Eros Ramazzotti: Zwischen Freiheit und Geborgenheit

Eine Privatstraße in Mailand, Hinterhofgebäude, zweiter Stock. Irgendwie kaum verwunderlich, dass Eros Ramazzotti hier in einem gut versteckten Studio Mitte April Fragen zu seinem neuen Album "Ali E Radici" (zu deutsch: Flügel und Wurzeln) beantwortet. Nicht erst seit seiner schlagzeilenträchtigen Scheidung von der Moderatorin Michelle Hunziker hasst der 45-jährige Superstar des Italo-Pop jeglichen Medien- und Starrummel. Hier im heimelig eingerichteten Studioloft allerdings fühlt sich Ramazzotti sichtlich wohl, erscheint im legeren Sweatshirt, präsentiert sich als aufgeräumter Gesprächspartner. Der konzentriert und mit großer Ernsthaftigkeit auf Fragen zu seinen persönlichen Wurzeln antwortet, aber auch nur richtig auftaut, wenn es um sein Lieblingsthema geht - Fußball.

teleschau: Sie sind in Rom geboren, leben seit über 20 Jahren in Mailand. Warum sind Sie eigentlich Fan von Juventus?

Eros Ramazzotti: Das habe ich mich auch schon immer gefragt. Und viele Leute haben mich das auch schon gefragt. Aber es ist eigentlich ganz einfach: Mein Vater und mein Onkel waren schon in den 50er-Jahren Juve-Fans.

teleschau: So ist das ja oft, mein Vater hat mich auch einmal mit ins Stadion genommen, seitdem bin ich Fan.

Ramazzotti: Welcher Verein?

teleschau: Eintracht Frankfurt.

Ramazzotti: Hmm. Die stehen eher so im Mittelfeld, oder? Aber Wolfsburg ist gerade sehr stark.

teleschau: Das stimmt. Ich frage aber auch deshalb, weil ich mich gefragt habe, wo Sie sich zu Hause fühlen ...

Ramazzotti (bestimmt): Hier. In Mailand. Klar, ich bin in Rom geboren, habe dort einige Jahre gelebt, aber in den Außenbezirken. Ich bin in Cinecittà aufgewachsen, da gab's nicht viel, einige Häuser, nicht viel drum herum. Rom war schon ziemlich weit weg. Das wirkliche Rom, die Hauptstadt, den Sitz des Papstes, den Ort, an dem die Reichen wohnen, habe ich also auch gar nicht verlassen. Und eigentlich hätte ich überall geboren werden können. Sicher, in gewisser Weise fühle mich ich schon als Römer, noch mehr aber als Italiener, als jemand, der diese Grenzen überschreitet. Denn der Römer an sich ist sehr konservativ, für ihn gibt es auch nur Rom, keine andere Stadt auf der Welt. Ich sehe mich aber eher als einen Mann von Welt.

teleschau: Und Mailand?

Ramazzotti: Ich fühle mich hier wohl, natürlich auch, weil mir die Stadt vor über 25 Jahren Karrieremöglichkeiten eröffnete, die ich in Rom nicht hatte.

teleschau: Für Ihr neues Album "Ali E Radici" haben Sie wieder mit zwei ihrer langjährigen Partnern gearbeitet. Wie wichtig ist Ihnen eine gewisse familiäre Atmosphäre?

Ramazzotti: Für mich ist das außerordentlich wichtig. Außerdem glaube ich an den Satz: Never change a winning team. Und bei uns ist es ja nicht wie mit Fußballern, die irgendwann alt werden. Wir hingegen werden ja eher immer besser.

teleschau: Würden Sie die beiden als Ihre Freunde bezeichnen?

Ramazzotti: Ich würde sagen, es gibt einen starken Zusammenhalt zwischen uns. Aber das hängt sehr von meiner Persönlichkeit ab. Zum einen bin ich niemand, der unbedingt die ganze Zeit mit jemandem zusammen sein muss, um mit ihm befreundet zu sein. Und zum anderen habe ich für mich selbst gelernt, dass es besser ist, nicht zu viele Freunde zu haben

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