Weil es nicht in das gesellschaftlich anerkannte Bild passt, glauben wir, wir wären gescheitert. Ich sehe es etwas anders. Unsere Gesellschaft hat sich so verändert, dass es durchaus legitim ist, zu sagen, die Liebe durchlebt vielleicht nur Phasen.
teleschau: Dass die Liebe irgendwann zu Ende ist, ist normal?
Marquardt: Ja. Wie in anderen Bereichen des Lebens kann die Phase der Liebe vorbeigehen. Wie bei der Berufswahl. Ganz selten bleibt heute jemand in der gleichen Anstellung bei ein und demselben Arbeitgeber ein Leben lang. Schwierig ist es, wenn wir glauben, wir seien gescheitert. Denn auch dieser Glaubenssatz prägt uns in der künftigen Partnerwahl. Schwierig wird es an Scheidepunkten.
teleschau: Wie zum Beispiel?
Marquardt: Paare bekommen ein Kind, die Kinder gehen aus dem Haus, ein Partner verliert oder wechselt seine Arbeitsstelle. Dann ist das System Familie im Umbruch. Es braucht eine Neuorientierung für alle.
teleschau: Hat das Ende der Liebe oft mit einem Kind zu tun?
Marquardt: Ich kann es zwar nicht an Zahlen festmachen, aber wenn Paare ins Schleudern geraten, hat das schon auffällig häufig mit dem Thema zu tun. Es ist nicht einfach und umso wichtiger, dieses neue Gefälle auszutarieren. Die Frau fokussiert sich nach der Geburt häufig stark auf das Kind, schon aus biologischen Gründen, die Partnerschaft rückt für sie vielleicht in den Hintergrund. Dazu kommen schlaflose Nächte, die Kinder werden krank, Eltern erleben, dass sie nicht mehr so selbstbestimmt sind. Das macht etwas mit einem Paar. Wichtig ist, sich trotzdem genug Paar-Zeit zu geben - auch für die Erotik. Und: Paare bestehen aus einzelnen glücklichen Menschen. Daher: Mit mir selbst im Reinen und zufrieden zu sein ist ein Weg, mich selbst begehrenswert zu finden und damit auch für den Partner attraktiv zu bleiben.
teleschau: Ob eine Beziehung gerettet werden kann oder die Trennung vernünftiger ist ...
Marquardt: ..., ist nicht meine Entscheidung (lacht). Es ist nicht an mir, den Weg vorzugeben. Ich bin nicht die Expertin für das Leben der anderen. Allerdings kann ich Fragen stellen und schauen, wie ich meinem Gegenüber helfen kann. Mein Ansatz: "Da drüben sitzt die einzige Person, die sich mit ihrem Leben auskennt, nur sie kann mir sagen, was sich in Ordnung anfühlt und was nicht in Ordnung ist." Das Wichtigste ist, dass ich offen bin für meine Klienten und dass ich ihnen vermitteln kann, dass es hier nicht um Schuldfragen und Recht haben oder nicht geht
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