Denn richtige Freunde gibt es eben nur wenige.
teleschau: Ein Song ihres neuen Albums, "Affetti Personali", handelt von Freundschaften. Sind Ihnen persönlich Freundschaften inzwischen wichtiger als Liebe?
Ramazzotti: Normalerweise geht eine große Liebe zulasten von Freundschaften. Vor allem Frauen wollen dann ja immer bei dir sein, schotten sich gerne gegenüber anderen Personen ab. Aber eigentlich sind Liebe und Freundschaft natürlich zwei ganz verschiedene Dinge, beide sind wichtig, und es ist um so besser, wenn beide da sind.
teleschau: Welche Bedeutung hat der Albumtitel "Ali E Radici" für Sie?
Ramazzotti: Er drückt aus, wie ich mich momentan fühle. Da ist auf der einen Seite der Wunsch, das Glück mit einer anderen Person zu suchen, jemanden zu finden, mit dem du dein Leben teilen kannst. Und dann ist da aber auf der anderen Seite die Angst, etwas aufgeben zu müssen. Also entweder zu sesshaft zu werden oder doch zu fliegen, sich frei zu fühlen. Denn während der letzten acht Jahre hatte ich zwar meine Tochter Aurora, aber ansonsten lebte ich doch mehr oder weniger alleine. Aber ich fühle mich großartig dabei. Auch wenn man manchmal eine weitere wichtige Person im Leben vermisst.
teleschau: Sie wirken auch sehr entspannt, lachen auf dem Albumcover ...
Ramazzotti: Das wollte ich auch. Denn ich glaube, dass das Album insgesamt ein positives Grundgefühl vermittelt. Auch wenn sich manches darum dreht, was in der Welt nicht richtig läuft.
teleschau: Und zwar?
Ramazzotti: Es ist ja leider Realität, dass wir uns nicht gerade im Paradies befinden. Gerade jetzt. Aber wir hoffen immer, dass sich die Dinge ändern. Sicher, es ist schwierig, Gewalt und Kriege zu unterbinden. Aber ich glaube, dass US-Präsident Obama vielleicht jemand sein könnte, der einen Unterschied macht. Wenigstens sagt mir das mein Bauchgefühl. Ich hoffe nur, dass er vom US-Alltag nicht aufgesaugt wird. Und dass er das tun kann, was er machen will, dass es ihm erlaubt wird.
teleschau: Aber Obama alleine wird diese Aufgaben ja nicht schaffen. Sehen Sie denn andere Persönlichkeiten, die ihm dabei zur Seite stehen könnten? In Europa womöglich?
Ramazzotti: Naja, Obama und vor allem die USA sind schon das Zentrum der Welt. Aber als Italiener in Europa sehe ich schon die Situation, dass hier Umweltschutz, Respekt gegenüber anderen Menschen, Toleranz generell einen höheren Stellenwert haben - vor allem in den nördlichen Staaten, in Deutschland, Österreich, in der Schweiz
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