Dann kann ich den Konflikt moderieren, sie begleiten, ihnen einen hoffnungsvollen Ausblick anbieten. So wird man das auch in meiner Sendung erleben.
teleschau: Fällt es Männern schwerer, sich Ihnen zu öffnen?
Marquardt: Interessanterweise ja. Männer kommen oft erst, wenn die Frau mit dem Koffer durch die Tür gehuscht ist. Vielleicht liegt ihre Skepsis an dem Stereotyp, das meinem Beruf anhaftet. Aber wenn sie erst mal angefangen haben zu sprechen, können sie sich oft umso mehr öffnen.
teleschau: Was können Sie tun, wenn die Liebe erloschen ist?
Marquardt: Ich habe nicht das Zündholz, um die Liebe neu zu entfachen. Ich kläre, welche Möglichkeiten es für ein Paar gibt, Schritt für Schritt neues Vertrauen aufzubauen. Wenn wirklich gar kein Gefühl mehr da ist, dann kann ich zum Beispiel zumindest versuchen, die beiden so auseinandergehen zu lassen, dass sie ihrem Kind noch gute Eltern sein können.
teleschau: Sprechen Sie eigentlich von Beratung oder Therapie?
Marquardt: Ich leiste Paar-Beratung! Es ist ja niemand krank.
teleschau: Der Beruf des Beraters scheint gefragter denn je. Leben wir in einer Gesellschaft, in der die Menschen selbst nicht mehr klarkommen?
Marquardt: Wir leben in einer Gesellschaft, die sich sehr verändert hat. Der Austausch im großen Familienkreis findet kaum statt, traditionelle Werte werden nicht mehr in dem Maß weitergegeben. Heute werden Kinder doch viel mehr über alle möglichen Medien aufgeklärt als von der eigenen Großmutter. Die Konsequenz: Die Jugend ist mit vielen Fragen ziemlich alleine gelassen. "Wie gehe ich mit mir, meinem Körper und Emotionen um? Wie ist es, wenn ich zum ersten Mal verliebt bin?" - Niemand hilft. Also rutschen wir irgendwie rein in dieses Ding genannt Liebe ... Es gibt Kurse für alles Mögliche, aber es gibt keinen Liebeskurs.
teleschau: Dank Internet ist das Verlieben an sich aber ziemlich leicht ...
Marquardt: Ja und nein. Der Boom der Datingportale spiegelt ja auch die Hilflosigkeit bei der Kontaktanbahnung wider. Gehen Sie mal auf eine Ü-30-Party!
teleschau: Schon gewesen.
Marquardt: Dann wissen Sie's: lauter Menschen, die sich an einer Zigarette oder Bierflasche festhalten und keine Ahnung haben, wie sie miteinander in Kontakt kommen sollen. Dann gehen sie nach Hause und sagen: "Scheiß-Party!" Für diese Generation, die in der Regel nicht flirterprobt ist, sondern wirklich lange Beziehungen hinter sich hat und die kindliche Offenheit komplett verlor, sind Datingportale gemacht
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