Das ist mühselig für jemanden, der Regierungsarbeit vertritt. Dann kommt noch dazu, dass es inzwischen nicht nur um Kommunen, Länder und Bund geht, sondern auch um Europa. Nun kommt noch die Weltwirtschaft ins Spiel ... Das ist alles reichlich viel. Man muss auf fünf Ebenen denken und immer im Kopf haben: Der Staat hat immer nur einen Teilbereich zu regeln, viele wesentliche Entscheidungen fallen außerhalb staatlicher Entscheidungsfindung. Man muss die Volkswirtschaft verstehen, man muss verstehen, wie der Rechtsverkehr funktioniert ... Das ist kompliziert.
teleschau: Da haben Sie eigentlich ein Dilemma beschrieben ...
Scherf: Klar.
teleschau: Da sind einerseits die engagierten Menschen, aber andererseits haben die Parteien Nachwuchssorgen ... Wie könnte das nun wieder zusammengehen?
Scherf: Das muss man bearbeiten! Nicht zetern, sondern sich was einfallen lassen: Die Parteien öffnen, auch querköpfige, unangepasste Leute brauchen wir. Gerade die! Früher machten wir "Go in": Reingehen in die Parteien und von innen gestalten!
teleschau: Könnte ein gewisses Desinteresse auch daran liegen, dass die Vermittlung von Politik zum Beispiel im Fernsehen häufig eher dröge erscheint?
Scherf: Ich habe ja lange genug Politik gemacht, und wir fanden alle, dass die Vermittlung anstrengend ist. Obwohl das nicht das Hauptproblem ist: Die entscheidenden Situationen werden immer komplexer, und man kann keine einfachen Antworten mehr finden. Viele der Zuschauer ahnen überhaupt nicht, welche Komplexität hinter einer entscheidenden Situation steckt, sondern beurteilen das eher emotional. Das Vermitteln könnte besser sein, das stimmt schon.
teleschau: Eine Idee?
Scherf: So etwas wie unsere Sendung zum Beispiel. Man muss neue Formate erfinden, man muss positive Beispiele besonders den jungen Leuten vorführen. Wir wollen keine Anklage gegen die bisherige Politik-Performance bringen, sondern eine Anregung für junge Leute entfalten, die auch genutzt wird. Ich habe den Eindruck, von diesen 2.500 Bewerbungen kann man rückschließen, dass es eine erstaunliche Zahl von Menschen gibt, die Lust haben, sich auf diese Weise zu präsentieren. Das gehört ja dazu: Ich kann Politik nicht im stillen Kämmerlein machen. Ich muss versuchen, Dinge öffentlich zu sagen und Verbündete zu finden. Das wird hier richtig schön erkennbar und sichtbar.
teleschau: Worin bestand für Sie konkret der Anreiz, als Juror dabei mitzumachen?
Scherf: Ich wollte dem ZDF helfen, diese Idee auszuprobieren
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