Sind Gefühlswallungen nicht immer ein Zeichen der Seele, dass etwas getan werden sollte?
Behrendt: Ob man heftigen Gefühlsimpulsen nachgeben oder sie noch einmal hinterfragen, sich rational dagegen zur Wehr setzen soll, kann man natürlich nicht pauschal beantworten. Ich schätze jedoch die großen Gefühle und finde, man sollte sie ernst nehmen. Ich selbst sehe mich als gefühlsgesteuerten Menschen. Ich entscheide viel aus dem Bauch heraus.
teleschau: Als Kölner "Tatort"- Kommissar sind Sie eher bindungsscheu. Auch in Ihren anderen Rollen standen eher andere Aspekte als Ihre romantische Seite im Vordergrund. Warum hat man Sie bisher fast nie als Liebhaber gesehen?
Behrendt: Bei den meisten meiner Fernsehspiele standen in der Tat sozialkritische Themen im Vordergrund. Oder anders formuliert, man hat mich für schwere Themen besetzt. Sei es das Thema Alzheimer, Pädophilie oder ein spätes schwules Outing in der Familie - da hat man an mich gedacht, was ja auch toll ist. Warum ich nicht öfter in klassischen Liebesfilmen zu sehen war? Das ist immer eine Frage der Besetzung. In welcher Hinsicht man den Produzenten geeignet erscheint. Offensichtlich sah mich kaum jemand als Lover par excellence (lacht).
teleschau: Hatten Sie keine Angst vor dem Sendeplatz Ihres Liebesfilms? Freitags, 20.15 Uhr, im Ersten, das ist ja Schmonzettenzeit ...
Behrendt: Mag sein, dass dort viel Seichtes läuft. Jetzt habe ich eben auch mal einen Liebesfilm gemacht. Auch unser Film spielt mit dieser Ästhetik und hat einen Hauch von Schmonzette - da muss man auch mal ehrlich sein und die Kirche im Dorf lassen. Aber ich habe bestimmt keine Angst vor bestimmten Sendeplätzen.
teleschau: Im Gegensatz zu anderen "Tatort"-Kommissaren sieht man Sie auch in sehr vielen anderen, unterschiedlichen Rollen. Kollegen wie Ulrike Folkerts haben hingegen Probleme, gute Rollen abseits des Kommissars-Jobs zu ergattern. Woher kommt so etwas?
Behrendt: Für Ulrike Folkerts tut mir das sehr leid, denn sie ist eine hervorragende Schauspielerin. Ich könnte mir vorstellen, dass einige Fernsehproduzenten mit dem Outing ihres Privatlebens nicht umgehen können. Vielleicht glauben sie, dass der Zuschauer es nicht schafft, zwischen Figur und Schauspielerin zu trennen. Woher es kommt, dass ich zweigleisig fahre? Da muss man sehr hinterher sein. Ich bin in erster Linie Schauspieler und kein Kommissar. Wir haben in Deutschland sehr gute Autoren, tolle Regisseure, Schauspieler, Kameraleute
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