilder:
ZDF und Hedi Lusser
ZDF und Joachim Gern
ZDF und Sonja Rom
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