Ich finde, man muss so etwas machen, und nicht einfach vorneweg sagen: "Das kann doch nichts werden, so eine Balance zwischen Unterhaltung und Information ..." Das sagen ja viele. Man muss neue Formen ausprobieren und lernen! Außerdem wollte ich auch sehen: Wer kommt? Womit kommen die? Wollen die was völlig anderes, als die Parteien anbieten, orientieren sie sich an der Regierung? Nah an der Praxis? Und dann war ich neugierig auf die Mitjuroren, diese beiden Fernsehstars. Und es war sehr freundschaftlich. Hat mir großen Spaß gemacht!
teleschau: Hatten Sie als Jury-Mitglieder eine bestimmte Rollenverteilung?
Scherf: Günther Jauch war unser Sprecher, Anke war die Emotionale, die immer sehr direkt und persönlich die Leute ansprach. Ich war derjenige, der auch Fachfragen stellte. Eine kleine Aufgabenteilung gab es also, aber das war nicht ausschlaggebend. Wir verstanden uns sehr gut, hatten Lust, uns gegenseitig zu korrigieren. Die Kandidaten hatten keine schweigende Jury vor sich, die am Ende den Daumen hoch oder runter hielt, sie konnten mit uns reden. Wenn wir unsere Entscheidung dann begründeten, jeder einzeln, argumentierten manche noch einmal (lacht). Einer schaffte es dabei auch, Anke und Günther umzustimmen.
teleschau: Was für Menschen haben Sie beim Vorentscheid kennengelernt?
Scherf: Das waren zum großen Teil sehr junge Leute, die natürlich noch nicht lebenslange Erfahrung haben, aber alle tun etwas außerhalb ihrer Ausbildung und ihres Berufes. Das hat mir große Freude bereitet. Wir konzentrierten uns auf sechs Leute, die im Kopf haben, dass sie Politik nicht alleine gegen den Rest der Welt machen. Die sich schon Gedanken über erste Schritte machten und sich einlassen auf das, was wir vorfinden.
teleschau: Haben Sie tatsächlich echte Nachwuchs-Politiker gefunden?
Scherf: Ja, wir sind überzeugt davon, dass uns mehrere in den nächsten zehn oder 20 Jahren in der politischen Arena wieder begegnen werden. Alle sechs Finalisten sind ungewöhnliche Menschen. Quer durch Deutschland, quer durch alle Fraktionen und Parteien lernte ich erstaunliche Menschen kennen, die sich hoch motiviert in politische Aufgaben und Konflikte hineindenken. Sie sind überhaupt nicht verlegen um eine Antwort, wenn man sie fragt: "Habt Ihr eine Idee für Deutschland"? Sie haben kein Problem mit freier, öffentlicher Rede und sind jetzt schon überzeugungsstark.
teleschau: Wie kann so ein Format Ihrer Meinung nach dazu beitragen, mehr für Politik zu begeistern?
Scherf: Es ist ein wunderbarer konstruktiver Ansatz hinter dieser Sendung: Das Positive verstärken und die Larmoyanten außen vor lassen
1
·
2
·
3
·
4