Kristiane Backer: Eine echte Europäerin

Sie war die erste deutsche MTV-Moderatorin, eine Ikone des Musikfernsehens in seinen besten Jahren und fraglos selbst so etwas wie ein Popstar. Doch Mitte der 90er-Jahre wurde es still um Kristiane Backer. Nun erscheint ein Buch der zwischenzeitlich zum Islam konvertierten Wahl-Londonerin. "Von MTV nach Mekka - Wie der Islam mein Leben änderte" (List-Verlag) soll als persönlicher Beitrag zum Dialog der Religionen verstanden werden. Im Interview erzählt die 43-jährige TV-Journalistin und Heilpraktikerin ihre spannende Geschichte, verrät, warum sie sich so sehr über den neuen Moderationsjob beim Spartensender Travel Channel Deutschland (seit 25. Mai via Eutelsat Kabelkiosk on air) freut und sagt, was sie vom deutschen Fernsehen hält.

teleschau: Frau Backer, wo steckten Sie in den letzten eineinhalb Jahrzehnten nur?

Kristiane Backer: (lacht) Na, in London!

teleschau: Schauen Sie noch MTV?

Backer: Nein. Höchstens beim Sport im Fitnessstudio. Aber ich bin auch nicht die Zielgruppe. Ich habe noch Kontakt zu vielen Stars und einigen ehemaligen MTV-Leuten ... Die aber auch alle nicht mehr MTV gucken (lacht).

teleschau: Blieben Sie Ihrem Beruf als Moderatorin und Journalistin treu?

Backer: Ja, von 1996 bis 1998 hatte ich zum Beispiel eine Kultursendung bei NBC Europe, wo ich Musiker, aber auch Filmregisseure, und Schauspieler interviewte. Ich traf auf viele faszinierende Menschen, wie den Dirigenten Yehudi Menuhin oder Placido Domingo. Danach moderierte ich internationale Charity-Veranstaltungen. Hier in London studierte ich vier Jahre Naturmedizin, bin ausgebildete Heilpraktikerin. Einige der Popstars, die ich früher bei MTV interviewte, versorge ich heute mit Blütentinkturen (lacht). Durch meine Zweisprachigkeit bin ich auf der ganzen Welt bei Galas und Kongressen als Moderatorin gefragt, und nun sehen mich die deutschen Zuschauer auf dem Travel Channel wieder.

teleschau: Sie veröffentlichten eben Ihr Buch "Von MTV nach Mekka - Wie der Islam mein Leben änderte". Sie konvertierten bereits 1995 ...

Backer: Inzwischen war ich in Mekka und setzte mich tief genug mit der Religion auseinander, um darüber schreiben zu können. Ich würde mich freuen, wenn ich mit meinem Buch einen kleinen Beitrag zum Dialog der Kulturen und Religionen leisten könnte. Es ist so wichtig, Brücken zu bauen.

teleschau: Was geschah 1995?

Backer: Ich sage es mal so: Ich entdeckte meine spirituelle Seite, und sie wird seither genährt. Aber die Veränderung passierte langsam. Das ist ja ein Prozess, der im Herzen stattfindet. Wenn Sie am Steuer eines Kreuzfahrschiffes drehen, dann ändert es die Richtung auch nur ganz allmählich, um dann aber stetig in eine neue Richtung zu fahren.

teleschau: Wie erfuhren Sie selbst diesen Prozess?

Backer: Ich erfahre ihn immer noch. Er umfasst alle Bereiche des Lebens. Die Religion zu leben, bedeutet, sich selbst ständig zu reflektieren, sich als Mensch zu verbessern. Es ist eine Art Charaktererziehung. - Islam heißt viel mehr als fünfmal am Tag beten.

teleschau: Was war denn der Schlüsselmoment, der Sie damals bewog, am Steuerrad zu drehen?

Backer: Das war ebenfalls ein Prozess. Ich kam über die Liebe zur Religion, fand in der Religion die Liebe zu Gott und die hielt (lacht)

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